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Der Rentenbeitrag soll ab 2018 sinken und danach zunächst stabil bleiben  - allerdings nur bis maximal 2023.
Der Rentenbeitrag soll ab 2018 sinken und danach zunächst stabil bleiben - allerdings nur bis maximal 2023.(Foto: imago/Sven Simon)
Dienstag, 14. November 2017

Dank boomender Konjunktur: Rentenbeitrag sinkt - Renten dagegen steigen

Die gute Lage am Arbeitsmarkt macht sich auch in der Kasse der Deutschen Rentenversicherung bemerkbar: Deren Rücklage überschreitet in diesem Jahr den gesetzlichen Grenzwert - und macht nun eine Anpassung des Beitragssatzes notwendig.

Der Beitragssatz für die gesetzliche Rente sinkt Anfang kommenden Jahres voraussichtlich leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 18,6 Prozent. Das teilte der Vorstandsvorsitzende der Rentenversicherung, Alexander Gunkel, in Würzburg mit. Die Bundesregierung dürfte den Schritt per Verordnung vollziehen. Grund für die positiven Rentenfinanzen sind die gute Konjunktur und Beschäftigungslage. Zugleich können die rund 21 Millionen Rentner im kommenden Juli mit einer spürbaren Erhöhung ihrer Bezüge um rund drei Prozent rechnen. Voraussetzung sei, dass sich Löhne und Gehälter wie derzeit prognostiziert entwickelten, sagte er weiter.

Bis zum Jahr 2022 könnten die Rentenbeiträge dann voraussichtlich stabil bleiben. Doch dann kommen immer mehr starke Babyboomer-Jahrgänge in Rente, was die Rentenkasse belastet. 2023 dürfte er wieder auf 18,7 Prozent steigen. 2024 wird eine Steigerung auf 19,8 Prozent vorausgesagt. Und dann dürfte der Beitragssatz schrittweise weiter steigen - bis er 2030 bei 21,6 Prozent liegen dürfte.

In diesem Jahr waren die Renten um 1,9 Prozent im Westen und 3,59 Prozent im Osten gestiegen, im Jahr zuvor um 4,25 beziehungsweise 5,95 Prozent. In den Jahren zuvor hatten es kleinere Erhöhungen der Bezüge gegeben. Im Zeitraum von 2018 bis 2024 werden aufgrund eines im laufenden Jahr verabschiedeten Gesetzes die Ost- an die Westrenten in sieben Schritten komplett angeglichen.

Rentenniveau in den kommenden fünf Jahren wohl stabil

In den kommenden gut fünf Jahren dürfte das Rentenniveau bei rund 48 Prozent stabil bleiben, sagte Gunkel. Dieses Verhältnis von Einkommen zur Rente liegt derzeit vor Steuern bei 48,2 Prozent und dürfte noch bis 48,3 Prozent steigen und dann absinken. Bis 2030 dürfte das Rentenniveau auf 45 Prozent und bis 2045 auf 42,2 Prozent fallen, wenn die Politik nicht gegensteuert.

Die Co-Vorstandsvorsitzende der Rentenversicherung, Annelie Buntenbach, rief die Jamaika-Partner deshalb auf, Schritte zur Stabilisierung der Rentenfinanzen zu ergreifen. Eine Entwicklung «höhere Beiträge für sinkendes Rentenniveau» dürfe nicht Wirklichkeit werden. Sonst drohe die Rentenversicherung ihre Legitimität in der Bevölkerung zu verlieren. "Wichtig ist, dass bereits in dieser Legislatur die Entscheidungen getroffen werden", sagte sie.

Gunkel, der die Arbeitgeber vertritt, forderte, sich längerfristig mit dem Renteneintrittsalter auseinanderzusetzen: "Es spricht aus meiner Sicht viel dafür, dass es längerfristig weiter angehoben werden soll." Buntenbach, die die Arbeitnehmer vertritt, entgegnete, sie lehne dies "mit Nachdruck" ab. Gunkel und Buntenbach warnten davor, eine erweiterte Mütterrente aus Beiträgen zu finanzieren. In diesem Jahr rechnet die Rentenversicherung mit einer schwarzen Null: Einnahmen und Ausgaben dürften sich auf 293,2 Milliarden Euro belaufen. Die Rentenrücklage dürfte 32,9 Milliarden betragen.

Quelle: n-tv.de

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