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Sonntag, 13. August 2017

Ultra-Rechte in Charlottesville: Republikaner fordern Trump zu Distanzierung auf

Tagelang steht der US-Präsident wegen seiner Nordkorea-Schnellschüsse in der Kritik. Nun sorgt eine eskalierte Kundgebung der extremen Rechten mit drei Toten für Entsetzen im Land - und Trump gleich mit, weil er kein Wort zu Alt-Right, Ku-Klux-Klan und White Supremacists verliert.

US-Präsident Donald Trump steht für seine Reaktion auf die Gewalt in Charlottesville in der Kritik. Prominente Demokraten, Bürgerrechtler und auch einige Republikaner warfen Trump vor, die Rechtsextremen der "white supremacy"-Bewegung nicht explizit verurteilt zu haben.

"Mr. President - wir müssen das Böse beim Namen nennen. Dies waren weiße Rassisten und dies war einheimischer Terrorismus", twitterte der republikanische Senator Cory Gardner.

"Es ist sehr wichtig, dass der Präsident die Ereignisse in Charlottesville als das beschreibt, was sie sind, ein Terroranschlag weißer Rassisten", schrieb der republikanische Senator Marco Rubio.

Der demokratische Gouverneur von Virginia, Terry McAuliffe, richtete eine äußerst scharf formulierte Botschaft an die Rechtsextremisten, die er für die Gewalt verantwortlich machte. "Ihr seid hier nicht willkommen", sagte er auf einer Pressekonferenz. "Geht nach Hause. Nehmt euren Hass und eure Vorurteile mit. Es gibt hier keinen Platz für euch, und es gibt keinen Platz für euch in Amerika."

Auch die demokratische Oppositionsführerin Nancy Pelosi forderte von Trump eine Verurteilung der "white supremacy"-Bewegung als Affront gegen amerikanische Werte.

Seit dem Wahlsieg Trumps zeigen sich die Anhänger der rechten Gruppierungen häufiger in der Öffentlichkeit der USA.
Seit dem Wahlsieg Trumps zeigen sich die Anhänger der rechten Gruppierungen häufiger in der Öffentlichkeit der USA.(Foto: dpa)

Trump hatte zwar die "ungeheuerliche Gewalt" vom Samstag verurteilt, erwähnte dabei die Kundgebung der Rechtsextremen aber nicht direkt. Stattdessen sprach er pauschal von "Gewalt von vielen Seiten". Trump äußerte sich nach einem ersten allgemeinen verurteilenden Tweet bei einem Auftritt an seinem Urlaubsort in Bedminister (New Jersey). Es gebe in Amerika "keinen Platz" für Gewaltausbrüche wie den in Charlottesville, sagte er, ohne in Einzelheiten zu gehen. Er rief seine Landsleute dazu auf, zusammenzustehen und einander - ungeachtet aller Differenzen - "zu lieben".

Wiesenthal-Zentrum spricht von Terror

Bei der Eskalation einer Kundgebung von Rechtsextremisten war ein Fahrzeug in Gegendemonstranten gefahren und hatte eine Frau getötet. Insgesamt wurden 35 Menschen verletzt, 19 davon bei dem Autovorfall. Bereits vor der Tat hatten sich Kundgebungsteilnehmer schwere Schlägereien mit Gegendemonstranten geliefert. Der Fahrer, ein 20-jähriger Mann aus Ohio, wurde nach Polizeiangaben unter Totschlagsverdacht festgenommen.

Das in Los Angeles ansässige Wiesenthal-Zentrum verurteilte die Gewalt als Terror. Es rief US-Spitzenpolitiker, allen voran Präsident Trump, dazu auf, "die extreme Alt-Right-Bewegung und die weißen Nationalisten, die Hass, Misstrauen und Gewalt säen, eindeutig zu verurteilen". Das 1977 gegründete Zentrum wurde mit der weltweiten Suche nach untergetauchten Nazi-Verbrechern bekannt.

Teilnehmer kamen mit Baseballschlägern zur Kundgebung

An der Kundgebung unter dem Motto "Vereinigt die Rechte" hatten schätzungsweise mehrere Tausend Menschen aus verschiedenen ultrarechten Gruppen teilgenommen, so Angehörige der Alt-Right-Bewegung, Neonazis und Ku-Klux-Klan-Anhänger. Unter ihren war auch der ehemaliger Ku-Klux-Klan-Führer David Duke. Duke wurde auf einem vom "Indianapolis Star" geposteten Video gezeigt wie er sagte, die Demonstranten wollten sich "unser Land zurückholen". Damit wollten sie "die Versprechen von Donald Trump erfüllen".

Nach Fernseh- und Augenzeugenberichten waren mehrere Kundgebungsteilnehmer mit Baseballschlägern gekommen. Anlass der Demonstration war ein Stadtratsbeschluss, eine Statue des Konföderierten-Generals Robert E. Lee aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg (1861 bis 1865) zu entfernen. Anhänger der ultra-nationalistischen Alt-Right-Bewegung, haben sich seit dem Wahlsieg Trumps verstärkt in der Öffentlichkeit gezeigt.

Das zwei Autostunden südwestlich von Washington gelegene Charlottesville ist eine Hochburg der US-Demokraten, nach CNN-Angaben stimmten dort bei der Präsidentenwahl 80 Prozent für Trumps demokratische Herausforderin Hillary Clinton. Die Konföderierten (Südstaaten) hatten für den Fortbestand der Sklaverei gekämpft. Trumps Vorgänger Barack Obama schrieb auf Twitter: "Niemand wird mit Hass auf eine andere Person wegen ihrer Hautfarbe, ihres Hintergrunds oder ihrer Religion geboren."

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Quelle: n-tv.de

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