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Massaker von SrebrenicaRiesiges Massengrab entdeckt

11.08.2006, 19:19 Uhr

Gerichtsmediziner haben aus dem größten jemals in Bosnien entdeckten Massengrab 133 vollständige Skelette von Opfern des Massakers von Srebrenica ausgegraben.

Gerichtsmediziner haben aus dem größten jemals in Bosnien entdeckten Massengrab 133 vollständige Skelette von Opfern des Massakers von Srebrenica ausgegraben. Zudem seien mehr als 900 Leichenteile geborgen worden, sagte Murat Hurtic von der Vereinigung moslemischer Kroaten am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

Auf Grund der Funde in dem Massengrab "Jaz" könnten möglicherweise hunderte Opfer mit Hilfe genetischer Tests identifiziert werden. Wie acht weitere Gräber von Srebrenica-Opfern liegt "Jaz" nahe des ostbosnischen Dorfes Kamenica.

Das zehnköpfiges Expertenteam mit Wissenschaftlern aus mehreren Ländern wolle noch bis zu drei Tage mit den Exhumierungen fortfahren, sagte Hurtic. Die Gerichtsmediziner durchsuchten den Boden nach weiteren Schädeln, Knochen, Körperteilen, Kleidungsstücken und Schuhen. Da die Leichen aber zur Verschleierung des Verbrechens an der ursprünglichen Stelle des Massakers mit Bulldozern ausgegraben worden waren und dann nach Jaz gebracht wurden, befanden sich viele in sehr schlechtem Zustand. Die Experten fanden in dem Grab nach eigenen Angaben auch Dokumente, die eindeutig belegten, dass es sich bei den Opfern um Personen handelt, die 1995 in Srebrenica verschwanden.

Das Massaker von Srebrenica ereignete sich in den letzten Monaten des Bosnien-Krieges: In der damaligen UN-Schutzzone erschossen Truppen der bosnischen Serben innerhalb weniger Tage ab dem 11. Juli 1995 systematisch 8.000 unbewaffnete, moslemische Männer und Jungen. Zuvor hatten die Vereinten Nationen Nato-Luftangriffe gegen den Vormarsch der bosnischen Serben abgelehnt, die in Srebrenica auch von 400 leicht bewaffneten UN-Soldaten aus den Niederlanden nicht aufgehalten wurden. Mittlerweile wurden rund 2.500 Opfer identifiziert. 3.500 Körperteile müssen noch per DNA-Analyse untersucht werden.

Anschlag auf Izetbegovic-Grab

Auf das Grab des früheren bosnischen Präsidenten und Moslem-Anführers Alija Izetbegovic ist am Freitag ein Sprengstoffanschlag verübt worden. Die Grabstätte auf einem Friedhof in der Altstadt von Sarajevo sei bei der Explosion beschädigt worden, teilte die Polizei mit. Personen seien nicht zu Schaden gekommen. Die Polizei habe Ermittlungen aufgenommen.

Izetbegovic war einer der Unterzeichner des Friedensvertrages von Dayton, der den dreijährigen Krieg zwischen moslemischen, serbischen und kroatischen Bevölkerungsgruppen Ende 1995 beendete. Mit dem Abkommen wurde der Staat Bosnien-Herzegowina gegründet. Izetbegovic starb im Oktober 2003.