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Entscheidende Tage für Philipp Rösler (l.) und Rainer Brüderle.
Entscheidende Tage für Philipp Rösler (l.) und Rainer Brüderle.(Foto: imago stock&people)

"Weckruf für die Liberalen": Die FDP kämpft um jede Zweitstimme

Von Roland Peters

Nach dem Desaster in Bayern setzt die FDP auf Leihstimmen von der Union. Schließlich hat ihr das bereits in Niedersachsen über die Fünf-Prozent-Hürde geholfen. Doch ob die rot-rot-grüne Drohkulisse funktioniert, ist fraglich. Denn die wahrscheinlichste Alternative zu Schwarz-Gelb ist die Große Koalition.

Die FDP fliegt also aus dem bayerischen Landtag, und die CSU holt sich die absolute Mehrheit zurück. Seit 1962 hatten die Christsozialen nur ein einziges Mal eine Koalition eingehen müssen: im Jahr 2008 mit der FDP. Ansonsten gab es immer eine Alleinregierung.

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Die 8 Prozent der Liberalen in Bayern vor fünf Jahren waren nur ein Strohfeuer. Daran konnte auch Spitzenkandidat Martin Zeil nichts ändern - obwohl er als Wirtschaftsminister aus einer hervorragenden Position in den Wahlkampf gehen konnte. Trotz der sehr guten wirtschaftlichen Situation im Freistaat erreichte seine FDP nur 3 Prozent.

Röslers Risiko

Was das für kommenden Sonntag bedeutet, ist klar: Alle Augen auf die FDP. Fliegen die Liberalen aus dem Bundestag, ist die Große Koalition die wahrscheinlichste Option. Der Wirtschaftsminister im Bund sagte nach dem derben Dämpfer aus München trotzig: "In Bayern ticken die Uhren anders, ab jetzt geht es um Deutschland." Was Parteichef Philipp Rösler meint: Jetzt geht es um die FDP. Und um seinen eigenen Kopf. Seit ihrer Gründung nach dem Zweiten Weltkrieg war seine Partei immer im Bundestag vertreten.

Braucht die Liberalen nicht: Angela Merkel.
Braucht die Liberalen nicht: Angela Merkel.(Foto: REUTERS)

Und so sieht Rösler einen "Weckruf für die Liberalen". Einen Weckruf, in den er zwingend einstimmen muss. Ereilt ihn das gleiche Schicksal wie seinen Landeskollegen Zeil, wird es für ihn nicht so glimpflich ausgehen. Nach der Bayern-Wahl stehen die Zeichen ein kleines bisschen mehr auf Wechsel. Und wenn er kommt, dann nicht nur auf der Regierungsbank, sondern auch in der Parteizentrale der Liberalen. Fliegt die FDP raus, fliegt ihr Chef wohl mit.

Hoffnung Angstmacherei

Worauf Rösler und sein Spitzenkandidat Rainer Brüderle sich bis zum kommenden Sonntag verlassen, ist ein Einsatz mit Risiko: Sie wollen den möglichen Wechsel mit Angstmacherei vor der Linken verhindern. Schon nach der ersten Prognose aus München malte er das Schreckgespenst von Rot-Rot-Grün an die Wand. Sollte die FDP nicht in den Bundestag einziehen, sei Sigmar Gabriel plötzlich der mächtigste Mann im Land, prophezeite Rösler. Denn der SPD-Chef könne dann Kanzlerin Angela Merkel mit Rot-Rot-Grün drohen.

Genau dies schloss Gabriel im Willy-Brandt-Haus gleich danach aus: Keine Koalition mit, keine Tolerierung durch die Linke, wie in Nordrhein-Westfalen, sagte der SPD-Parteichef. Hält er Wort, entscheidet das Abschneiden der FDP über die kommende Regierungskoalition im Bund.

Doch Hilfe für die FDP von der Union, wie Anfang des Jahres in Niedersachsen, gibt es auf keinen Fall. "Nix da", hieß es von einem führenden CDU-Mitglied bei der Wahlparty der CDU. Armin Laschet, Chef der NRW-CDU, kündigte sogleich eine Anweisung aus Berlin an alle Landesverbände an: keine Zweitstimmenkampagne für den Koalitionspartner.

Fäden fest im Griff

Für die CDU ist der ganze Trubel nur Puppentanz. Merkel ist es egal, mit wem sie koaliert - die vorangegangene Koalition mit den Sozialdemokraten von 2005 bis 2009 schadete nicht ihr, sondern der SPD, und auch die FDP ist seit dem Amtsantritt der schwarz-gelben Regierung in kontinuierlichem Sinkflug.

Für den größten Teil der Wähler ist eine Große Koalition ohnehin die Wunschregierung. Das könnte Unionswähler davon abhalten, den Liberalen ihre Stimme zu leihen. Wenn es die FDP nicht wird, dann eben die SPD, oder gar die Grünen. Beide wären gefahrlose Hilfsarbeiter in Merkels erneuter Amtszeit. Dann hätte die Kanzlerin wenigstens endlich die lästige Energiewende vom Hals. Und Rösler gleich mit.

Quelle: n-tv.de

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