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Die Armee in Myanmar geht mit "Räumungsaktionen" gegen die Rohingya vor.
Die Armee in Myanmar geht mit "Räumungsaktionen" gegen die Rohingya vor.(Foto: imago/ZUMA Press)
Sonntag, 10. September 2017

Das Drama von Myanmar: Rohingya-Rebellen rufen Feuerpause aus

Die Lage in Myanmar ist verzweifelt. Hunderte Menschen sterben bei Kämpfen der Armee gegen die Rohingya, Hunderttausende sind auf der Flucht. Nun wollen die Rohingya-Rebellen einen einmonatigen Waffenstillstand. Sie geben vor allem einen Grund an.

Nach gut zweiwöchigen Kämpfen in Myanmar haben die Rohingya-Rebellen einen einseitigen Waffenstillstand ausgerufen. Die humanitäre Feuerpause solle einen Monat lang gelten, teilten die Aufständischen über Twitter mit. Damit sollten Hilfslieferungen für die Not leidenden Menschen in dem nordwestlichen Bundesstaat Rakhine ermöglicht werden.

Die Rebellen riefen alle Verantwortlichen auf, Hilfsgüter in die Region zu liefern. Dies müsse "unabhängig vom ethnischen oder religiösen Hintergrund" der Menschen erfolgen, forderten sie. Die Feuerpause soll den Angaben zufolge bis zum 9. Oktober in Kraft bleiben.

Die Regierung Myanmars hatte zuvor erstmals Hilfen für die Rohingya in Aussicht gestellt. Sie sagte humanitäre und medizinische Unterstützung durch Rot-Kreuz-Mitarbeiter zu, wie die Staatszeitung "Das Globale Neue Licht von Myanmar" berichtete.

Zehntausende fliehen nach Bangladesch

Die Rebellen der muslimischen Minderheit kämpfen in Rakhine gegen die Streitkräfte von Myanmar. Die jüngste Gewaltwelle dort hatte Ende August mit Angriffen der Rebellengruppe auf Polizei- und Militärposten begonnen. Die Armee des südostasiatischen Landes antwortete nach eigenen Angaben mit einer "Räumungsaktion". Hunderte Menschen sollen seitdem ums Leben gekommen sein. Nach UN-Angaben flohen 290.000 Menschen vor der Gewalt ins Nachbarland Bangladesch.

Was genau in Rakhine vor sich geht, weiß niemand. Die Vereinten Nationen haben keinen Zugang. Flüchtlinge berichteten, dass ihre Häuser niedergebrannt und Familienangehörige erschossen worden seien. Überprüfen lassen sich solche Angaben nicht.

Die Rohingya werden im vorwiegend buddhistischen früheren Birma nicht als Staatsbürger anerkannt. Sie gelten als eine der am meisten verfolgten Minderheiten der Welt. Weite Teile der buddhistischen Mehrheit in Myanmar betrachten sie als illegale, staatenlose Einwanderer aus Bangladesch, obwohl viele der Rohingya schon seit Generationen in Myanmar leben.

Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi schweigt

Menschenrechtsorganisationen werfen der Regierung eine systematische Kampagne vor, um die Rohingya aus dem Land zu vertreiben. De-Facto-Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi schweigt zu den Vorgängen in ihrem Land.

Malaysias Regierungschef Najib Razak bezeichnete das Schweigen von Myanmars Regierung zu dem Konflikt als "enttäuschend": "Es passiert auf geplante Weise, dass sie (die Rohingya) gefoltert, benachteiligt, getötet und vergewaltigt werden", sagte er. Seine Regierung entsandte Hilfsgüter in die Grenzregion nach Bangladesch.

Pakistan bestellte am Samstag den Botschafter Myanmars ins Außenministerium ein. Ihm sei der "starke Protest der Regierung und des pakistanischen Volkes gegen die anhaltende Gewalt" gegen die Rohingya übermittelt worden, hieß es in einer Erklärung des Ministeriums.

Unterdessen wurden in Bangladesch Befürchtungen laut, dass sich Muslime angesichts der Geschehnisse im Nachbarland radikalisieren könnten. In den sozialen Medien kursieren Bilder und Videos, die mutmaßliche Gewaltverbrechen gegen die Rohingya in Myanmar zeigten. Die heimische Islamistenszene könnte die Gewalt gegen die Muslime auch für Rekrutierungsversuche nutzen, sagte der Chef der Anti-Terror-Polizei von Dhaka, Monirul Islam. "Wir haben entsprechende Überwachungsmaßnahmen ergriffen."

Quelle: n-tv.de

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