Politik
Erst nach eineinhalb Stunden wagte sich Romney vor seine Anhänger. Seine engsten Vertrauten waren von der überraschenden Niederlage trotzdem noch sichtlich mitgenommen.
Erst nach eineinhalb Stunden wagte sich Romney vor seine Anhänger. Seine engsten Vertrauten waren von der überraschenden Niederlage trotzdem noch sichtlich mitgenommen.(Foto: REUTERS)

Wie die Republikaner verloren: Romney erfasste "Schockstarre"

Die Republikaner und ihr Spitzenkandidat glaubten bis zuletzt an ihren Sieg. Doch es kam anders. US-Medien berichten jetzt, wie Mitt Romney und seine engsten Vertrauten die Einsicht der Niederlage erlebten. Während Romneys Frau weinte, soll er sich benommen haben wie ein Soldat mit einer posttraumatischen Belastungsstörung.

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Erst eineinhalb Stunden, nachdem Barack Obamas Wiederwahl als sicher galt, trat Mitt Romney in Boston vor seine enttäuschten Anhänger. Warum ließ er sich so viel Zeit? Laut US-Medien, die sich auf enge Berater Romneys berufen, verfiel der Republikaner in eine Art "Schockstarre", als er sich seiner Niederlage bewusst wurde - denn sie kam für ihn völlig überraschend.

CBS News zitierte einen Assistenten, der in diesen Minuten an Romneys Seite stand, mit den Worten: "He was shellshocked." Als "Shellshocked" bezeichnen US-Amerikaner sogenannte Kriegszitterer, Soldaten, die unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden. Ein weiterer Berater sagte dem Fernsehsender: "Ich glaube nicht, dass es unter uns jemanden gab, der das kommen gesehen hat."

Republikaner verließen sich auf eigene Hochrechnungen

Eine mögliche Ursache für die Fehleinschätzung von Romneys Lager: Die Republikaner trauten den Umfragen der Medien nicht. Sie glaubten, dass Zeitungen und Fernsehsender die Begeisterungsfähigkeit der Anhänger der "Grand Old Party" unter- und die der Demokraten überschätzten. Sie setzen nur auf eigene Hochrechnungen.

Und darin gingen sie davon aus, dass die Wahlbeteiligung in etwa der aus den Jahren 2004 und 2008 entsprechen würde. Doch letztlich war sie deutlich höher - was den Demokraten zugute kam. Hinzu kam eine Reihe weiterer Fehleinschätzungen. So erwarteten die Republikaner, dass sich Unentschiedene wie bei vergangenen Wahlen in letzter Sekunde wieder öfter für den Herausforderer entscheiden würden.  Und sie rechneten auf weitere Stimmen durch parteilose Wahlmänner. Sie irrten doppelt. Und damit stürzten ihre eigenen Hochrechnungen in sich zusammen.

Romneys Frau weinte

Ein als sicher geglaubter Sieg verwandelte sich binnen Minuten in eine schmetternde Niederlage. Nicht nur Romney und seine Berater waren geschockt. Laut der "New York Times" weinte Romneys Frau Ann und laut CBS News auch die seines Vizes Paul Ryan. Ein Zustand, in dem niemand aus dem Romney-Lager auf die Bühne treten wollte.

Wahrscheinlich brauchte der Präsidentschaftskandidat die eineinhalb Stunden vor seinem Auftritt in Boston einfach. Als er am Podium stand, war ihm die Dramatik und Tragik der zurückliegenden 90 Minuten nur noch in einigen Augenblicken anzumerken. Seiner Frau und seinem Vize dagegen hätten ein paar mehr Minuten unter sich offensichtlich gut getan. Ann Romney war nur zu einem verbissenen Lächeln imstande. Paul Ryan kratze sich verlegen am Hinterkopf.

Quelle: n-tv.de

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