Politik
Montag, 11. April 2011

Sparzwänge durch Krise: Rüstungsetats wachsen langsamer

Leere Staatskassen durch die Finanzkrise bremsen den Rüstungswettlauf. Nach neuen Zahlen des Stockholmer Sipri-Institutes steigen die Rüstungsausgaben 2010 nur um 1,3 Prozent. In den neun Jahren davor waren sie durchschnittlich um 5,1 Prozent nach oben geklettert.

Ein Panzer des libyschen Machthabers Gaddafi, der nun in den Händen der Rebellen ist. Gerade Afrikas Ölstaaten gaben mehr Geld für Rüstung aus.
Ein Panzer des libyschen Machthabers Gaddafi, der nun in den Händen der Rebellen ist. Gerade Afrikas Ölstaaten gaben mehr Geld für Rüstung aus.(Foto: AP)

Angesichts der Sparzwänge durch die Wirtschafts- und Finanzkrise in vielen Staaten sind die weltweiten Rüstungsausgaben 2010 deutlich weniger gestiegen als in den Jahren zuvor. Während die Ausgaben für Rüstungsgüter zwischen 2001 und 2009 im Schnitt um jährlich 5,1 Prozent zulegten, erhöhten sie sich 2010 nur um 1,3 Prozent auf 1630 Milliarden Dollar (1140 Milliarden Euro), erklärt das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI in seinem Bericht. Der relativ geringe Anstieg ging vor allem auf die geringere Erhöhung des US-Verteidigungsbudgets zurück.

Hatten sich die Militärausgaben in den USA zwischen 2001 und 2009 im Schnitt um jährlich 7,4 Prozent erhöht, lag der Anstieg im vergangenen Jahr nur bei 2,8 Prozent, wie es in dem Bericht hieß. Allerdings liegt das Plus in den USA damit noch immer deutlich über dem weltweiten Schnitt. Zudem ist Washington mit einem Plus von 19,6 Milliarden Dollar für den Großteil des weltweiten Anstiegs von 20,6 Milliarden Dollar verantwortlich.

"Seit 2001 haben die USA ihre Militärausgaben um 81 Prozent gesteigert und stellen fortan 43 Prozent der weltweiten Gesamtausgaben. Dies ist sechs Mal mehr als bei ihrem nächsten Rivalen China", erklärte der SIPRI-Verteidigungsexperte Sam Perlo-Freeman. Die Verteidigungsausgaben in den USA betragen demnach 4,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Nur in den Golfstaaten wird mehr für das Militär ausgegeben.

Europa und Asien reduzieren

In Europa (plus 2,8 Prozent) und Asien (plus 1,4 Prozent) waren die Staaten durch die Wirtschaftskrise gezwungen, den Anstieg der Militärausgaben zu begrenzen. Besonders China begründete die Reduzierung der geplanten Verteidigungsausgaben mit dem geringeren Wachstum. In Afrika dagegen sorgte eine deutliche Steigerung der Rüstung in Erdölstaaten wie Algerien, Angola und Nigeria für ein Gesamtwachstum von 5,8 Prozent. Deutschland stand mit umgerechnet 31,2 Milliarden Euro (ebenfalls Sipri-Schätzung) und einem Minus von 1,3 Prozent im Vergleich zu 2009 auf dem achten Platz der Sipri-Liste.

Auch in Lateinamerika stiegen die Ausgaben dank einer prosperierenden Wirtschaft um 5,8 Prozent. "Dieser anhaltende Anstieg in Südamerika ist überraschend angesichts des Fehlens einer echten militärischen Bedrohung in den meisten Staaten der Region und der Existenz drängenderer sozialer Bedürfnisse", sagte die SIPRI-Südamerikaexpertin Carina Solmirano.

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Quelle: n-tv.de

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