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Schon kleine Kinder können gegen die Masern geimpft werden.
Schon kleine Kinder können gegen die Masern geimpft werden.(Foto: picture alliance / dpa)

Kampf gegen Masern: Ruf nach Impfpflicht wird lauter

Weltweit sterben noch immer Tausende Menschen an den Masern. Dabei gibt es längst eine Impfung. Auch in Deutschland sind nicht alle Kinder geschützt. Das Gesundheitsministerium erwägt nun, seinen Kampf gegen das Virus zu verstärken.

Im Bundesgesundheitsministerium werden neue Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Masern geprüft. Es würden Änderungen des Infektionsschutzgesetzes in Betracht gezogen, sagte ein Ministeriumssprecher. Zuvor hatte der "Spiegel" über die Erwägungen berichtet.

Künftig könnten nicht geimpfte Schüler bei einem Ausbruch der Erkrankung in ihrer Schule befristet vom Unterricht ausgeschlossen werden. Bisher gibt es diese Möglichkeit nur für erkrankte Kinder. Außerdem wird erwogen, die Gesundheitsämter zu verpflichten, schon bei der Aufnahme eines Kindes in den Kindergarten den Impfstatus abzufragen. Derzeit geschieht dies zu Schulbeginn. Allerdings könne dies erst nach der Bundestagswahl verabschiedet werden.

Die Bundesärztekammer fordert weitergehende Maßnahmen: "Aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht ist eine Impfpflicht das einzig Sinnvolle", sagt Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery dem Nachrichtenmagazin. "Bei Masern handelt es sich um eine hochansteckende Erkrankung mit hohem Gefahrenpotenzial für die nichtgeimpfte Bevölkerung. Daher wäre es gut, wenn alle Kinder geimpft wären."

Ständige Impfkommission sieht das Vorhaben kritisch

Woran erkennt man die Masern?

Bei den Masern handelt es sich um eine hochansteckende Viruserkrankung. Übertragen wird das Virus über eine Tröpfcheninfektion, also etwa beim Husten, Niesen oder engen Kontakt.

Erkrankte bekommen nach etwa 10 bis 12 Tagen hohes Fieber. Weitere Anzeichen sind Husten, rote, wässrige Augen und weiße Flecken im Mund. Nach etwa 14 Tagen tritt ein roter, fleckiger Ausschlag auf, der sich auf dem ganzen Körper ausbreitet.

Der verstärkte Ausbruch von Masern in diesem Jahr hat die Gesundheitspolitiker über Parteigrenzen hinweg alarmiert. "Wenn sich herausstellt, dass sich innerhalb eines Jahres die Impfquote nicht entscheidend verbessert, müssen wir über eine Impfpflicht nachdenken", sagte Unionsfraktionsvize Johannes Singhammer der "Rheinischen Post". Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schloss sich der Forderung an.

Einer aktuellen Umfrage zufolge gibt es viel Unterstützung für eine Impfpflicht: 80 Prozent der Befragten sprachen sich für eine solche Regelung aus, teilte die Krankenkasse DAK-Gesundheit mit, die die repräsentative Forsa-Umfrage in Auftrag gegeben hatte.

Der Obmann der FDP im Gesundheitsausschuss, Jens Ackermann, sagte der "FAS" dagegen, eine Impfpflicht sei nicht durchsetzbar. "Sollen Eltern, die sich gegen die Impfung ihrer Kinder weigern, ins Gefängnis?" Das sei "Unsinn". Auch der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Jan Leidel, wertete eine Impfpflicht bei Masern als kontraproduktiv. Wichtiger seien Aufklärung und Nutzung der vorhandenen Möglichkeiten.

Masern sind besonders für kleine Kinder gefährlich

Weltweit erliegen immer wieder Tausende Menschen der Viruserkrankung. Im Jahr 2011 starben 158.000 Erkrankte an den Masern, berichtete die Weltgesundheitsorganisation WHO. 95 Prozent der Todesopfer stammten demnach nach aus armen Ländern mit einem schwachen Gesundheitssystem.

Besonders gefährlich kann die Krankheit laut der WHO für kleine Kinder und Schwangere werden. Infizieren kann sich aber jeder, der nicht immun gegen die Krankheit ist. Impfungen hätten dazu beigetragen, die Zahl der Todesopfer stark zu verringern. So sei die Todesrate in den Jahren zwischen 2000 und 2011 um 71 Prozent gesunken.

Die WHO hat das feste Ziel, die Masern bald auszurotten. Dabei steht Deutschland noch nicht optimal da. Allein im ersten Halbjahr 2013 wurden dem Robert-Koch-Institut mehr als 1070 Fälle gemeldet, der Großteil davon in Bayern (478) und Berlin (400).

Quelle: n-tv.de

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