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Ein russischer Soldat überwacht die Ausgabe von Hilfsgütern im Norden Syriens.
Ein russischer Soldat überwacht die Ausgabe von Hilfsgütern im Norden Syriens.(Foto: AP)

n-tv Reporter berichtet aus Syrien: "Russen hier wie selbstverständlich"

Die Menschen sind kriegsmüde und setzen alle Hoffnung in die Waffenruhe. Das berichtet n-tv Reporter Dirk Emmerich aus syrischem Regime-Gebiet. Die Präsenz russischer Kräfte im Land verbinden ihm zufolge viele mit dem Glauben an mehr Stabilität.

n-tv.de: Befindest du dich gerade an einem sicheren Ort?

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Dirk Emmerich: Ja, wir sind auf dem russischen Luftwaffenstützpunkt Latakia. Hier sind gerade gemäßigte Rebellen eingetroffen, die ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Russland dokumentiert haben und alles dazu beitragen wollen, dass die Waffenruhe stabiler und weiter ausgebaut wird.

Wie verhält es sich jenseits der russischen Basis? Hält die Waffenruhe auch in den anderen Gebieten, in denen du unterwegs warst?

Neben Latakia waren wir in Damaskus und Hama. Es gibt Berichte, dass es vereinzelte Verletzungen der Waffenruhe gegeben hat. Laut den Russen waren es gestern 40 Vorfälle. Aber die Waffenruhe hält auch dort weitgehend. Dazu muss man allerdings sagen, dass die wirklich kritischen Gebiete auch nicht hier im Nordwesten des Landes sind, wo Präsident Baschar al-Assad ohnehin die Hausmacht hat. Im Norden, in der Gegend Aleppo, wo die Nusra-Front sehr aktiv ist, ist die Lage sicher viel brenzliger.

Wie groß ist die Präsenz russischer Kräfte auf dem Regierungsgebiet?

Für mich ist überraschend, dass die Präsenz russischer Kräfte nicht nur hier auf der Airbase groß ist, sondern weit bis in die Regionen Damaskus und Hama hineinreicht. Es gibt offensichtlich eine eng abgestimmte Zusammenarbeit mit der syrischen Regierungsarmee. Die Russen bewegen sich hier mehr oder weniger wie selbstverständlich. Diese Freiheit hat mich durchaus überrascht.

Wie reagiert die Bevölkerung darauf?

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Wir sind mit einer Journalistengruppe auf Einladung des russischen Verteidigungsministeriums unterwegs und man präsentiert uns genau das, was man uns präsentieren will. Es ist also Vorsicht geboten. Aber mein Eindruck ist schon, dass die Bevölkerung die Kräfte positiv wahrnimmt. Die Menschen sagen, dass sie das Gefühl hätten, dass die Präsenz Russlands für mehr Stabilität sorgt. Auch wir haben den Eindruck gewonnen, dass sich die Kräfte aktiv darum bemühen, die Waffenruhe zu unterstützen. Ein russischer General sagte uns zudem, dass die Zusammenarbeit mit den USA immer enger wird und dadurch die Hoffnung auf einen Erfolg wächst.

Sind auch russische Bodentruppen vor Ort?

Ich würde nicht sagen, dass es Bodentruppen sind. Es handelt sich eher um Unterstützungskräfte für die Hilfslieferungen in einzelne Dörfer. Ich habe viele Armee-Lkw gesehen. Ich hab vereinzelt Schützenpanzer gesehen, die wohl dazu dienen, die Lkw zu sichern. Die Besatzung ist natürlich bewaffnet, aber Bodentruppen sehen anders aus. Es gibt auch keine Panzereinheiten oder Artillerie.

Konntest du die Gebiete, die das syrische Regime kontrolliert, verlassen?

Wir bewegen uns hier nicht nur auf Einladung, sondern auch unter dem Schutz durch das russische Verteidigungsministerium. Und die Russen haben uns von Anfang an klar gemacht, dass sie uns außerhalb der Gebiete der syrischen Regierung keine Sicherheit garantieren können. Wir wurden nicht daran gehindert, dorthin zu fahren. Aber wir würden ein großes Risiko eingehen, wenn wir uns auf eigene Faust auf den Weg machen würden.

Wie ist die Lage der Menschen in den Gebieten des Regimes?

Die Menschen sind nach fünf Jahren Bürgerkrieg müde. Sie suchen einen Strohhalm, an den sie sich krallen können. Ob das für den Frieden reicht, bezweifle ich aber. Die Rebellen haben in den vergangenen Jahren sehr viel Einfluss in den Stammesgebieten gewonnen. Ich weiß nicht, ob sie am Ende bereit sind, ihre Waffen wieder abzugeben, sollte die Waffenruhe wirklich in einen Friedensprozess münden. Aber zumindest bei der Bevölkerung ist die Hoffnung im Augenblick groß.

Mit Dirk Emmerich sprach Issio Ehrich

Quelle: n-tv.de

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