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In Homs trauen sich syrische Kinder nur vorsichtig wieder auf die Straße.
In Homs trauen sich syrische Kinder nur vorsichtig wieder auf die Straße.(Foto: AP)

Vorwürfe von Syriens Opposition: Russland soll Waffenruhe gebrochen haben

Die syrische Opposition beklagt trotz der vereinbarten Feuerpause Angriffe auf die Rebellen in dem Bürgerkriegsland - auch Russlands Luftwaffe fliege nach wie vor Einsätze. In Genf sollen die Vorwürfe aufgeklärt werden. Doch die Lage ist unübersichtlich.

Die Waffenruhe in Syrien steht nach Einschätzung der gemäßigten Opposition wegen fortdauernder Angriffe vonseiten der Regierungstruppen vor dem Aus. "Wir sehen uns nicht mit einer Verletzung der Feuerpause konfrontiert, sondern mit einer kompletten Annullierung", sagte der Vorsitzende der Oppositions-Verhandlungsdelegation, Asaad al-Subi, dem Fernsehsender Al-Arabija al-Hadath. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte hingegen, die seit Samstag geltende Waffenruhe werde trotz einiger Zwischenfälle weitgehend eingehalten.

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In Genf wollen am Nachmittag Vertreter der Staaten zusammenkommen, die die Feuerpause ausgehandelt hatten, und über die Verstöße beraten. "Wir brauchen eine Erklärung der Russen zu den Angriffen am Sonntag", sagte ein westlicher Diplomat. Subi sagte, die Waffenruhe sei gescheitert, noch ehe sie wirklich begonnen habe. "Ich glaube, die internationale Gemeinschaft hat mit all ihren Experimenten vollkommen versagt und muss echte, praktische Maßnahmen gegenüber dem Regime treffen", erklärte der Oppositionelle.

Seit Beginn der Feuerpause haben syrische und russische Kampfflugzeuge nach Angaben von Beobachtern mehrere Gebiete im Westen des Landes angegriffen. Rebellen berichteten, in einigen Regionen sei die Gewalt zurückgegangen, in anderen dagegen nicht. "Besonders die russischen Flugzeuge fliegen schwere Luftangriffe", sagte ein Kommandeur der Norddivision, die zur Freien Syrischen Armee gehört. Auch im Nordwesten Syriens hätte das Regime einige Dörfer beschossen, erklärte ein Kämpfer der Adschnad al-Scham-Gruppe. In Aleppo habe die Gewalt zwar abgenommen, dennoch gebe es viele Verstöße gegen die Waffenruhe.

Erste Hilfskonvois erreichen Muadamija

Als Reaktion auf die Berichte hat die französische Regierung eine rasche Sitzung der Task Force zur Überwachung der Waffenruhe in dem Bürgerkriegsland gefordert. Frankreich werde bei der Umsetzung des Abkommens wachsam sein, bekräftigte Außenminister Jean-Marc Ayrault am Rande einer Sitzung in Genf. Für den Nachmittag sei ein Treffen vorgesehen, hieß es im Pariser Ministerium. In der Task Force unter Vorsitz Russlands und der USA sind auch mehrere Länder der Krisenregion vertreten.

Derweil sind erstmals seit Beginn der Waffenruhe Hilfslieferungen in einer belagerten syrischen Stadt eingetroffen. Die ersten von insgesamt 50 Lastwagen hätten den vom Regime eingekreisten Ort Muadamija südwestlich der Hauptstadt Damaskus erreicht, teilte die UN-Organisation für humanitäre Hilfe (OCHA) in Syrien mit. In den kommenden Tagen wollen die Vereinten Nationen die Feuerpause nach eigenen Angaben dafür nutzen, mehr als 150.000 Menschen in belagerten Gebieten des Bürgerkriegslandes zu helfen.

Quelle: n-tv.de

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