Mordfall Anna PolitkowskajaRussland stellt angebliche Killer vor Gericht

Die Hintergründe des Mords an der Journalistin Politkowskaja sind nach Angaben der russischen Ermittler geklärt: Geschäftsmann Gaitukajew soll eine Killerbande beauftragt haben, um die Reporterin aus dem Weg zu räumen. Fünf Verdächtige werden jetzt angeklagt. Kremlkritiker bezweifeln jedoch die Version der Behörden.
Sechseinhalb Jahre nach dem Mord an der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja hat die russische Justiz offiziell Anklage gegen die angeblichen Täter erhoben. Die Dokumente mit den Vorwürfen gegen fünf festgenommene Verdächtige sind dem Gericht übergeben worden, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin, der Agentur Interfax.
Politkowskajas Sohn begrüßte die Anklage und forderte einen öffentlichen Prozess. "Wir wollen die Beweise sehen", sagte Ilja Politkowski. Nach Darstellung der Ermittler hatte der tschetschenische Unternehmer Lom-Ali Gaitukajew eine Bande für den Mord rekrutiert. In einem ersten Prozess waren vier Angeklagte 2009 aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden.
Auch Fall Estemirowa weiter ungeklärt
Anna Politkowskaja hatte vor allem aus dem Konfliktgebiet Tschetschenien über schwerste Menschenrechtsverletzungen berichtet. Die Hintermänner der Bluttat vom 7. Oktober 2006, die weltweit für Entsetzen gesorgt hatte, gelten als unbekannt. Menschenrechtler bezweifeln die Ermittlungsergebnisse und befürchten, dass die wahren Verantwortlichen für den Mord nie zur Verantwortung gezogen werden.
Wegen Beihilfe zum Mord war 2012 ein Ex-Polizist zu elf Jahren Straflager verurteilt worden. Er hatte die Waffe besorgt, mit der die preisgekrönte Journalistin der Zeitung "Nowaja Gaseta" im Alter von 48 Jahren vor ihrer Wohnung erschossen wurde.
Der Fall Politkowskaja ist nicht der einzige ungeklärte Mord an einer russischen Journalistin. So gibt es etwa im Fall der 2009 ermordeten Reporterin Natalia Estemirowa trotz Versprechen des Kreml keine Festnahmen.