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Russlands Mittelschicht kauft zwar gerne westliche Marken, lehnt eine westliche Entwicklung aber mehrheitlich ab.
Russlands Mittelschicht kauft zwar gerne westliche Marken, lehnt eine westliche Entwicklung aber mehrheitlich ab.(Foto: dpa)

Kein Protest gegen Putin: Russlands Mittelschicht wird patriotischer

Der Rubelkurs fällt immer mehr - und mit ihm die Einkommen der russischen Mittelschicht. Doch auch wenn der Abstieg droht: Ein Widerstand gegen Präsident Putin formiert sich nicht - vielmehr steigt der Patriotismus noch weiter.

Russlands neue Mittelschicht zeigt sich in der wirtschaftlichen Krise standhafter als erwartet. Zwar leidet auch sie an sinkenden Einkommen, Entlassungen und gekürzten Sozialleistungen, wie eine soziologische Studie der Akademie der Wissenschaften ergibt. Aber die Menschen schnallen den Gürtel enger, leben von Erspartem oder suchen sich mehrere Jobs. Die Mittelschicht sei nicht geschrumpft.

"Die Mittelklasse versteht das alles als vorübergehende Schwierigkeiten", sagte die Wissenschaftlerin Natalja Tichonowa bei der Vorstellung der Studie in Moskau. Deshalb formiere sich kein Protest gegen die Führung von Präsident Wladimir Putin. Mittelfristig drohe nach dem Aufzehren der Ersparnisse aber ein sozialer Abstieg. Im Konflikt mit dem Westen seit 2014, nach Sanktionen und Gegensanktionen sinkt die Zahl derer, die für Russland eine westliche Entwicklung wollen. Binnen eines Jahres bis 2015 wurde ein Rückgang dieser Einstellung um 5 Punkte auf 27 Prozent gemessen. Nun setzen 73 Prozent der Mittelschicht auf den "eigenen Weg" Russlands, wie er vom Kreml propagiert wird.

Tichonowa sagte, in Moskau, wo die Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt am größten seien, gebe es den größten Aufschwung an Patriotismus. Der Studie zufolge schrumpfte das verfügbare Einkommen für jedes Mitglied einer Mittelschichtfamilie um 1400 Rubel auf 22.600 Rubel (280 Euro) monatlich. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums sanken die Realeinkommen in Russland um 3,5 Prozent. 2016 werden die Russen voraussichtlich noch einmal 3,7 Prozent weniger im Geldbeutel haben. Auch das Bruttoinlandsprodukt ging 2015 um 3,9 Prozent zurück.

Anders als in der Finanzkrise 2009 hat die Mittelschicht ihren Anteil an der russischen Bevölkerung in der neuen Krise gehalten. Er mache weiter etwa 44 Prozent aus, sagte der Forscher Michail Gorschkow. Weder zu zaristischen noch zu sowjetischen Zeiten gab es in Russland eine mittlere Schicht aus Selbstständigen und qualifizierten Angestellten. Diese Gruppe wuchs aber während des Ölbooms in Putins ersten Regierungsjahren ab 2000. Experten hatten erwartet, dass diese Schicht irgendwann auch mehr politische Mitsprache fordern würde.

Quelle: n-tv.de

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