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Die SPD macht mit dem Spitzenkandidat Steinbrück weiter.
Die SPD macht mit dem Spitzenkandidat Steinbrück weiter.(Foto: dpa)

"Was wären wir für ein jämmerlicher Haufen": SPD schwört Steinbrück die Treue

Die Sozialdemokraten können nicht mehr zurück: Sie wollen weiter an Peer Steinbrück als Spitzenkandidat festhalten, so heißt es unisono aus der SPD. Der viel Gescholtene macht es seinen Parteifreunden dabei leicht, indem er nach der Landtagswahl in Niedersachsen reumütig Selbstkritik übt.

Im Willy-Brandt-Haus spielt der Wind an diesem Abend eine bestimmende Rolle. Von dem Sturm, der sich da für die SPD zusammenbrauen könnte, wird vor 18 Uhr gesprochen. Und von dem Gegenwind durch Peer Steinbrück. Als der rote Balken dann aber am Sonntagabend deutlich die 30-Prozent-Hürde nimmt, ist Erleichterung zu spüren - jedoch kaum Jubel. Ungläubigkeit herrscht über den nach oben schnellenden gelben Balken. "Das kann doch nicht wahr sein, fast zehn Prozent für die Loser der FDP", seufzt ein SPD-Anhänger.

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Wohl und Wehe einer Partei - und in diesem Fall auch eine ganze Kanzlerkandidatur - können von ein paar tausend Stimmen abhängen. Generalsekretärin Andrea Nahles betont kurz nach 18 Uhr, Steinbrück bleibe selbstverständlich Kanzlerkandidat. Später bekräftigt SPD-Chef Sigmar Gabriel: "Was wären wir für ein jämmerlicher Haufen, wenn wir den Kandidaten gleich austauschen, wenn der Wind einmal von vorne kommt." Die SPD ist froh, dass es nicht so schlimm gekommen ist, wie viele befürchtet hatten.

Um 18.45 Uhr kommen Steinbrück und Gabriel nach unten in das Foyer der Parteizentrale. "Das wird ein gutes Jahr im 150. Jahr der SPD", sagt Gabriel. Steinbrück räumt unter Applaus reumütig fehlenden Rückenwind für die Wahlkämpfer in Niedersachsen ein. "Es ist mir auch bewusst, dass ich maßgeblich dafür eine gewisse Mitverantwortung trage", fügt er hinzu.

SPD fällt in Umfragen zurück

Steinbrück will nun Kampfgeist beweisen. "Die SPD wird sich unterhaken", betont er. Man müsse die Themen in den Vordergrund stellen, die den Menschen unter den Nägel brennen. Sein Fazit: Die CDU habe in Niedersachsen sechs Prozent verloren, Rot-Grün bei der Bundestagswahl im September sei machbar. "Ich will gewinnen."

Klar ist: Die Debatte über Steinbrück hat Spuren hinterlassen. Bis vor wenigen Wochen schien das Szenario klar: Zusammen mit starken Grünen reicht es deutlich für Rot-Grün in Hannover - Rückenwind zum Auftakt des Bundestagswahljahres und Aufbruchstimmung in der Partei. So ist es zumindest ein Durchatmen geworden. Fakt ist aber: Laut Analysen ist Steinbrücks Kandidatur bisher eher ein Mühlstein am Hals der SPD, er zieht die Partei in bundesweiten Umfragen runter.

Die SPD dringt bisher zu selten mit Inhalten durch, weil zuletzt die Verteidigung des Kandidaten im Vordergrund stand. Es gab gerade Anfang Januar einen Negativ-Sog. Die Parteispitze hofft, dass die Talsohle nun durchschritten ist. Steinbrück muss rasch ein Rezept finden, wie das Blatt zu wenden sein könnte. "Mund abputzen und weitermachen", heißt die Devise. Steinbrück hat in Niedersachsen mit Dutzenden Einsätzen Kampfgeist gezeigt, sein größter Triumph wäre es sicher, es mit einem fulminanten Comeback allen nochmal zu zeigen. Aber letztlich könnten ihm nur starke Grüne zur Macht verhelfen.

Steinbrück als Person unbeliebt

Doch die waren zuletzt nervös, weil die rot-grüne Perspektive zerrinnen könnte. Spätestens im Sommer, wenn die Umfragen bis dahin nicht wieder deutlich besser sind für die SPD, könnte auf die Partei eine heftige Schwarz-Grün-Debatte zukommen. Zwar wird dies öffentlich vehement abgestritten, aber die Grünen haben ein hohes Machtinteresse und wollen mitgestalten. Kommen doch nun die wohl entscheidenden Jahre für ihr Herzensanliegen, die Energiewende.

Steinbrück hat sicher Fehler gemacht in der Debatte über seine Nebenverdienste in Millionenhöhe - und es war fahrlässig, sich in der nachrichtenarmen Weihnachtszeit mit den Worten zitieren zu lassen, das Kanzlergehalt sei im Vergleich zu Sparkassendirektoren nicht angemessen. Dramatisch sind seine Glaubwürdigkeitswerte, und hier liegt seine größte Herausforderung in den nächsten Wochen.

Merkel straft Steinbrück mit Nichtbeachtung

Linke Wähler nehmen ihm den Einsatz für höhere Spitzensteuersätze, Mietpreisbremsen, eine Banken-Bändigung und faire Löhne für die Kassiererin bei Aldi nicht unbedingt ab - und Wähler der Mitte sind enttäuscht von seinem Linksschwenk. So könnte Steinbrück links und in der Mitte verlieren. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verpasst ihm bisher die Höchststrafe: Sie ignoriert ihn.

Ein Mitglied der Bundesregierung meint: "Steinbrück demobilisiert mit seiner Art bisher die SPD." Eigentlich sei er ein unpolitischer Mensch, weil er kein Gespür habe, wann er was sagen könne und dürfe. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann hatte Ende September prophezeit: "Peer Steinbrück ist der Angstgegner der CDU." Geworden ist Steinbrück der Lieblingsgegner der Union. Er muss daher nun tatsächlich Rückenwind erzeugen und Schnitzer vermeiden - sonst bleibt die rot-grüne Machtperspektive nur ein laues Lüftchen.

Quelle: n-tv.de

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