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Juan Manuel Santos fehlt nicht mehr viel, um den Frieden in Kolumbien durchzusetzen.
Juan Manuel Santos fehlt nicht mehr viel, um den Frieden in Kolumbien durchzusetzen.(Foto: REUTERS)
Freitag, 07. Oktober 2016

"Kolumbianer, das ist euer Preis": Santos begreift Nobelpreis als Ermutigung

Kolumbiens Präsident Santos und die Farc-Rebellen einigen sich auf einen Friedensvertrag, doch das Volk lehnt den Pakt ab. Der Friedensnobelpreis für Santos könnte dem Prozess einen neuen Schub geben - ebenso wie die Worte der vielen Gratulanten.

Der kolumbianische Präsident und diesjährige Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos sieht sein Land dem Frieden "sehr, sehr nahe". Er nehme den Nobelpreis im Namen des kolumbianischen Volkes an, das "so viel in diesem Krieg gelitten hat", schrieb Santos bei Twitter. In einer Radioansprache ergänzte er, er widme den Preis den Millionen Opfern des Konflikts. "Kolumbianer, das ist euer Preis." Die Auszeichnung sei eine "große Ermutigung" auf dem Weg zum Frieden in Kolumbien. "Die Botschaft ist, dass wir durchhalten müssen, um ein Ende dieses Krieges zu erreichen", sagte Santos.

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Das Nobelpreiskomitee in Oslo hatte zuvor mitgeteilt, Santos werde für seine "entschlossenen Bemühungen" ausgezeichnet, den "mehr als 50 Jahre langen Bürgerkrieg in dem Land zu beenden". Santos hatte Ende September nach jahrzehntelangem Konflikt ein Friedensabkommen mit den Farc-Rebellen geschlossen. Dieses wurde allerdings von der Bevölkerung in einem Referendum am Sonntag abgelehnt.

Die linke Guerillaorganisation Farc reagierte verhalten. "Den einzigen Preis, den wir anstreben, ist der Frieden mit sozialer Gerechtigkeit ohne Paramilitarismus, ohne Vergeltung und Lügen", schrieb Farc-Kommandeur Rodrigo "Timochenko" Londoño. "Timochenko", Santos' Verhandlungspartner in den Friedensgesprächen, ging leer aus. Ein Friedensnobelpreis für den Rebellenkommandeur wäre wohl nur schwer zu vermitteln gewesen: "Timochenko" wurde wegen Mordes, Entführung und Rebellion in Abwesenheit zu fast 200 Jahren Haft verurteilt.

Bundesregierung drängt auf Umsetzung des Friedens

Zu den ersten Gratulanten gehörte Kanzlerin Angela Merkel. Santos habe der ganzen Region dringend benötigte neue Hoffnung auf ein Ende des Blutvergießens verliehen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Der Nobelpreis sei "eine Ermutigung, diesen Weg weiter zu beschreiten". Merkel kenne Santos als einen Mann, der für sein Land die Vision des Friedens und der Versöhnung nach Jahrzehnten eines grausamen Konflikts habe. Dieser Konflikt habe Kolumbien viel zu lange in seiner Entwicklung gelähmt.

Vizekanzler Sigmar Gabriel schloss sich den Glückwünschen an: "Die Auszeichnung ist eine Anerkennung für seine Verdienste um eine Beendigung des kolumbianischen Bürgerkriegs." Der Friedensvertrag zwischen der kolumbianischen Regierung und Farc sei ein wichtiges Zeichen der Hoffnung. Der mutige Entschluss mache klar: "Frieden ist möglich." Er wünsche sich, dass Santos und Farc der Ablehnung der Bevölkerung zum Trotz an dem Friedensprozess festhalten "und ihn zu einem guten Abschluss zum Wohle des Landes" bringen.

Auch der Beauftragte der Bundesregierung für den Friedensprozess in Kolumbien, Tom Koenigs, sieht den Friedensnobelpreis als Rückendeckung für Santos. "Er verdient diese Auszeichnung, weil er seine ganze Präsidentschaft, seine ganze Kraft und sein Herz für das Zustandekommen eines verhandelten Friedens mit den Guerilla-Organisationen in Kolumbien eingesetzt hat und weiter einsetzen wird", sagte der Grünen-Politiker. Auch in der schwierigen Lage nach dem verlorenen Referendum, bleibe es dabei: "Das kolumbianische Volk verdient Frieden, Versöhnung und Reformen."

Bundespräsident Joachim Gauck sagte, Santos habe in den vergangenen Jahren unermüdlich für den Frieden in Kolumbien gekämpft. In höchst langwierigen Verhandlungen mit den Rebellen habe er darum gerungen, den Boden für eine Versöhnung zu schaffen. "Ihr Kampf um Frieden soll auch ein Beispiel für andere sein, in ausweglos erscheinenden Situationen weiter Brücken zu bauen, um Gewalt zu beenden und Menschen eine neue Perspektive zu geben."

Demonstranten in Bogotá feiern

Glückwünsche kamen auch vom UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi. Er gratuliere "von Herzen", sagte er. Die Auszeichnung sei eine Anerkennung für das "politische Engagement bei dem Bestreben nach Frieden". Er sei selbst vor nicht allzu langer Zeit in Kolumbien gewesen und habe das außerordentliche Engagement aller Beteiligten beobachten können, sagte Grandi. Mit dem Einsatz von Regierung, der Farc-Guerilla und der Zivilgesellschaft könnten die aktuellen Hürden überwunden werden.

Unterstützer des Friedensvertrags mit den Farc-Rebellen feierten die Vergabe des Preises an Santos. "Wir haben das mit Freude aufgenommen, weil wir immer darum gebeten haben, dass die internationale Gemeinschaft Kolumbien nicht im Stich lässt", sagte ein Student, der mit seinem Kommilitonen seit Tagen auf dem zentralen Bolívar-Platz in Bogotá campiert, um für die Umsetzung des Vertrags zu demonstrieren. Ein anderer Student sagte im Radiosender Caracol: "Das stärkt dem Friedensprozess den Rücken."

Santos war am Freitag in Oslo für seine Bemühungen um eine Beilegung des seit Jahrzehnten andauernden Konflikts in Kolumbien mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Allerdings war der bereits unterzeichnete Friedensvertrag mit der linken Guerillaorganisation Farc am vergangenen Sonntag in einem Referendum abgelehnt worden. Den Gegner gingen die Zugeständnisse an die Rebellen zu weit. Nun muss neu verhandelt werden. Der Friedensnobelpreis könnte der Regierung den nötigen Rückenwind verleihen, um das Abkommen doch noch Realität werden zu lassen.

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Quelle: n-tv.de

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