Politik
Nicolas Sarkozy sorgt sich darum, nicht zu klein zu wirken.
Nicolas Sarkozy sorgt sich darum, nicht zu klein zu wirken.(Foto: dpa)
Montag, 21. November 2016

"Mini-Trump" sagt Adieu: Sarkozys Scheitern war folgerichtig

Von Alexander Oetker

Nicolas Sarkozy hat die Franzosen in seiner ersten Amtszeit als Präsident enttäuscht. Sie haben es nicht vergessen. Dass Sarkozy den nüchternen Kontrahenten Fillon und Juppé unterliegt, ist eine gute Nachricht für das Land.

Es muss 2009 gewesen sein, irgendwo bei Caen in der Normandie. Nicolas Sarkozy besucht hier eine Fabrik. Frankreich ist auf dem absteigenden Ast, die Wirtschaftsleistung ist eingebrochen, die Arbeitslosenquote steigt.

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Sarkozy will in der Fabrik eine Rede halten, es soll um Wirtschaft gehen und um seine Konzepte. Aber viel wichtiger für Sarko ist, wie er dabei aussieht. Also lässt er alle Angestellten der Firma verbannen, die größer als 1,65 Meter sind - damit der etwas kurz geratene Präsident nicht der Kleinste ist auf den internationalen Fernsehbildern.

Nicolas Sarkozy achtet – vorsichtig ausgedrückt – sehr auf sein Außenbild. Er hat viele Ideen, die er auch gerne vorschnell präsentiert - und er ist sehr schnell beleidigt.

Den "Kärcher" wird Sarkozy nie los

Und nicht nur darin erinnert er stark an Donald Trump. Auch Nicolas Sarkozy war einer, der immer gerne nach ganz oben wollte - nicht nur finanziell, sondern auch in Sachen Status. Dabei hatte er es im viel klassenbewussteren Frankreich deutlich schwerer als Trump. Er hat nie die Ena besucht, die politische Eliteuni Frankreichs, er war ein Einwandererkind, er war viel zu "Bling-Bling" für die zurückhaltenden Franzosen, reiche Sängergattin inklusive.

Eigentlich wäre Sarkozy also genau der Typ Politiker, der gerade Hochkonjunktur hat. Eitel, aufbrausend, viele Konzepte, die mindestens ein wenig zweifelhaft sind. Noch dazu hat er im Wahlkampf reichlich rechte Parolen gebraucht und sich in Sachen Migration und Terrorbekämpfung argumentativ Le Pens Front National angenähert. Und er hat sich am Ende sogar selbst mit Trump verglichen: Der würde alles für sein Land, die USA tun, und Sarkozy würde alles für Frankreich tun. So einfach, so Sarkozy.

Es gibt eben nur den einen entscheidenden Unterschied zwischen Trump und Sarkozy: Der Franzose war schon mal Präsident. Und die Grande Nation hat ihn nicht in allzu guter Erinnerung.

Der junge Sarkozy galt vor zwanzig Jahren als die Hoffnung der französischen Konservativen. Doch mehr und mehr stellte sich sein Charakter heraus. Als Innenminister blieb er als Hardliner und Dampfplauderer in Erinnerung, der nach den Unruhen 2005 die Vorstädte mit dem "Kärcher" säubern wollte. Das war zur innerfranzösischen Völkerverständigung nicht gerade hilfreich.

Niederlage gegen Hollande demütigend

Und dann Sarkozy, der Präsident, der ambitioniert gestartet war, im Wochentakt neue Vorschläge brachte – und die wenigstens davon umsetzte. Die Rentenreform scheiterte, eine große Reform nach dem Vorbild der Agenda 2010 fehlte. Sarkozy setzte auf Außenpolitik, schickte wieder mehr französische Soldaten an die Kriegsschauplätze der Welt. Doch im Land kippte die Stimmung. Und der Verursacher der Misere war ausgemacht: Sarkozy.

Ich war im Jahr 2012 vor der Präsidentschaftswahl nochmal für einige Zeit in Frankreich. Und es war wirklich gespenstisch: Egal, mit wem ich sprach, ob mit dem Taxifahrer, dem Wirt in der kleinen Weinbar hinterm Palais-Royal oder dem Politikprofessor, alle sagten immer wieder: "Tout sauf Sarkozy" – alles außer Sarkozy. Sie hatten dermaßen genug von einem anmaßenden Präsidenten, der sein Privatleben vermarktete, die Wirtschaftsbosse hofierte und die einfachen Franzosen schlicht vergessen hatte.

Nicht umsonst verlor der Konservative gegen den wohl schwächsten Kandidaten, den die Fünfte Republik je gesehen hatte: François Hollande, dem schlichten Gegenentwurf: unprätentiös, uneitel, ein ehrlicher Arbeiter – so schien es zumindest. Dass auch er gänzlich ohne Konzept in den Élysée gezogen war, bemerkten die Franzosen erst später.

Ist das der endgültige Abschied?

Sarkozys erneuter Anlauf war daher folgerichtig, genau wie sein Scheitern. Wäre Sarkozy der Kandidat gewesen, wäre es beileibe nicht ausgeschlossen gewesen, dass Marine Le Pen im zweiten Wahlgang im Mai zur Präsidentin gewählt würde.

Nun, mit den beiden Kandidaten François Fillon und Alain Juppé ist es ein wenig unwahrscheinlicher geworden. Die beiden sind Sachpolitiker, sie überzeugen sowohl in der Mitte als auch im konservativen Lager und könnten sogar reichlich linke Stimmen holen. Und noch ist nicht ausgemacht, ob vielleicht sogar der sozialistische Shootingstar Emmanuel Macron der linke Kandidat wird. Die Urwahl der Sozialisten kommt noch. Hollande dürfte freiwillig abdanken.

Für Sarkozy aber war es das. Sagt er. Jedoch Sarko ist Sarko. Bis 2022 dürfte er reichlich Langeweile haben, um zu schauen, ob die Franzosen seine Präsidentschaft vielleicht schon genügend verdrängt haben, um ihn doch nochmal wiederzuwählen.

Quelle: n-tv.de

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