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Will es schon vor Jahren gewusst haben: Merkel hat die AfD durch ihre Politik stark gemacht, glaubt Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin.
Will es schon vor Jahren gewusst haben: Merkel hat die AfD durch ihre Politik stark gemacht, glaubt Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin.(Foto: picture alliance / dpa)

SPD-Mann verweist auf Warnungen: Sarrazin: Merkel hätte AfD stoppen können

Die AfD feiert Wahlerfolge am rechten Rand - dabei hätte Kanzlerin Merkel das verhindern können, sagt Ex-Bundesbanker Sarrazin: Die Regierungsparteien hätten bloß seine Bücher ernst nehmen müssen.

Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin macht die etablierten Parteien und ihren Umgang mit Euro- und Flüchtlingskrise für das Erstarken der Alternative für Deutschland verantwortlich. "2010 und 2012 hatte ich in meinen Büchern 'Deutschland schafft sich ab' und 'Europa braucht den Euro nicht' auf die Risiken einer falschen Einwanderung, eines radikalen Islam und einer verfehlten Politik der Euro-Rettung hingewiesen, zudem hatte ich Lösungsvorschläge gemacht", sagte der SPD-Politiker der "Bild"-Zeitung.

Hätten CDU und seine Partei seine Analysen ernst genommen, "so wäre die AfD 2013 gar nicht erst gegründet worden oder hätte zumindest nicht diese Wahlerfolge", sagte Sarrazin weiter. Sarrazin beklagt in der Flüchtlings- und Einwanderungspolitik eine "nationale Einheitsfront": Zwischen CDU, SPD, Grünen und Linken gebe es in dieser Frage "keine nennenswerten Unterschiede". Und: "Viele hatten zudem das Gefühl, ihre Meinung nicht offen sagen zu können. So wählten sie in der Wahlkabine die einzige Alternative, die ihnen auf den Stimmzetteln angeboten wurde."

Sarrazin: Geben Verantwortung an "Halbdiktatoren" ab

Sarrazin glaubt, die AfD habe Potenzial, sich dauerhaft zu festigen. Die Politik von Kanzlerin Angela Merkel habe "rechts der CDU ein heimatloses Wählerpotenzial von 20 bis 25 Prozent hinterlassen". Wenn die Union dieses nicht neu besetze, "entsteht der Raum für eine konservative Volkspartei, etwa mit dem Profil der CSU zur Zeit von Franz Josef Strauß". Um diese Rolle auszufüllen, müsste sich die AfD allerdings "nachhaltig und glaubwürdig von rechtsextremen Strömungen abgrenzen".

Sarrazin übte zudem Kritik am Flüchtlingsdeal der Europäischen Union mit der Türkei: "Letztlich verlagern wir das Unangenehme von uns weg. Wenn man Grenzen hat, muss der Staat sie auch schützen", sagte er dem Blatt. Die Aufgabe gebe Deutschland nun ab an einen Staat, "der traditionell bei der Durchsetzung weniger Skrupel hat als die Länder West- und Nordeuropas". Im Kern verlasse sich Merkel darauf, dass die Grenzen "von zwei Halbdiktatoren geschützt werden", sagte Sarrazin und bezog sich damit auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und Russlands Staatschef Wladimir Putin.

Quelle: n-tv.de

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