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"Europa bleibt bereit, Griechenland zu helfen, aber Griechenland muss sich helfen lassen. Das Problem ist nicht dadurch zu lösen, dass man andere zu Sündenböcken macht", sagt Wolfgang Schäuble.
"Europa bleibt bereit, Griechenland zu helfen, aber Griechenland muss sich helfen lassen. Das Problem ist nicht dadurch zu lösen, dass man andere zu Sündenböcken macht", sagt Wolfgang Schäuble.(Foto: picture alliance / dpa)

"Athen entscheidet": Schäuble: Ungeplanter "Grexit" möglich

Deutliche Worte findet Bundesfinanzminister Schäuble erneut zum Thema Griechenland: Europa lasse sich nicht zum Sündenbock machen, stehe aber bereit, so Schäuble. Einen unfallartigen Austritt Athens aus der Eurozone hält er gleichzeitig für möglich.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hält einen ungeplanten, unfallartigen Austritt Griechenlands aus der Eurozone für möglich. Darin stimme er mit seinem österreichischen Amtskollegen Hans Jörg Schelling überein, sagte er dem ORF. "Da ja die Verantwortung, die Möglichkeit, zu entscheiden was passiert, nur bei Griechenland liegt, und da wir nicht so genau wissen, was die Verantwortlichen in Griechenland tun, können wir es nicht ausschließen", sagte er am Rande eines Besuchs in Wien.

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Schäuble sagte, Griechenland können nur dann weitere Gelder erhalten, wenn si ch der Mittelmeerstaat an die Vereinbarungen mit seinen Gläubigern halte. "Europa bleibt bereit, Griechenland zu helfen, aber Griechenland muss sich helfen lassen. Das Problem ist nicht dadurch zu lösen, dass man andere zu Sündenböcken macht."

Weitere Gespräche

Die griechische Regierung kämpft in Gesprächen mit Fachleuten der EZB, der EU-Kommission und des Internationalen Währungsfonds (IWF) um deren Zustimmung zu ihren jüngsten Reformplänen. Davon hängt ab, wie schnell die Finanzminister der Euro-Länder ausstehende Hilfsgelder aus dem Rettungsprogramm freigeben. Die Regierung in Athen steht unter Druck, weil sie ihre Schulden weiter bedienen muss. Deshalb gestalten sich die Verhandlungen dazu bisher schwierig.

Vor dem Hintergrund reist der der griechische Regierungschef Alexis Tsipras heute nach Brüssel. Tsipras trifft dort zunächst den Präsidenten des Europaparlaments, Martin Schulz. Im Anschluss steht ein Gespräch mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auf dem Programm. Die Euro-Länder hatten das Hilfsprogramm für das vom Staatsbankrott bedrohte Griechenland Ende Februar um nochmals vier Monate verlängert.

"Unkalkulierbare Risiken"

Der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer warnte indes vehement vor einem Ausschluss oder Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Niemand, weder Wirtschaftsexperten noch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) oder sonst jemand, könne im Entferntesten voraussehen, was dann passieren würde, sagte der frühere Grünen-Politiker in Köln. Die Risiken wären "unkalkulierbar". Vielleicht würde ein solcher Schritt sogar den Anfang vom Ende der Europäischen Union bedeuten. "Das könnte sich als der fatale Schritt herausstellen, der die Abwicklung einleitet", sagte Fischer. Zudem werde häufig vergessen, dass Griechenland nach einem Ausschluss aus der Eurozone immer noch Mitglied der EU und der NATO wäre. "Der Glaube, die treten aus und gut is', den halte ich schlicht für an der Realität vorbeigedacht."

Quelle: n-tv.de

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