Politik
Der Fleischfabrikant Clemens Tönnies plant Geschäfte in Russland.
Der Fleischfabrikant Clemens Tönnies plant Geschäfte in Russland.(Foto: picture alliance / dpa)

Team würde "gern Kreml sehen": Schalke-Boss beharrt auf Putin-Besuch

Kritik lässt Schalke-Chef Tönnies kalt: Er will nach der Fußball-WM die Spieler des FC Schalke 04 in Moskau Präsident Putin vorstellen. Ein Unding, wie viele Politiker und Fans finden. Es steht die Frage im Raum: Geht es hier um Fußball oder um Schweine?

Das deutsch-russische Verhältnis ist dieser Tage ein Minenfeld - besonders wenn es um wirtschaftliche Interessen geht. Siemens-Chef Joe Kaeser hatte das zuletzt leidvoll erfahren müssen, als er Kreml-Chef Wladimir Putin in dessen Residenz vor den Toren Moskaus besuchte und Investitionen versprach. Es hagelte Kritik von allen Seiten.

Bahnchef Rüdiger Grube hatte wegen der schwierigen Lage in der Ukraine - und vermutlich wegen der schlechten Presse, die Kaeser hinnehmen musste - seine Pläne für einen Besuch vorsorglich auf Eis gelegt. Ein anderer Wirtschaftslenker dagegen will nicht einknicken: Clemens Tönnies, Fleischfabrikant und Vorstandschef des FC Schalke 04. Er beharrt darauf, gemeinsam mit den Spielern der Bundesliga-Mannschaft dem Kreml einen Besuch abzustatten - und erntet dafür die zu erwartende Kritik.

SPD- und Grünenfraktion im nordrhein-westfälischen Landtag beklagten sich bereits über die Reisepläne des Fußballklubs. Und auch unter Fans regt sich Widerstand. Nun findet die Affäre auch Widerhall in Berlin.

"Es geht nicht alleine um Putin"

CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagte der "Bild"-Zeitung: "In der momentanen Lage eine Einladung in den Kreml anzunehmen und sich so instrumentalisieren zu lassen, zeugt nicht von Fingerspitzengefühl." Sport könne aufgrund seiner großen gesellschaftlichen Bedeutung nie völlig politikfrei sein. Das sollte ein führender Sportfunktionär eigentlich wissen, so Tauber.

Tönnies begründete den Besuch im "Handelsblatt" damit, dass die Mannschaft "gerne einmal den Kreml sehen" würde und sich für Moskau interessiere. "Und der russische Präsident ist an Schalke interessiert." Es gehe nicht alleine um Putin. Tönnies sagte: "Wir sind Sportleute und keine Weltpolitiker. Die Politik ist nicht unser Spielfeld." Die Visite soll jedoch nicht mehr vor der WM im Sommer stattfinden. Putin habe derzeit wichtigere Themen.

Missbraucht Tönnies den FC Schalke 04?

Zudem hatte Tönnies betont, trotz der umstrittenen Rolle Russlands in der Ukrainekrise zum Schalker Trikotsponsor Gazprom zu stehen. Der russische Staatskonzern habe sich immer hervorragend verhalten, die Zusammenarbeit stehe deswegen nicht infrage. "Uns ist nicht egal, was Russland macht - da haben wir ein hohes Maß an Verantwortung. Aber es wird eine Zeit nach der Krise geben. Wir dürfen nicht alle Bande zerreißen", sagte Tönnies. Der Gazprom-Schriftzug ziert seit 2006 das Trikot der Schalker. Der Deal bringt dem Verein pro Saison 17 Millionen Euro ein.

Tatsächlich könnten aber auch eigene wirtschaftliche Interessen des Unternehmers Tönnies hinter dem Besuch des FC Schalke 04 stecken, vermuten Kritiker: Der Fleischfabrikant will 600 Millionen Euro in eine Schweinemast in Russland investieren. Der Vorsitzende des Europaausschusses des Bundestags, Gunther Krichbaum von der CDU, äußert in der "Bild"-Zeitung den Verdacht: "Tönnies missbraucht Schalke 04 wahrscheinlich für seine wirtschaftlichen Interessen."

Tönnies selbst will von einer solchen Verbindung nichts wissen. Dem "Handelsblatt" sagte er: "Wenn Sie unterstellen, Gas und Schweine passen gut zusammen, bekomme ich den Bogen nicht hin."

Quelle: n-tv.de

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