Sarkozy vs. VillepinSchlammschlacht geht weiter
Der Kampf der Erzrivalen geht weiter. Direkt nach dem Freispruch für den früheren französischen Premier Villepin kündigt die Staatsanwaltschaft Berufung an.
Der Prozess um die Rufmordkampagne gegen den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy geht in eine zweite Runde. Einen Tag nach dem Freispruch für Sarkozys Erzrivalen Dominique de Villepin in der sogenannten Clearstream-Affäre kündigte die Staatsanwaltschaft Berufung an. Die Pläne Villepins für ein schnelles Comeback auf die politische Bühne geraten damit wieder in Gefahr. Der neue Prozess gegen den früheren Premierminister wird nach Angaben der Justiz frühstens Ende 2010 beginnen.
Dem 56-jährigen Villepin wird von der französischen Staatsanwaltschaft weiterhin vorgeworfen, an einer Verleumdungskampagne gegen Sarkozy beteiligt gewesen zu sein. "Das Gericht hat Dominique de Villepin für unschuldig erklärt, die Justiz hat es noch nicht getan", sagte Chefermittler Jean-Claude Marin. Marin hatte für Villepin wegen passiver Beihilfe 18 Monate Haft auf Bewährung und eine Geldstrafe gefordert. Das Gericht sprach den Ex-Premier jedoch in erster Instanz frei. Lediglich drei andere Angeklagte, darunter der frühere Vizepräsident des Airbus-Konzerns EADS, Jean-Louis Gergorin, wurden verurteilt.
Villepin bezeichnete die Ankündigung der Staatsanwaltschaft in einer ersten Stellungnahme als Entscheidung politischer Natur. Sie zeige, dass Sarkozy es vorziehe, seinem Hass und seiner Verbissenheit treu zu bleiben. "Ich kenne Jean-Claude Marin so gut, dass ich weiß, dass es nicht seine Entscheidung war", sagte Villepin. "Es war die Entscheidung von Nicolas Sarkozy. Es ist ein trauriges Spektakel."
In der Clearstream-Affäre waren Sarkozy und anderen Prominenten 2004 mit Hilfe gefälschter Kontolisten der Luxemburger Bankenabrechnungsstelle Clearstream der Besitz von Schwarzgeldkonten unterstellt worden. Der Skandal hatte die letzten Amtsjahre von Sarkozys Amtsvorgänger Jacques Chirac stark belastet, weil Sarkozy und Villepin Schlüsselposten in der Regierung innehatten. Sarkozy schwor damals, seinen Verleumder "an den Fleischerhaken" zu hängen.
Villepin unterstellt Sarkozy, ihn mit dem Prozess politisch ausschalten zu wollen. Der frühere Premierminister gilt als härtester innerparteilicher Rivale des Präsidenten und erhofft sich, 2012 bei der Präsidentenwahl gegen Sarkozy antreten zu können.