Politik

Altkanzler über Euro, Steinbrück und die Kanzlerin: Schmidt: Merkel hat keine Ahnung

Ein vernichtendes Urteil über Kanzlerin Merkel, ein knappes Lob für Kandidat Steinbrück: Das sei einer, "der am ehesten einen Überblick über die Finanzprobleme der Europäischen Union hat", sagt Altkanzler Schmidt. So viele Leute gebe es da nicht, die diesen Überblick hätten. Merkel zählt für Schmidt nicht dazu.

Vielleicht könne Steinbrück Kanzler, aber nicht Wahlkampf? "Könnte sein", antwortet Schmidt.
Vielleicht könne Steinbrück Kanzler, aber nicht Wahlkampf? "Könnte sein", antwortet Schmidt.(Foto: picture alliance / dpa)

Altkanzler Helmut Schmidt hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in scharfem Ton kritisiert. "Das ist eine, die über Finanzen nicht Bescheid weiß, aber über sie verfügt", sagt Schmidt in einem Interview mit dem "Handelsblatt".

"Ich bezweifle zum Beispiel, dass sich die deutsche Bundeskanzlerin darüber im Klaren ist, dass wir Deutschen pro Jahr einen Leistungsbilanzüberschuss von 240 Milliarden Euro erzeugen", so Schmidt weiter. "Ganz genau 237 Milliarden Euro letztes Jahr. Das ist der größte Zahlungsbilanzüberschuss, den irgendeine Nation auf der ganzen Welt erzeugt."

Auf den Einwurf, dieser Überschuss sei "Ausdruck des Exporterfolges" der Bundesrepublik, entgegnet Schmidt: "Ich bin ein altmodischer Mensch. Ich bin der Meinung, wir müssen ihn wirklich abbauen. Sonst werden andere ihn abbauen, auf die Weise, die ihren Interessen dient." Als Methode empfiehlt Schmidt die Anhebung von Löhnen und Gehältern. "In den letzten Jahren sind die Löhne und Gehälter in Deutschland nicht in dem Maße gewachsen, in dem es angemessen gewesen wäre."

"Der Euro ist prima"

Über den sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück äußert Schmidt sich in dem Interview eher einsilbig. Schmidt hatte im Oktober 2011 dem "Spiegel" über Steinbrück gesagt: "Er kann es." Auf dieses Zitat angesprochen sagt Schmidt nun: "Es kann sein, dass ich das gesagt habe. Peer Steinbrück ist jedenfalls von all den Leuten, die im Augenblick auf den öffentlichen Bühnen stehen, derjenige, der am ehesten einen Überblick über die Finanzprobleme der Europäischen Union hat. Da gibt es nicht so viele Leute."

Mit Blick auf die Euro-Rettungspolitik sagt Schmidt: "Der Euro muss gar nicht gerettet werden. Der Euro ist prima." Es gebe zwei Kriterien für den Wert einer Währung: den Wechselkurs zu anderen großen Währungen und die Inflationsrate. Der Wechselkurs des Euro zu Dollar, Pfund, Yuan oder Yen sei "stabiler als der Wechselkurs der DM zu diesen Währungen in den letzten zehn Jahren seines Bestehens".

Bei der Inflationsrate seien die Ökonomen einig, dass eine Inflationsrate von zwei Prozent pro Jahr normal sei. "Da sind wir leicht drunter. Also, der Euro muss gar nicht gerettet werden."

Quelle: n-tv.de

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