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Weibliche Flüchtlinge nach ihrer Ankunft auf der griechischen Insel Lesbos
Weibliche Flüchtlinge nach ihrer Ankunft auf der griechischen Insel Lesbos(Foto: imago/ZUMA Press)

Gewalt gegen weibliche Flüchtlinge: Schmuggler bieten Überfahrten gegen Sex

Amnesty International schlägt Alarm: Auf ihrer Flucht nach und durch Europa werden Frauen aus dem Nahen Osten immer wieder Opfer von Gewalt und Missbrauch. Sicherheitskräfte, Schmuggler und andere Flüchtlinge werden übergriffig - auch in Deutschland.

Frauen auf der Flucht nach Europa sind beständig Opfer von Erniedrigungen, Gewalt und sexueller Übergriffe. Zu diesem Schluss kommt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) nach Gesprächen mit 40 nach Norwegen geflüchteten Frauen und Mädchen. Die schlimmsten Erfahrungen machten die Befragten demnach in Griechenland und auf dem Balkan, doch auch die Bedingungen in Deutschland kamen zur Sprache.

Dass weibliche Flüchtlinge permanent zu Opfern würden, gelte "für jede Station ihrer Reise, einschließlich auf europäischem Boden", berichtet die Menschenrechtsorganisation. Sie ruft Regierungen und Hilfsorganisationen auf, für die Sicherheit der Frauen zu sorgen. "Nachdem sie die Schrecken des Krieges in Syrien und im Irak erlebten, haben diese Frauen alles riskiert, um für sich und ihre Kinder Sicherheit zu finden", sagt AI-Mitarbeiterin Tirana Hassan. Stattdessen seien sie "erneut Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt, mit wenig Unterstützung oder Schutz".

Wer nicht zahlen kann, steht unter Druck

Schon die Reise über das Mittelmeer von der Türkei zum EU-Land Griechenland erleben viele Frauen als Horror: Schmuggler bieten Rabatte oder Gratis-Überfahrten an, wenn die Frauen im Gegenzug mit ihnen Sex haben. Da die illegale und gefährliche Bootsfahrt teuer ist, können die Schmuggler leicht Druck ausüben.

Auf der Weiterreise durch Griechenland und den Balkanstaaten erfuhren die von AI befragten Frauen Gewalt sowohl durch Mitreisende als auch durch die Sicherheitskräfte der jeweiligen Länder. Die 16-jährige Maryam aus Syrien erlebte, wie die griechische Polizei bei einem Tumult wahllos auf erwachsene und minderjährige Flüchtlinge einprügelte.

Die Syrerin Rania berichtet AI von unmenschlichen, Gefängnissen gleichenden Lagern in Ungarn mit zu wenig Essen. Wer sich beschwert habe, sei von den ungarischen Wachleuten geschlagen worden, sagt die 19-Jährige.

Schlimme Bedingungen in den Lagern

Die 22-jährige Reem sagt, sie habe während der langen Reise ausschließlich in den Bussen Schlaf gefunden. In den offiziellen Unterbringungen entlang ihrer Route seien die Frauen nicht sicher gewesen, so AI. Weil Männer und Frauen nicht voneinander getrennt untergebracht würden, müssten Frauen und Mädchen in den Lagern permanent Übergriffe fürchten. Nach Angaben von AI ziehen es deshalb viele weibliche Flüchtlinge vor, allein im Freien zu schlafen.

Zudem leiden dem Bericht zufolge viele Flüchtlinge unter nicht nach Geschlechtern getrennte Toiletten und Duschen. Eine Frau berichtet, sie und andere Flüchtlinge seien beim Toilettengang in einer deutschen Unterbringung von Männern beobachtet worden.  Eine 22-Jährige aus dem Irak berichtete, in Deutschland habe ein Mann in Uniform ihr Kleidung versprochen, wenn sie etwas Zeit mit ihm allein verbringe.

"Würde sich die humanitäre Krise irgendwo anders in der Welt abspielen, würden wir umgehend konkrete Schritte erwarten, damit besonders gefährdete Gruppen wie allein reisende Frauen und weiblich geführte Familienverbände beschützt werden", erklärte AI.

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Quelle: n-tv.de

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