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Polizisten nehmen den mutmaßlichen Schützen fest.
Polizisten nehmen den mutmaßlichen Schützen fest.(Foto: REUTERS)

"Krimineller Akt" bei Lettas Amtseinführung: Schütze verletzt zwei Polizisten

Nach Wochen den politischen Tauziehens wird endlich die neue italienische Regierung vereidigt. Doch die Zeremonie wird von einer Schießerei vor dem Regierungsitz überschattet. Ein Mann verletzt dabei mehrere Menschen. Ein Terrorakt sei es nicht, heißt es. Es handele sich um eine Verzweiflungstat.

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Überschattet von einer Schießerei vor dem Regierungssitz hat die neue italienische Regierung ihr Amt angetreten. Während das Kabinett unter Regierungschef Enrico Letta von der Demokratischen Partei (PD) von Staatspräsident Giorgio Napolitano im Präsidentenpalast vereidigt wurde, schoss ein Mann vor Lettas Amtssitz auf Polizisten und verletzte zwei Beamte und eine Passantin. Laut Innenminister Angelino Alfano handelte es sich um die Verzweiflungstat eines Arbeitslosen.

Augenzeugen berichteten, der Schütze habe aus fünf Metern Entfernung auf die Carabinieri geschossen. Ein Polizist wurde schwer, ein weiterer leicht verletzt. Der Schütze erlitt im Handgemenge mit Polizisten Verletzungen, er wurde festgenommen. Der Regierungssitz Palazzo Chigi liegt in rund einem Kilometer Entfernung vom Präsidentenpalast in Rom nahe einer belebten Einkaufs- und Touristenmeile. Der neue Innenminister Alfano bezeichnete die Schüsse als "tragischen kriminellen Akt" eines arbeitslosen und geschiedenen Mannes, der sich offenbar habe umbringen wollen.

Spezialisten sichern den Tatort vor dem Regierungsitz.
Spezialisten sichern den Tatort vor dem Regierungsitz.(Foto: AP)

Nach Einschätzung des Bürgermeisters von Rom waren die Schüsse kein Terrorakt. Allerdings sei das angespannte politische Klima in dem krisengeschüttelten Land in den vergangenen Monaten nicht gerade hilfreich gewesen, sagte Gianni Alemanno.

"Einzig mögliche Regierung"

Alfano, der Vorsitzende der rechten Partei Volk der Freiheit (PdL) des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, ist Vize-Regierungschef und Innenminister der neuen Regierung. Der Direktor der italienischen Nationalbank, Fabrizio Saccomanni, ist neuer Wirtschafts- und Finanzminister. Neue Außenministerin wurde die ehemalige EU-Kommissarin Emma Bonino.

Letta (l.) und Napolitano bei der Vereidigung.
Letta (l.) und Napolitano bei der Vereidigung.(Foto: AP)

Die neue Regierung wird außer von der linksbürgerlichen Demokratischen Partei und der Berlusconi-Partei auch von der Allianz des scheidenden Ministerpräsidenten und ehemaligen EU-Kommissars Mario Monti getragen. Der 46-jährige Letta hatte Napolitano am Samstag über die Eignung auf die neue Regierung informiert. Napolitano sprach von der "einzig möglichen Regierung", deren Bildung nicht habe warten können. Das breite Koalitionsbündnis werde es der Regierung ermöglichen, in beiden Kammern des Parlaments bei der Vertrauensabstimmung die erforderliche Mehrheit zu bekommen.

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy gratulierte Letta zur Regierungsbildung. Die neue italienische Regierung habe die "volle und ganze Unterstützung der europäischen Institutionen", erklärte er.

Nationaler "Pakt" angekündigt

Seit der Parlamentswahl Ende Februar steckte Italien in einer politischen Krise, da keine Partei eine ausreichende Mehrheit zur Bildung einer Regierung erreichte. Gespräche über eine mögliche Koalition scheiterten, woraufhin der zunächst mit der Regierungsbildung betraute PD-Vorsitzende Pier Luigi Bersani zurücktrat.

Die politische Sackgasse war vor allem angesichts der aktuellen Haushalts- und Wirtschaftskrise in der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone brisant. Die Schuldenlast des Landes dürfte dieses Jahr mehr als 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen. Außerdem bereitet eine hohe Jugendarbeitslosigkeit von knapp 40 Prozent Sorge.

Finanzminister Saccomanni kündigte an, mit einem nationalen "Pakt" zwischen Banken, Handel und Konsumenten das "wertvolle Vertrauen" in die Wirtschaft und ein günstiges Konsumklima wieder herstellen zu wollen. Einzelheiten nannte er nicht.

Quelle: n-tv.de

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