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Volles Sorgerecht für ledige Väter: Schwarz-Gelb stärkt Männer

Das deutsche Sorgerecht begünstigt Frauen. Bis jetzt. Nachdem eine Reihe von Gerichten die geltenden Regeln in Frage gestellt hat, reagiert die Bundesregierung. Sie räumt unverheirateten Vätern das volle Sorgerecht ein - auch gegen den Willen der Mütter.

Unverheiratete Väter können künftig das volle Sorgerecht für ihre Kinder ausüben - notfalls auch gegen den Willen der Mutter. Das sieht eine Gesetzesreform vor, die der Bundestag verabschiedet hat. Ein gemeinsames Sorgerecht mit der Mutter soll den Vätern nur noch dann verwehrt bleiben, wenn dadurch das Wohl des Kindes beeinträchtigt wäre. Diese Neuregelung gilt auch für Altfälle, die seit vielen Jahren die Familiengerichte beschäftigen.

Das Gesetz ist eine Konsequenz aus mehreren Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts und des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Die Justiz beanstandete die bisherige Begünstigung der Mütter im Vergleich zu unehelichen Vätern.

Jedes dritte Kind ist unehelich

"Das Kindeswohl steht im Mittelpunkt", hob die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarenberger (FDP) hervor. Nach ihren Worten wird die Reform auch dem gesellschaftlichen Wandel gerecht. Derzeit wird in Deutschland jedes dritte Kind von einer unverheirateten Mutter zur Welt gebracht.

Künftig soll zwar mit der Geburt zunächst die Mutter das alleinige Sorgerecht bekommen, doch der ledige Vater kann beim Familiengericht die Mitsorge beantragen. Äußert sich die Mutter innerhalb einer Sechs-Wochen-Frist nicht oder trägt sie lediglich Gründe vor, die nichts mit dem Kindeswohl zu tun haben, wird das gemeinsame Sorgerecht in einem vereinfachten Verfahren gewährt.

Angst vor Urteilen nach Aktenlage

Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Christine Lambrecht, warnte allerdings vor Urteilen nach Aktenlage. Es sei "ein Unding", dass eine derart weitreichende Entscheidung vom Gericht ohne Anhörung der Eltern getroffen werden solle. Auch Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) wandte sich gegen ein gerichtliches "Schnellverfahren" ohne Anhörung der Beteiligten. "In einem solchen Verfahren kann ein Gericht nicht wirklich feststellen, was dem Wohl des Kindes am besten entspricht."

Der Bundesrat kann die Reform zwar verzögern, aber nicht verhindern. Die Neuregelung, auf die sich die schwarz-gelbe Koalition nach langem Ringen verständigt hatte, soll voraussichtlich im Sommer in Kraft treten

Quelle: n-tv.de

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