Dienstag, 01. Dezember 2009
"Affäre Gaddafi": Schweizer in Libyen verurteilt
Für die vorübergehende Festnahme seines Sohnes Hannibal und dessen Frau im vergangenen Jahr in der Schweiz revanchiert sich Libyens Staatschef Gaddafi mit Haftstrafen für zwei Schweizer Geschäftsleute.Nach gut einjährigem diplomatischen Tauziehen sind in Libyen zwei Schweizer Geschäftsmänner zu 16 Monaten Haft verurteilt worden. Das bestätigte ein Sprecher des Technologiekonzernes ABB, wie die Schweizer Nachrichtenagentur SDA meldete. Die beiden Männer sollen zudem eine Geldbuße in Höhe von je 2000 Dinar (etwa 1090 Euro) zahlen. In Meldungen aus Tripolis hieß es, die Strafe sei wegen Visa- und Steuervergehen verhängt worden.
Bei den Verurteilten handelt es sich um den Chef der libyschen Niederlassung von ABB, Max Göldi, sowie um Rachid Hamdani, der als leitender Angestellter eines mittelständischen Unternehmens aus der Schweiz in Libyen arbeitete.
Das Schweizer Außenministerium bestätigte den Vorgang. Den Angaben zufolge befinden sich die beiden Männer aber nach wie vor in der Schweizer Botschaft in Tripolis.
Den Männern waren Steuerflucht und Verstöße gegen Einwanderungs- und Handelsgesetze zur Last gelegt worden. Sie werden seit Juli 2008 in dem nordafrikanischen Land festgehalten.
Die beiden wurden nach Einschätzung der Schweizer Regierung im Zusammenhang mit der "Affäre Gaddafi" festgehalten. Nach ihrer Festnahme 2008 waren sie auf Kaution freigekommen. Sie erhielten die Erlaubnis, in der Schweizerischen Botschaft in Tripolis Quartier zu beziehen.
Laut einer Vereinbarung zwischen Bern und Tripolis sollten die beiden Geschäftsmänner im August dieses Jahres in die Schweiz zurückkehren. Sie verschwanden jedoch Mitte September kurzzeitig und wurden für einige Wochen an einen den Schweizer Behörden unbekannten Ort gebracht worden, weil Libyen angeblich ihre gewaltsame Befreiung durch die Schweiz befürchtete. Schließlich wurden sie vor Gericht gestellt. Die Schweizer Regierung hatte von einer Entführung der beiden Männer gesprochen.
Hintergrund des Streits zwischen beiden Ländern ist offenbar die Verärgerung des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi über eine vorübergehende Festnahme seines Sohnes Hannibal und seiner Schwiegertochter am 15. Juli 2008 in Genf. Ihnen wurde vorgeworfen, zwei Hotel-Angestellte misshandelt zu haben. Der Schweizer Präsident Hans-Rudolf Merz hatte sich bei Libyen für die Festnahme entschuldigt. In der Schweiz hatte dies eine Kontroverse ausgelöst.
dpa/AFP
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