Donnerstag, 17. September 2009
Sechs Italiener sterben: Schwerer Anschlag in Kabul
Mindestens 16 Menschen kommen bei einem Anschlag der Taliban in Kabul ums Leben, darunter sechs italienische Soldaten. Italien drängt nun auf einen raschen Abzug seiner Truppen aus Afghanistan.Bei einem Selbstmordattentat gegen ein Fahrzeug der NATO-Truppen sind in der afghanischen Hauptstadt Kabul mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen, darunter sechs italienische Soldaten. Wie der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Kabul, Sahir Asimi, mitteilte, sind unter den Toten auch mindestens zehn afghanische Zivilisten. Mehr als 50 Menschen seien mit Verletzungen in Krankenhäuser gebracht worden.
Nach Angaben des italienischen Verteidigungsministeriums wurden sechs italienische Soldaten der Internationalen Schutztruppe ISAF getötet und vier weitere verletzt. Den Angaben zufolge sind es die bislang schwersten Verluste der italienischen Streitkräfte in Afghanistan.
"Schmerzhafter Tag für Italien"
"Das ist ein schmerzhafter Tag für Italien", sagte Regierungschef Silvio Berlusconi am Rande des EU-Sondergipfels in Brüssel und kündigte Konsequenzen an: "Wir sind alle überzeugt, dass wir Afghanistan schnellstmöglich verlassen müssen." Dies könne Italien aber nicht alleine entscheiden, sondern müsse es mit seinen Verbündeten absprechen - "sonst werden wir das Vertrauen der anderen Länder verraten."
Berlusconi betonte, Italien habe bereits vor dem Attentat "eine starke Reduzierung" seiner Truppen vorgesehen gehabt: "Wir werden auf diesem Weg weitergehen." Die in Italien mitregierende rechtspopulistische Lega Nord hatte zuvor einen Abzug bis Weihnachten verlangt. Berlusconi sagte dazu, bisherige Abzugspläne könnten beschleunigt werden, "sobald der Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte es erlaubt".
Taliban bekennen sich
Der Anschlag hatte sich nach Polizeiangaben im Osten der Hauptstadt auf der Straße in Richtung des internationalen Flughafens ereignet. Ein Sprecher der NATO-geführten ISAF in Kabul sagte, das Attentat sei gegen einen Konvoi der internationalen Truppen gerichtet gewesen. Es habe Opfer unter den Einsatzkräften gegeben. Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes sind damit insgesamt 21 italienische Soldaten ums Leben gekommen. Gegenwärtig sind etwa 2800 Italiener im Westen des Landes sowie in Kabul stationiert.
Die radikal-islamischen Taliban bekannten sich zu der Tat. Deren Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte, ein aus Kabul stammender Kämpfer der Aufständischen habe einen ISAF-Konvoi angegriffen. Bei der Explosion seien 13 italienische Soldaten ums Leben gekommen. Angaben der Taliban gelten jedoch als übertrieben und haben sich oft als gänzlich falsch herausgestellt. Erst vor einer Woche waren bei einem Selbstmordanschlag der Taliban vor dem militärischen Teil des Flughafens in Kabul zwei Zivilisten getötet worden.
dpa/AFP
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