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Bei den Kundgebungen von Pegida und Co. gehört Kritik an der deutschen Presse zum guten Ton.
Bei den Kundgebungen von Pegida und Co. gehört Kritik an der deutschen Presse zum guten Ton.(Foto: dpa)

Lebensferne Berichterstattung : Seehofer rügt ARD und ZDF

Lügenpresse ist das Unwort des Jahres 2014. Ganz so deutlich ist die Kritik des bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer an den Medien nicht. Doch in einem Interview wirft er ARD und ZDF vor, in der Flüchtlingskrise jenseits der Realität zu berichten.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hat die Berichterstattung von ARD und ZDF in der Flüchtlingskrise kritisiert. Es gebe ein Problem bei den Medien, vor allem bei den öffentlich-rechtlichen, sagte der CSU-Vorsitzende in einem Interview mit dem "Spiegel". "Überspitzt gesagt: Wenn die nicht Livesendungen hätten, dann hätten sie wenige der Lebenswirklichkeit entsprechende Programminhalte."

Seehofer bezog seine Kritik unter anderem auf die Berichterstattung zur Silvesternacht in Köln. Das ZDF habe deswegen sein Bedauern zum Ausdruck bringen müssen, sagte er. "Die ARD hat erklärt, ja, es stimmt, wir haben viele flüchtende Frauen und Kinder gezeigt, aber nicht im selben Maße die Männer, die viel häufiger nach Deutschland kamen." Zum Teil habe es eine Berichterstattung gegeben, die wenig mit der Realität zu tun gehabt habe, so Seehofer weiter. "Für mich ist viel zu häufig die persönliche Überzeugung der Autoren der Maßstab für die Berichterstattung", kritisierte Seehofer.

"Seehofer sollte sein Verständnis von Pressefreiheit hinterfragen"

Die Sender wiesen die Vorwürfe zurück: "Das ZDF berichtet seit Monaten umfangreich über alle Aspekte der Flüchtlingskrise", sagte ein Sprecher in Mainz, "auch über politische und gesellschaftliche Probleme und Konflikte." Ein ARD-Sprecher ergänzte: "Wir stellen uns gern jeder konstruktiven Kritik." In diesen Zeiten gehe es aber weniger um politische Zuspitzung: "Uns geht es um eine differenzierte mediale Reflexion."

Bundesjustizminister Heiko Maas kommentierte Seehofers Medienschelte auf Twitter: "Wer Journalisten die eigenen politischen Überzeugungen absprechen will, sollte sein Verständnis von Pressefreiheit hinterfragen", schrieb er in einem Tweet. "Wir sollten uns hüten, denjenigen nach dem Mund zu reden, die Journalisten als Lügenpresse diffamieren", in einem weiteren.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) warf dem bayerischen Ministerpräsidenten vor, seriöse Journalisten zu diffamieren. Er halte die Äußerungen Seehofers auch vor dem Hintergrund der "Lügenpresse"-Schmährufe und der Übergriffe auf Journalisten bei Pegida-Demonstrationen für unverantwortlich, sagte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall.

Quelle: n-tv.de

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