Mittwoch, 17. Januar 2007
Berichte über Privatleben: Seehofer wehrt sich
Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) hat sich nach Berichten über sein Privatleben zu Wort gemeldet und von einer teilweisen "Kampagne" gesprochen. "Über meine privaten und familiären Angelegenheiten werde ich mich in der Öffentlichkeit nicht äußern", teilte der CSU-Vize am Mittwoch in einem Schreiben seiner Anwaltskanzlei mit, das der dpa vorlag. "Traurig finde ich allerdings, dass in bestimmten Medien eine Kampagne läuft, die insbesondere auch meine Familie stark beeinträchtigt." "Bild" hatte am Montag geschrieben, der verheiratete Seehofer habe in Berlin eine Affäre mit einer 32-Jährigen.
Seehofer kündigte Widerstand an: "Ich werde hiergegen nachhaltig mit allen rechtlichen Möglichkeiten vorgehen." Der Minister war wegen der Berichte zuletzt unter Druck geraten. Seehofer wurde während der Führungskrise in der CSU als Kandidat für den Parteivorsitz und damit Nachfolger von Edmund Stoiber in dem Amt gehandelt. "Als Politiker bin ich es gewohnt, wenn die Sache es erfordert, mit harten Bandagen zu kämpfen", erklärte er. "Dies ist auch der Maßstab, an dem ich meine politische Arbeit gemessen sehen will." Der CSU-Vize ließ offen, ob er den Vorsitz der Partei übernehmen möchte.
Auf die Frage "Streben Sie deshalb den Vorsitz der CSU an, weil Sie die Landwirtschaftspolitik nicht ausfüllt?", antwortete Seehofer in der "Süddeutschen Zeitung": "Was ich besonders anstrebe, ist, meine Arbeit gut zu machen." Er sagte weiter: "Bundeslandwirtschaftsminister zu sein, ist nicht nur eine überaus herausfordernde und ausfüllende Arbeit, sondern sie macht mir auch außerordentlich viel Freude." Die Führungskrise der CSU soll nach Beschlüssen vom Mittwoch in den kommenden Monaten geklärt werden.
Die Berichte über Seehofers Privatleben waren besonders von CSU-Politikern verurteilt worden. CSU-Chef Edmund Stoiber sprach von einem Angriff auch "auf mich und die CSU". Er hatte dem CSU-Parteivize bescheinigt, dieser sei für höchste Ämter geeignet. Bundestagspräsidentin Norbert Lammert (CDU) sagte dem Berliner "Tagesspiegel": "Die Instrumentalisierung privater Angelegenheiten für politische Zwecke ist nicht nur menschlich unanständig, sie hat auch verheerende Wirkungen für die politische Kultur des Landes."
Mit der Eröffnung der Grünen Woche in Berlin nimmt Seehofer an diesem Donnerstag erstmals seit mehreren Tagen wieder einen öffentlichen Termin wahr.
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