Politik

Merah-Tonaufnahmen im TVSender verteidigt sich

09.07.2012, 06:46 Uhr
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Merah ermordete sieben Menschen. (Foto: AP)

Es ist kaum zu ertragen: Minutenlang spricht Mohamed Merah mit der Polizei, erklärt seine Verbrechen und schildert sogar noch weitere Anschlagspläne. Das alles sendet eine französische TV-Station. Die Angehörigen der Menschen, die Merah ermordete, sind außer sich. Die Ermittlungsbehörden fragen sich, woher der Sender das Material hat.

Die Ausstrahlung von Tonbandaufnahmen der Gespräche zwischen dem Attentäter von Toulouse und der Polizei hat in Frankreich für Empörung gesorgt. Innenminister Manuel Valls verurteilte die Entscheidung des Senders TF1, Auszüge der Aufnahmen auszustrahlen. Er warf dem Sender vor, nichts getan zu haben, "um die Familien der Opfer zu respektieren". Es stelle sich die Frage, wie der Sender an die Aufzeichnungen gekommen sei.

Die Pariser Staatsanwaltschaft nahm nach Justizangaben Vorermittlungen wegen Verletzung des Ermittlungsgeheimnisses auf. Angehörige der Opfer des Attentäters Mohamed Merah zeigten sich schockiert und entsetzt. Opferanwälte kündigten einen Eilantrag an, um jegliche weitere Ausstrahlung der Tonaufnahmen verbieten zu lassen. Die Rundfunkaufsichtsbehörde CSA erklärte am Sonntagabend, sie habe den Fernsehsendern empfohlen, auf eine Ausstrahlung zu verzichten.

TF1 hatte am Sonntagabend erstmals Auszüge aus den aufgezeichneten Verhandlungen zwischen Merah und der Polizei gesendet. Der Attentäter hatte darin ohne jeglichen Anschein von Reue seine Verbrechen erklärt und weitere Attentatspläne geschildert. Zu einer möglichen Erstürmung seiner Wohnung sagt er an einer Stelle: "Seid Euch darüber bewusst, dass Ihr einen Mann vor Euch habt, der vor dem Tod keine Angst hat. Ich liebe den Tod wie Ihr das Leben liebt." TF1 verfügt nach eigenen Angaben über viereinhalb Stunden Tonmaterial von den Gesprächen.

Sender fühlt sich im Recht

Der Sender rechtfertigte die Ausstrahlung mit seinem Informationsauftrag. Die Nachrichtenchefin von TF1, Catherine Nayl, wies den Vorwurf des Sensationsjournalismus zurück. Die gesendeten Auszüge umfassten "sehr wichtige Informationen über die Art und Weise, wie die Männer der Eliteeinheit Raid verhandelt haben", sagte Nayl der Nachrichtenagentur AFP. Das Dokument beweise, dass die Polizisten bis zum Schluss versucht hätten, Merah lebend zu ergreifen.

Merah hatte im März bei drei Attentaten insgesamt sieben Menschen erschossen, darunter drei Kinder und einen Lehrer vor einer jüdischen Schule. Der 23-Jährige hatte sich als Mitglied des islamistischen Terrornetzwerks Al-Kaida bezeichnet. t.

Quelle: ntv.de, AFP