Politik

"Verrückter Diktator"Simbabwe in großer Not

22.12.2008, 19:56 Uhr

Die Cholera-Epidemie in Simbabwe entwickelt sich zu einer der schwersten humanitären Katastrophen in diesem Jahr. Zudem steht dem Land eine Hungersnot bevor. Mehr als fünf Millionen Menschen sind bald auf Hilfslieferungen angewiesen. Immerhin wollen UN und USA nun den Druck auf den "verrückten Diktator" Mugabe erhöhen.

In Simbabwe spitzt sich die humanitäre Lage angesichts der Cholera-Epidemie und extremer Lebensmittelknappheit weiter zu: Experten der Vereinten Nationen warnten vor einer Hungersnot, von der fast jeder zweite Einwohner des afrikanischen Landes betroffen sein könnte. Laut der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen zählt die Cholera-Epidemie zu den schwersten humanitären Krisen des Jahres.

Während das Land einst die Kornkammer der Region gewesen sei, gebe es heute "einfach nicht genug zu essen", hob UN-Sonderberichterstatter Olivier De Schutter in einer gemeinsamen Erklärung mehrerer Menschenrechtsexperten der Vereinten Nationen hervor. Die UN-Organisationen schätzen, dass demnächst rund 5,5 Millionen Simbabwer von Lebensmittellieferungen abhängig sein könnten. Damit ist fast jeder zweite Einwohner des Landes von Hunger bedroht. Zudem drohe mit dem Beginn der Regenzeit im Januar die Cholera-Epidemie mit bereits mehr als 1100 Toten "desaströse Ausmaße" anzunehmen.

Kliniken sind geschlossen

Die UN-Experten forderten die Regierung in Harare und die internationale Gemeinschaft zu mehr Engagement auf. Eine "adäquate Lebensmittelversorgung für alle Menschen" in Simbabwe müsse sichergestellt werden. Um zudem im Kampf gegen die Cholera voranzukommen, müsse das marode Gesundheitssystem des Landes erneuert werden, hieß es in der Erklärung weiter. Ärzte und Krankenschwestern wurden seit Monaten nicht bezahlt. Viele Kliniken sind deshalb geschlossen.

Im Auftrag des Kinderhilfswerks UNICEF traf in Simbabwe erstmals eine Maschine mit medizinischem Nothilfematerial für Cholera-Kranke ein. Die Nothilfe sei eine "strategische Maßnahme", um einer "verzweifelten Lage" beizukommen, erklärte der UNICEF-Beauftragte in Simbabwe, Roeland Monasch. Cholera-Kranke verlieren durch Durchfall und Erbrechen in kürzester Zeit literweise Flüssigkeit. Vor allem Babys und Schwangere sterben in vielen Fällen, weil sie diesen Belastungen nicht gewachsen sind.

Realitätsverlust

Das südafrikanische Land wird seit fast drei Jahrzehnten von Präsident Robert Mugabe regiert, der sich weiterhin an die Macht klammert. Auf dem Parteitag seiner ZANU-PF bezeichnete der 84-Jährige am Wochenende Simbabwe als sein Land. Die US-Afrika-Beauftragte Jendayi Frazer erklärte dazu, Mugabe habe den Bezug zur Realität verloren. Nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl und der sich schleppend hinziehende Regierungsbildung sind durch die Cholera-Epidemie die Rufe nach einem Rücktritt von Mugabe noch einmal lauter geworden.

US-Außenministerin Condoleezza Rice hat jedenfalls angekündigt, den internationalen Druck auf die Regierung in Simbabwe zu erhöhen. Sie werde sich mit den Verbündeten der USA in Afrika sowie mit Großbritannien in Verbindung setzen, um über härtere UN-Sanktionen gegen die Regierung von Präsident Robert Mugabe zu beraten, sagte Rice. "Meiner Meinung nach ist es höchste Zeit, dass die internationale Gemeinschaft ihre Sanktionen gegen das Regime von Präsident Robert Mugabe verschärft", sagte Rice.

Möglich sei etwa, simbabwische Guthaben im Ausland auf internationaler Ebene einzufrieren, sagte Rice. Die "unvorstellbare" Lage in Simbabwe sei keine "innere Angelegenheit" des Landes, kritisierte die US-Außenministerin mit Blick auf Südafrika, das in der Vergangenheit härtere Maßnahmen gegen sein Nachbarland verhindert hat.

Der UN-Menschenrechtsexperte Jean Ziegler kritisierte, der "verrückte Diktator" Mugabe stehe praktisch unter dem Schutz Südafrikas. Vermehrter internationaler Druck auf die südafrikanische Führung sei nötig, sagte der ehemalige UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Mugabe führe eine Regierung an, die "jeglichen Realitätssinn" verloren habe.