Politik
Hans-Werner Sinn und Thorsten Schäfer-Gümbel im "Duell" bei Heiner Bremer.
Hans-Werner Sinn und Thorsten Schäfer-Gümbel im "Duell" bei Heiner Bremer.

"Das Duell" zur Griechenland-Krise: Sinn: Euro-Aus für Athen ist "unerlässlich"

Von Timo Kather

Griechenland muss raus aus der Eurozone. Diese Ansicht vertritt der Ifo-Chef Sinn in der n-tv Sendung "Das Duell". Seine Argumentation: Athen müsse ein Schuldenschnitt gewährt werden - und der sei mit einem Austritt gekoppelt.

Der Ökonom Hans-Werner Sinn hat sich in der Debatte um die Schuldenkrise des EU-Mitgliedstaats Griechenland für einen Schuldenschnitt und den Austritt Griechenlands aus dem Euro ausgesprochen. "Ein Schuldenschnitt ist unerlässlich für Griechenland, weil sie nicht zurückzahlen können", sagte Sinn in "Das Duell bei n-tv" ("Griechen-Wut und Euro-Flut – Zahlen deutsche Sparer die Rechnung?", zu sehen bei n-tv now). "Aber der Schuldenschnitt muss ja auch ein wettbewerbsfähiges Land hinterlassen", ergänzte der Chef des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung in München - und dies sei innerhalb der Eurozone kaum zu bewerkstelligen. "Schuldenschnitt mit Austritt - das muss miteinander gekoppelt sein, damit die Wettbewerbsfähigkeit wieder hergestellt ist", so Sinn.

Am Wochenende hatte das linke Bündnis Syriza die Wahlen in Griechenland gewonnen - mit dem Versprechen, die von der EU-Troika verordnete Sparpolitik zu beenden. Die Bundesregierung will aber von einem Schuldenerlass bislang nichts wissen. Sinns Gesprächspartner Thorsten Schäfer-Gümbel sagte, ein Schuldenschnitt "steht nicht an". Der stellvertretende SPD-Parteivorsitzende sprach aber von einer Notwendigkeit zur "Neubalancierung" des Umgangs mit Griechenland: Die Sparvorgaben der EU seien in den "letzten Jahren nahezu Eins-zu-Eins immer auf die Knochen der einfachen Leute gegangen", während wohlhabende Griechen "eigentlich keinen nennenswerten Beitrag zu der Lösung des Problems geleistet" hätten, so Schäfer-Gümbel.

Schäfer-Gümbel: Union "latent antigriechisch"

Im Februar wird darüber verhandelt, ob Griechenland weiter mit neuen EU-Krediten versorgt wird. Am Ende gehe es bei den Verhandlungen um die Frage "Zeit gegen Reformen", so Schäfer-Gümbel - und nicht um die Frage eines Austritts aus der Eurozone: "Es geht nicht um Entweder-Oder, es geht immer um beides. Es geht um die Frage der Anpassung von Spar- und Reformprogrammen, aber auch um die notwendige Luft", sagte Schäfer-Gümbel, "es wird am Ende nicht anders gehen, als dass sie auch für die konkrete Lebenslage der Menschen eine Perspektive bieten." Der SPD-Vize teilte in diesem Zusammenhang gegen den Koalitionspartner CDU aus: Die "latent antigriechischen Untertöne" einiger Unionspolitiker seien "nicht akzeptabel", so Schäfer-Gümbel, "und vor allem werden sie am Ende keine Lösungen produzieren."

Lösungen sind aber dringend geboten nach sieben Jahren Wirtschaftskrise. Das Sparprogramm der EU-Troika führte unter anderem zu einem sprunghaften Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit. Nicht einmal jeder zweite Grieche unter 25 Jahren hat Arbeit. "Die Griechen sind auf dem richtigen Weg, der Weg ist aber noch sehr, sehr weit. Es kann eine Generation dauern, und in dieser Phase geht die junge Bevölkerung verloren", kritisierte Ökonom Sinn, "wir opfern eine Generation von jungen Menschen für diesen Kurs, Griechenland nun unter allen Umständen im Euro zu halten."

Die Europäische Zentralbank hatte zuletzt den Ankauf von Staatsanleihen im großen Stil angekündigt. Das 1,1 Billionen schwere Konjunkturprogramm soll in Europa zu mehr Wachstum führen. Schäfer-Gümbel verteidigte den Plan von EZB-Chef Draghi: "Jeder Weg, den man im Moment geht, ist mit Risiken behaftet." Klar sei jedoch, dass "die EZB alleine die Herausforderung der Eurozone nicht lösen" könne, so Schäfer-Gümbel: "Wir brauchen endlich eine klare wirtschafts- und infrastrukturpolitische Perspektive. Die wird in Brüssel und in den Hauptstädten entschieden. Und man kann nicht die EZB ständig dafür kritisieren, dass sie als der zentrale verbliebene Akteur unterwegs ist, um den Laden zusammenzuhalten - nur weil es an anderer Stelle keine Entscheidung gibt."

Quelle: n-tv.de

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