Politik
Donald Trump
Donald Trump(Foto: dpa)
Samstag, 15. Juli 2017

"Ein homöopathisches Gift": So will Marc den Trumpismus kompostieren

Man kann Marc Daniels schräg finden, aber dann wird man ihm nicht gerecht. Der Amerikaner ist eine Art Ein-Mann-Friedensbewegung. Unermüdlich wirbt er für seinen Plan, Hass zu "kompostieren". Donald Trump sieht er "als spirituellen Bio-Sprit für uns andere".

n-tv.de: Im Präsidentschaftswahlkampf im vergangenen Jahr haben Sie bei Kundgebungen von Hillary Clinton und Donald Trump Kippas verkauft mit dem eingenähten Spruch "Weed out Hate". Sie wollten Trump überzeugen, mit Juden, Christen und Muslimen in den Central Park zu gehen, um Unkraut zu jäten – und symbolisch den Hass auszureißen. Warum hat das nicht geklappt?

Bei einer Veranstaltung zu Ehren von Martin Luther King in der Berliner Marienkirche gab Marc Daniels (r.) dem damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck ein Päckchen "Friedenssamen".
Bei einer Veranstaltung zu Ehren von Martin Luther King in der Berliner Marienkirche gab Marc Daniels (r.) dem damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck ein Päckchen "Friedenssamen".(Foto: Daniel Schmöcker / King-Code)

Marc Daniels: Schon als Geschäftsmann hat Donald Trump die Verschwörungstheorie vom "tiefen Staat" aufgegriffen, die ja auch von der türkischen Regierung benutzt wird, um die Demokratie zu entwurzeln. Im Wahlkampf hat er ebenfalls auf Verschwörungstheorien gesetzt und dies mit der republikanischen Agenda verknüpft – Abschaffung von Obamacare, von Umweltschutz-Regeln und von Wall-Street-Regulierungen. Außerdem hat er sich an die Seite der rechtsgerichteten Evangelikalen gestellt. Am Ende haben die Republikaner einen Teufelspakt mit Trump geschlossen.

Aber warum war er so erfolgreich?

Bei Donald Trump geht es nur darum, Hass zu benutzen und Minderheiten zu dämonisieren, um die Demokratie zu entwurzeln. Ich sehe die von ihm ausgehende Verachtung und seinen Hass, den er mit vorgetäuschter Liebe verschleiert, als spirituellen Bio-Sprit für uns andere. "Weed Out Hate" ist eine Methode, um Trumps Hass zu kompostieren.

Worum geht es eigentlich bei "Weed Out Hate"?

"Weed Out Hate" ist ein Konzept, mit dem die Menschheit damit anfangen würde, den Garten von Unkraut zu befreien, und zwar sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne. Das himmlische Ziel wäre, den Hass auszureißen und zu kompostieren. Es ist zugleich ein Erziehungskonzept – für Kinder in Amerika, in Deutschland und überall auf der Welt.

Sie sind im Wahlkampf bei Trump-Veranstaltungen mit einem Schild aufgetaucht, auf dem "Juden für Trump" stand. Hatten Sie nicht die Befürchtung, von Trump benutzt zu werden?

In einer Fernsehsendung habe ich ihm gesagt, es würde ihm bei der Wahl nutzen, wenn er mein "Weed Out Hate"-Konzept übernehmen würde. Mit diesem und anderen Auftritten konnte ich gewissermaßen Werbung für meine Ideen machen. Man könnte sagen, dass wir uns gegenseitig benutzt haben.

Befürchten Sie nicht, von sehr konservativen Republikanern falsch verstanden zu werden?

Traditionell ist die Republikanische Partei mit der deutschen CDU verbündet. Ich erinnere mich an die engen Beziehungen, die Helmut Kohl mit Ronald Reagan und George Bush hatte. Und die Republikaner richten sich an evangelikale Christen. Mein Eindruck ist, dass Republikaner eine Gesellschaft anstreben, in der die Leute sich auf ihre Religiosität berufen können, auf ihre spirituellen Wurzeln, auf Jesus, um der Gesellschaft zu helfen, den Hass in eine edle Absicht umzuwandeln.

Ein Unterschied ist, dass ich muslimische Amerikaner an dem Prozess beteiligen möchte. Ich habe zehn Jahre lang das Judentum studiert und dabei mir ist klar geworden, wie wichtig es ist, dass Muslime, Juden und Christen zusammen beten, um den Hass in der Welt zu überwinden, auch wenn jeder dies auf seine eigene Weise tut. Ich stelle mir einfach vor, dass dies geschieht, indem dabei symbolisch Unkraut ausgerissen wird.

Ist Vizepräsident Mike Pence zugänglicher für Ihre Botschaft als Trump?

Als Mike Pence im Februar überraschend einen jüdischen Friedhof in der Nähe von St. Louis besuchte, gab ich ihm eine Trump-Kippa und sprach mit ihm über meine Vision, die Amerikaner zu einen. "Sie sind einer guter Mann", sagte er zu mir und umarmte mich. Ich verstehe das als Unterstützung für meine Ideen.

Es gibt liberale Amerikaner, die Pence für noch gefährlicher halten als Trump.

Sie glauben, er würde noch mehr von den Maßnahmen zurückdrehen, die von Barack Obama umgesetzt wurden, etwa die Rechte von Homosexuellen, leichteren Zugang zu Empfängnisverhütung und zu Abtreibungen. Ich glaube allerdings, unter Pence wären die USA nicht aus dem Pariser Klimaschutzabkommen ausgetreten.

Wie geht es mit Trump weiter? Wird er vier Jahre lang Präsident bleiben?

Die Art, wie er auf dem G20-Gipfel mit dem russischen Präsidenten Putin umgegangen ist, hat den Druck auf Trump in den USA noch erhöht. Aber für ein Amtsenthebungsverfahren hat er noch zu viel Unterstützung in seiner Partei. Aus meiner Sicht ist Trump eine Art homöopathisches Gift, der den Rest der Nationen dieser Welt mit Menschlichkeit versorgt und sie ihr inneres Unkraut kompostieren lässt. Angela Merkel kennt mein Konzept übrigens auch, ich habe ihr mein Buch "Der Himmelsgarten" geschickt, dazu ein Päckchen mit Sonnenblumensamen. Nicht von ihr selbst, aber von ihrem Büro habe ich einen sehr schönen Brief dazu bekommen.

Können Sie es verstehen, wenn Leute Sie schräg finden?

Oh ja, absolut. Der CNN-Kommentator David Gergen hat mir im vergangenen Oktober am Rande der zweiten Präsidentschaftsdebatte in St. Louis gesagt, dass er "Weed Out Hate" als Wahlkampfidee großartig findet – verrückt genug, um zu funktionieren.

Mit Marc Daniels sprach Hubertus Volmer

Quelle: n-tv.de

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