Politik
Pedro Pablo Kuczynski hat eine lange Karriere hinter sich - und die Präsidentschaftswahl gewonnen.
Pedro Pablo Kuczynski hat eine lange Karriere hinter sich - und die Präsidentschaftswahl gewonnen.(Foto: AP)
Donnerstag, 09. Juni 2016

Kuczynski siegt knapp in Peru: Sohn deutschen Flüchtlings wird Präsident

Von Roland Peters

Der Andenstaat Peru wählt - unfassbar knapp - einen neuen Präsidenten. Nicht Keiko Fujimori, die Tochter des Diktators, sondern Pedro Pablo Kuczynski gewinnt. Sein Vater war Deutscher, er selbst wird als "Gringo" verspottet.

Am Sonntag waren die Peruaner zur Präsidentschaftsstichwahl aufgerufen, aber erst jetzt, Tage später, gibt es einen Sieger. Pedro Pablo Kuczynski ist nicht mehr einzuholen - er gewinnt mit einem minimalen Vorsprung gegen Keiko Fujimori. 50,11 Prozent stimmten für den 77-jährigen Rechtsliberalen, 49,89 Prozent für die Tochter des blutrünstigen Ex-Diktators Alberto Fujimori. Fast alle Stimmen sind ausgezählt. Der Rechtspopulistin bleibt damit nach 2011 das zweite Mal der Einzug in den Regierungspalast in Lima verwehrt. Den muss der Linkspolitiker Ollante Humala nun an Kucyzinski abtreten.

Keiko Fujimori konnte nicht genug Zweifler überzeugen.
Keiko Fujimori konnte nicht genug Zweifler überzeugen.(Foto: REUTERS)

Schon vor dem ersten Wahlgang im April hatten etwa 40 Prozent der Peruaner angegeben, auf keinen Fall Keiko wählen zu wollen. Zu frisch sind die Erinnerungen an ihren Vater, der zwischen 1990 und 2000 Peru mit eiserner Hand regierte und wegen Korruption und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Gefängnis sitzt.

Die Briefwähler waren das Zünglein an der Waage. Nach Auszählung von 95 Prozent der Stimmen hatte Kuczynski nur einen Vorsprung von 0,36 Prozent vor seiner Konkurrentin. Da fehlte aber der größte Teil der fast vier Prozent wahlberechtigten Peruaner im Ausland. Zeitversetzt erreichten die Lieferungen von Stimmzetteln aus aller Welt die Wahlbehörde. Sie entschieden nun das hauchdünne Rennen um die Macht der kommenden fünf Jahre. Die letzten Wahlzettel kamen in der Nacht aus Hamburg - mit den Stimmen von Wahlberechtigten aus deutschen Städten, sowie aus Wien, Budapest, Helsinki, Kuwait, Dubai und Doha.

Kein US-Pass mehr

Kuczynski hat insgesamt länger im Ausland gelebt als in dem Staat, den er bald lenken wird. Er studierte in London, Oxford und Princeton. Als Politiker möchte Kuczynski nicht bezeichnet werden, sondern als "Wirtschaftswissenschaftler, der sein Land verändern will". Er kündigte an, sich besonderes auf öffentlich-private Partnerschaften zu konzentrieren. Wegen seines langen USA-Aufenthalts ist Kuczynskis Spanisch stark amerikanisch eingefärbt, deshalb wird er in Peru zuweilen als "Gringo" verspottet. Seine US-amerikanische Staatsbürgerschaft legte er Ende vergangenen Jahres ab - wohl aus Wahlkampfgründen.

Kuczynski war bereits kurzzeitig Ministerpräsident Perus. Er gilt als Wirtschaftsexperte, weil er bei der Weltbank und dem IWF arbeitete und auch schon an der Regierung von Alejandro Toledo (2001-2006) als Wirtschafts- und Finanzminister beteiligt war. Nun ist der Verfechter der freien Marktwirtschaft selbst Regierungschef und wird die Politik seines Vorgängers Ollanta Humala womöglich noch ausbauen. Die Schürfrechte großer Teile des rohstoffreichen Landes gingen in den vergangenen Jahren an internationale Konzerne.

Notstand im Süden

Über die Hälfte des peruanischen Bodens ist von Wald bedeckt, aber für rund 75 Prozent des Landes gibt es inzwischen vertragliche Abmachungen über eine Ausbeutung. Die reichen auch in Schutzgebiete indigener Einwohner und Nationalparks, sagen Kritiker. Vielerorts wird auch ohne Genehmigung geschürft, vor allem Gold. In der südlichen Region Madre de Dios, deren Fläche etwas mehr als der Größe Bayerns entspricht, wurde Ende Mai der Notstand ausgerufen. Illegale Schürfer haben die Umwelt mit Quecksilber verpestet und aus Teilen der Urwaldregion eine Mondlandschaft gemacht. "Die Folgen werden uns die kommenden 80 Jahre begleiten", sagte Umweltminister Manuel Pulgar Vidal.

Eine vielseitige Persönlichkeit ist Kuczynski auch wegen seiner Herkunft: Sein Vater Max war deutscher Bakteriologe, der für das Kaiserreich im Ersten Weltkrieg auf dem Balkan kämpfte. Er floh 1933 vor den Nazis aus Berlin über die Schweiz nach Südamerika, wo er 1935 die Schweizerin Madeleine Godard heiratete. In Lima kam zwei Jahre später ihr gemeinsamer Sohn Pedro Pablo Kuczynski zur Welt. Der ist damit Cousin des französisch-schweizerischen Filmregisseurs Jean-Luc Godard. Und wird nun sein eigenes Geburtsland Peru regieren.

Quelle: n-tv.de

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