Politik
Vor der Einreisebehörde in Brisbane wird gegen das Lager auf Manus und den harten Kurs Australiens protestiert.
Vor der Einreisebehörde in Brisbane wird gegen das Lager auf Manus und den harten Kurs Australiens protestiert.(Foto: imago/UIG)
Sonntag, 16. April 2017

Australisches Internierungslager: Soldaten randalieren in Flüchtlingscamp

Australien lässt keine Bootsflüchtlinge ins Land. Stattdessen werden sie in Lagern auf der Insel Manus untergebracht. Die Verhältnisse dort sind katastrophal. Nun eskaliert die Situation. Soldaten eines Militärstützpunktes fallen in ein Camp ein. Sie sind betrunken.

Betrunkene Soldaten haben in Papua-Neuguinea in einem umstrittenen Lager für Bootsflüchtlinge aus Australien randaliert. Wie die Polizei mitteilte, drangen die Soldaten in das Internierungslager auf der Insel Manus ein, nachdem ein Kamerad angeblich von einem Asylbewerber angegriffen worden war. Die Soldaten seien schreiend durch das Lager gelaufen, hätten mit Gegenständen geworfen, Warnschüsse abgefeuert und "wahllos" Polizisten, Beamte und Flüchtlinge attackiert.

Ein Asylbewerber und ein Einwanderungsbeamter seien nach dem Vorfall in einer Klinik behandelt worden, erklärte die Polizei. Wie der australische Rundfunksender ABC unter Berufung auf die Einwanderungsbehörde berichtete, wurde ein Mann durch einen Steinwurf verletzt. Es gebe auch Berichte über Schüsse. Dabei sei jedoch niemand verletzt worden.

Ermittlungen werden eingeleitet

Nach Angaben von Insassen und Flüchtlingshelfern war es am Freitagabend bei einem Fußballspiel auf einem Militärstützpunkt außerhalb des Lagers zu Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen und Soldaten gekommen. Papua-Neuguineas Polizei kündigte gründliche Ermittlungen zu dem Vorfall an.

Australien lässt grundsätzlich keine Bootsflüchtlinge ins Land. Stattdessen werden sie in Flüchtlingslager auf der zu Papua-Neuguinea gehörenden Insel Manus oder im Inselstaat Nauru gebracht. Menschenrechtsorganisationen kritisieren immer wieder die Zustände in den Lagern. Sie berichteten wiederholt über Fälle von sexuellen Übergriffen, Kindesmissbrauch und Selbstverletzungen in den Camps.

Australien bleibt beim harten Kurs

Mitte August hatte das Oberste Gericht von Papua-Neuguinea die Internierung von mehr als 800 Bootsflüchtlingen auf der Insel für unzulässig und verfassungswidrig erklärt. Australien erklärte sich daraufhin bereit, das 2012 in Betrieb genommene Flüchtlingslager bis Oktober zu schließen.

Einwanderungsminister Peter Dutton stellte jedoch bereits klar, dass die Flüchtlinge nicht nach Australien gebracht werden. Die konservative Regierung bemüht sich stattdessen darum, sie innerhalb Papua-Neuguineas oder in Drittländern wie den USA oder Kambodscha unterzubringen.

Australiens harter Kurs in der Flüchtlingspolitik wird international seit langem kritisiert. Die australische Regierung argumentiert, dass ihre Politik Leben rette, weil Bootsflüchtlinge abgeschreckt würden.

Quelle: n-tv.de

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