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Die Weltgemeinschaft muss sich schon einmal auf eine neue Flagge einstellen.
Die Weltgemeinschaft muss sich schon einmal auf eine neue Flagge einstellen.(Foto: AP)

Katalanen begehren auf: Spaniens Einheit steht zur Abwahl

Wenn am Sonntag die Katalanen wählen, dann geht es nicht nur um Sitze im Regionalparlament der nordostspanischen Region. Regierungschef Mas und seine nationalistische CiU wollen, wenn sie gewinnen, Katalonien vom Rest des Landes abspalten. Die EU-Kommission droht schon. Fraglich ist aber, ob das die reichen und stolzen Katalanen schreckt.

Wird Barcelona künftig nicht mehr zu Spanien gehören, sondern die Hauptstadt eines unabhängigen Katalonien sein? Wird durch Spanien eine Grenze gezogen und auf der Iberischen Halbinsel ein neuer Staat entstehen? Solche Fragen stehen im Mittelpunkt, wenn die Katalanen an diesem Sonntag ein neues Parlament wählen. Die Wähler werden indirekt auch darüber abstimmen, ob in der wirtschaftsstärksten Region Spaniens ein Prozess zur Schaffung eines unabhängigen Staates eingeleitet werden soll.

Artur Mas will Spanien ein Schnippchen schlagen.
Artur Mas will Spanien ein Schnippchen schlagen.(Foto: dpa)

Bei der vorgezogenen Wahl in der Region mit 7,6 Millionen Einwohnern geht es auch um die Einheit Spaniens. Kataloniens Regierungschef Artur Mas hat angekündigt, bei einem Wahlsieg eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit abhalten zu lassen. Madrid gab sich entschlossen, eine Trennung der Region von Spanien mit allen Mitteln zu verhindern. "Niemand wird Katalonien von Spanien und der EU abtrennen", betonte der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy. "Diese Wahl ist noch wichtiger als die spanische Parlamentswahl vor einem Jahr."

Der 56-jährige Mas war im September überraschend auf die Welle des Separatismus aufgesprungen, die Katalonien erfasst hatte. In Umfragen sprachen sich über 50 Prozent der Katalanen für eine Trennung ihrer Region von Spanien aus, in den vorigen Jahren waren es allenfalls gut 30 Prozent gewesen. Mas war bislang eher als kühler und reservierter Technokrat in Erscheinung getreten.

Mas dürfte absolute Mehrheit nicht schaffen

Die spanische Zentralregierung wirkte anfangs geschockt, aber mittlerweile scheint der größte Schrecken gewichen zu sein. Denn die Separatismus-Welle in Katalonien ist abgeflaut. Dies hat vor allem einen Grund: Die EU-Kommission machte deutlich, dass ein unabhängiges Katalonien nicht mehr der EU und der Eurozone angehören könne, sondern seine Aufnahme neu beantragen müsste. Diese Perspektive scheint vielen Katalanen nicht zu behagen.

Mas ließ bislang völlig unklar, wohin der von ihm eingeschlagene Weg führen soll. Strebt er ein völlig unabhängiges Katalonien an oder einen Staat, der in irgendeiner Form mit Spanien verbunden bleibt? "Wir haben ein Recht zu erfahren, welches Staatsmodell ihm vorschwebt", forderte der Kolumnist Antonio Franco in der Zeitung "El Periódico". "Soll Katalonien so sein wie Frankreich oder wie Bayern?"

Nach Umfragen wird Mas die Wahl mit seiner nationalistischen Allianz CiU voraussichtlich zwar gewinnen, aber die absolute Mehrheit verfehlen. Dies dürfte seine Position eher schwächen, auch wenn andere separatistische Parteien wie die Linksrepublikaner (ERC) ihm zur Wiederwahl als Regierungschef verhelfen sollten.

Zehn Millionen Menschen sprechen Katalanisch

Die großen spanischen Parteien - wie Rajoys konservative Volkspartei (PP) und die Sozialisten (PSOE) - halten den Separatisten vor, dass eine Trennung Kataloniens von Spanien nicht in die heutige Zeit eines Europas der offenen Grenzen passe. Mehrere Ökonomen warnten davor, dass eine Sezession für die katalanische Wirtschaft verheerende Folgen hätte. "Ein unabhängiges Katalonien wäre wirtschaftlich lebensfähig, aber es würde alle Katalanen ärmer machen", meinte Francisco Caja von der Universität in Barcelona. Der Warenaustausch mit dem übrigen Spanien würde auf die Hälfte schrumpfen, die katalanische Wirtschaftskraft um 20 Prozent.

Dabei machen die Katalanen für ihr Unabhängigkeitsbestreben auch wirtschaftliche Gründe geltend. "Spanien plündert das katalanische Steueraufkommen, um seine Finanzlücken zu stopfen", sagte Josep Manuel Ximenis, Bürgermeister der Ortschaft Arenys de Munt. "Man behandelt uns wie eine Kolonie." Seine Gemeinde hatte im September 2009 als erste von 550 katalanischen Kommunen ein inoffizielles Unabhängigkeitsreferendum abgehalten.

Viele Katalanen wollen auch aus anderen Gründen zu Spanien auf Distanz gehen. Ihre Sprache wird zwar - anders als während der Franco-Diktatur (1939-1975) - nicht mehr unterdrückt, aber sie wird in Spanien nicht als eine Bereicherung, sondern eher als ein Störfaktor betrachtet. Dabei wird Katalanisch in Katalonien, in der Region Valencia und auf den Balearen von etwa zehn Millionen Menschen gesprochen. Außerhalb dieser Regionen macht sich kaum ein Spanier die Mühe, die verwandte, aber doch eigenständige Sprache zu lernen.

Quelle: n-tv.de

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