Politik
Zum 80. Geburtstag von Heiner Geißler am 3. März 2010 diskutierte Angela Merkel mit ihm in der Berliner CDU-Zentrale über  "Grundlagen der humanen Gesellschaft".
Zum 80. Geburtstag von Heiner Geißler am 3. März 2010 diskutierte Angela Merkel mit ihm in der Berliner CDU-Zentrale über "Grundlagen der humanen Gesellschaft".(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 12. September 2017

"Intellektuell herausragend": Spitzenpolitik trauert um Heiner Geißler

Nach dem Tod von CDU-Urgestein Heiner Geißler würdigen Vertreter fast aller Parteien dessen Verdienste für die Bundesrepublik in den Nachkriegsjahrzehnten - sie erinnern aber auch an die Streitlust des Politikers.

Kanzlerin Angela Merkel hat den gestorbenen Ex-CDU-Generalsekretär Heiner Geißler als einen der markantesten Köpfe der Christdemokraten gewürdigt. Der im Alter von 87 Jahren gestorbene Geißler sei "intellektuell herausragend, rhetorisch brillant, streitbar und selbstbewusst" gewesen, erklärte Merkel gemeinsam mit Generalsekretär Peter Tauber in Berlin. Geißler habe der CDU von 1977 bis 1989 als Generalsekretär gedient, so lange wie niemand vor und nach ihm. Geißler "war maßgeblich und mit großem Erfolg daran beteiligt, aus der Honorationenpartei CDU eine echte Mitglieder- und Programmpartei zu machen".

So sei in seiner Amtszeit das erste Grundsatzprogramm "Freiheit, Solidarität, Gerechtigkeit" beschlossen worden. Auch die eigene Partei habe er nicht mit offenen Worten geschont, wenn er dies für nötig gehalten habe - beispielsweise bei der Durchsetzung der neuen Frauenpolitik der CDU. "Dieses Rückgrat, diese politische Unabhängigkeit bewahrte er sich stets." Auch deshalb habe Geißler über alle Parteigrenzen und politischen Lager hinweg höchste Anerkennung, Vertrauen und Respekt genossen.

Zeitweise war Geißler Bundesfamilienminister sowie später Fraktionsvize der Union. In den vergangenen Jahren war er unter anderem beim globalisierungskritischen Netzwerk Attac und als Schlichter aktiv - letzteres etwa beim Konflikt um den Bau von Stuttgart 21. "Mit Heiner Geißler verliert unsere Partei einen herausragenden Christdemokraten, einen leidenschaftlichen Verfechter der katholischen Soziallehre und einen beherzten Kämpfer für die Soziale Marktwirtschaft", so Merkel und Tauber.

Lafontaine: "Er wird uns fehlen"

Auch die SPD würdigte Geißler. "Er war für seine Partei und für viele Bürger unseres Landes eine prägende politische Gestalt der ersten Jahrzehnte der Bundesrepublik. An der Auseinandersetzung mit seiner pointierten Sicht auf die Linke und die Sozialdemokratie ist die Diskussionskultur Deutschlands gewachsen", betonte Außenminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel. Großer Dank gebühre Geißler für seine Tätigkeit als Schlichter in Tarifkonflikten.

Die Spitzenkandidaten der Grünen, Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir, erklärten in Berlin, Geißler sei den Grünen als Attac-Aktivist mit den Jahren immer näher gekommen. Sie erinnerten aber auch daran, dass sie es nicht immer leicht mit Geißler hatten. "Seine scharfe Kritik an der Friedensbewegung ist uns noch in Erinnerung", betonten Göring-Eckardt und Özdemir. Sie nannten Geißler einen "echten Freigeist" und einen "klugen Demokraten", der die Politik über Jahrzehnte geprägt habe.

Linken-Politiker Oskar Lafontaine bezeichnete Geißler als einen der "profiliertesten Politiker der deutschen Nachkriegszeit". Er habe sich "Zeit seines Lebens der christlichen Soziallehre verpflichtet gefühlt", sagte der einstige SPD-Chef. "Wie kaum ein anderer kritisierte er die Fehlentwicklungen des globalen Kapitalismus. Er wird uns fehlen."

Quelle: n-tv.de

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