Politik

Mutmaßlicher NS-KriegsverbrecherStaatsanwalt ermittelt

09.07.2012, 17:32 Uhr
imageHier kommt der Autor hin

Die Tat liegt fast 70 Jahre zurück. Im Herbst 1942 sollen deutsche Soldaten rund 360 Juden aus dem Ghetto in Shitomir erschossen haben. Nun prüft die Staatsanwaltschaft Cottbus, ob ein heute 91-Jähriger an dem Verbrechen beteiligt war.

Die Staatsanwaltschaft Cottbus

ermittelt gegen einen mutmaßlichen . "Es besteht der Verdacht,

dass sich der Beschuldigte der zweifachen Beihilfe zum Mord an 360 Personen schuldig

gemacht hat", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Petra Hertwig, der

"Märkischen Allgemeinen Zeitung". Es wird demnach geprüft,

ob der heute 91-Jährige vor rund 70 Jahren möglicherweise an Erschießungen in der

Ukraine beteiligt gewesen war.

Laut Staatsanwaltschaft

wurde der Mann bereits vernommen und hat auch ausgesagt. Zu Details wollte sich

die Sprecherin aus ermittlungstaktischen Gründen nicht äußern. "Wir prüfen,

ob es noch andere Ermittlungsansätze gibt", sagte Hertwig. Das könnten etwa

weitere Angehörige der Einheit sein, die Zeugen der Verbrechen waren.

Im Oktober und November

1942 sollen insgesamt rund 360 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus dem Ghetto

in Shitomir von getötet und in Massengräbern verscharrt worden

sein. Die Soldaten sollen zum Kommandostab Reichsführer-SS gehört haben.

Nach Informationen der Zeitung

beruht das Wissen über die Exekutionen in der Ukraine weitgehend auf den Aussagen

eines Zeugen, der bereits 1971 gestorben ist und 1947 in russischer Kriegsgefangenschaft

die Verbrechen geschildert hatte. 1985 hatte die Staatsanwaltschaft Wiesbaden das

Verfahren gegen den beschuldigten Chef des mutmaßlichen Erschießungstrupps eingestellt,

weil sie Zweifel am Wahrheitsgehalt der Zeugenaussagen hegte.

Auf die Spur des heute 91-jährigen

Mannes aus Cottbus kam demnach die Zentrale Stelle im baden-württembergischen Ludwigsburg,

eine 1958 von den Bundesländern eingerichtete Behörde zur Verfolgung von NS-Kriegsverbrechen.

Auf der Suche nach Zeugen in einem anderen Verfahren seien die Ludwigsburger Justizmitarbeiter

in ihrer fast 1,7 Millionen Blatt zählenden Kartei auf den Namen des Mannes gestoßen.

Dieser, so belegen es der "MAZ" vorliegende Unterlagen, war als SS-Sturmmann

Angehöriger des Kommandostabs Reichsführer-SS - jener Einheit, die die Juden aus

dem Ghetto in Shitomir umgebracht haben soll.

Der stellvertretende Leiter

der Ludwigsburger Zentralstelle, Thomas Will, sagte der Zeitung, es gelte zunächst

die Unschuldsvermutung. Selbst wenn nachgewiesen werden könne, dass der Mann zum

Tatzeitpunkt Teil der Einheit war, beweise das noch nicht, dass er auch bei den

Erschießungen dabei war. Oft müsse zur Kenntnis genommen werden, dass einem Beschuldigten

nach so vielen Jahren nichts mehr nachgewiesen werden könne. 20 bis 30 Vorermittlungsverfahren

würden pro Jahr noch an die Staatsanwaltschaften der Länder weitergeleitet. Aber

nur in einem Zehntel der Fälle kommt es demnach tatsächlich zu einer Anklage.

Quelle: ntv.de, dpa