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Sein Wahlsieg war es nicht, aber Niedersachsen verschafft Steinbrück wieder Rückenwind.
Sein Wahlsieg war es nicht, aber Niedersachsen verschafft Steinbrück wieder Rückenwind.(Foto: dpa)

Gabriel: Rückzug nie ein Thema: Steinbrück soll bleiben, wie er ist

Nach dem Erfolg in Niedersachsen atmet die SPD auf. Trotz der Debatten um Peer Steinbrück gelingt der Regierungswechsel. Parteichef Sigmar Gabriel hält den Kandidaten unterdessen nicht für beschädigt. Ändern soll sich Steinbrück künftig auch nicht.

Stolze Wahlgewinner: Niedersachsens SPD-Chef Stephan Weil mit Sigmar Gabriel.
Stolze Wahlgewinner: Niedersachsens SPD-Chef Stephan Weil mit Sigmar Gabriel.(Foto: dapd)

SPD-Chef Sigmar Gabriel hat betont, dass Peer Steinbrück auch im Falle eines schlechten Abschneidens der SPD bei der Landtagswahl in Niedersachsen Kanzlerkandidat geblieben wäre. "Es stand nie zur Debatte, dass er geht", sagte Gabriel. "Er hat keine silbernen Löffel geklaut und auch nichts Dramatisches gesagt." Die SPD sei nicht die FDP und gerate gleich beim ersten Gegenwind in Panik. "Wir sind eine hoch geschlossene Partei - inhaltlich wie personell", betonte Gabriel.

Gabriel ist zuversichtlich, dass die Debatte um Steinbrück mit der Landtagswahl ein Ende gefunden hat. "Die Personaldebatte ist vorbei", sagte Gabriel. Es gehe nun darum, die Fehler der vergangenen Wochen zu vermeiden. Das sei aber "kein strategischer Neustart", betonte er.

Vergleich mit Lassalle

Gabriel sagte, es habe bei der Niedersachsen-Wahl keinen Steinbrück-"Malus" gegeben. Der Vorteil des Kanzlerkandidaten sei, dass er die soziale Kompetenz, die den Sozialdemokraten ohnehin zugeschrieben werde, durch ökonomische Kompetenz ergänze. Steinbrück "muss so bleiben, wie er ist", betonte Gabriel. Deshalb sei er zum Herausforderer der Kanzlerin gekürt worden. Zugleich bescheinigte der Parteichef dem 66-Jährigen eine "gewisse Lernbereitschaft". Steinbrück war wegen seiner hohen Vortragshonoare und ungeschickter Äußerungen etwa zur Höhe des Kanzlergehalts in die Kritik geraten.

Gabriel versicherte, Steinbrück sei kein Kandidat, der nur die Belle Etage vertrete. Das zeige allein schon sein Einsatz für eine Mietpreisbremse. Zudem sei schon der Gründer der deutschen Sozialdemokratie, Ferdinand Lassalle, ein vermögender Mann gewesen. Es gebe nach den jüngsten Debatten auch kein Einmauern des Kandidaten. Die SPD und Steinbrück hätten den "gleichen Herzschlag".

Der Erfolg in Niedersachsen mit der anstehenden Regierungsübernahme durch Rot-Grün habe zudem gezeigt, dass Wahlen nicht unbedingt durch eine "überstrahlende Person" gewonnen würden, sondern vor allem durch Inhalte. "Wir werden sehr intensiv auf Themen setzen, auf alles, was die Menschen in ihrem Alltag bewegt", sagte der SPD-Vorsitzende mit Blick auf die Bundestagswahl. "Der Wahlkampf von unten, aus der Lebensmitte der Menschen heraus, ist das größte Potenzial der SPD."

"Völlig offenes Rennen"

Die meisten Chancen auf Stimmenzuwachs sieht Gabriel bei den Nichtwählern. Wer sich enttäuscht zurückgezogen habe, den erreiche man nicht durch Plakate oder Slogans, sondern "indem man hingeht". Gabriel sieht das Rennen für die Bundestagswahl "völlig offen". Die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel habe ihre Partei sowohl personell als auch programmatisch "entkernt".

Gabriel hob das enge Verhältnis der SPD zu den Grünen hervor. "Wenn es jemanden gibt, der verlässlich ist, dann die grüne Führungsspitze", sagte er. Im Falle eines rot-grünen Sieges werde man den Grünen auf Augenhöhe begegnen. In der angestrebten rot-grünen Koalition im Bund müsse auch "die Identität des kleineren Partners sichtbar sein".

Vor der Bundestagswahl im September will die SPD auch auf einen Tür-zu-Tür-Wahlkampf setzen. Man müsse Wahlkampf von unten, aus Sicht der Bürger machen. Besonders enttäuschte Nichtwähler wolle die SPD durch den persönlichen Kontakt für sich gewinnen. "Das ist ein völlig offenes Rennen", betonte ein sichtlich aufgeräumter Gabriel nach dem rot-grünen Erfolg in Niedersachsen mit Blick auf die Bundestagswahl.

Quelle: n-tv.de

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