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Steinbrück findet seine Äußerungen nicht unangemessen.
Steinbrück findet seine Äußerungen nicht unangemessen.(Foto: REUTERS)

Verärgerung über "Clown"-Aussage: Steinbrück spricht mit Napolitano

Nach umstrittenen Äußerungen zum Wahlausgang in Italien sagt Staatspräsident Napolitano ein Abendessen mit dem SPD-Kanzlerkandidaten Steinbrück ab. Steinbrücks Formulierung zu den "Clowns", die gewonnen haben, war allzu despektierlich. Später telefonieren die Politiker, und Steinbrück zeigt Verständnis für Napolitano.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat in einem Telefongespräch mit dem italienischen Präsidenten Giorgio Napolitano die Wogen über seine Äußerung zur Italien-Wahl zu glätten versucht. Steinbrück habe mit dem Präsidenten ein "klärendes Gespräch" geführt, sagte sein Sprecher Michael Donnermeyer in Berlin. Dabei sei "alles ausgeräumt" worden. Um eine Entschuldigung seitens des Kanzlerkandidaten habe es sich aber nicht gehandelt, betonte Donnermeyer.

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Napolitano hatte zuvor ein geplantes Abendessen aus Verärgerung über Steinbrücks Äußerung abgesagt. Der SPD-Politiker hatte am Vorabend mit Blick auf den Ausgang der Wahlen in Italien gesagt: "Ich bin geradezu entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben." Einer davon sei der Komiker Beppe Grillo, "ein beruflich tätiger Clown, der auch nichts dagegen hat, wenn man ihn so nennt". Der andere sei Berlusconi, "ein Clown mit einem besonderen Testosteronschub". Damit hatte Steinbrück auf Berlusconis Sex-Affären angespielt.

Bei n-tv verteidigte Steinbrück seine Äußerungen: "Ich habe diese Aussage im Rahmen einer Veranstaltung gemacht, bei der es etwas launiger und unterhaltender zuging." Von den beiden angesprochenen bezeichne sich ja einer selbst als Komiker. Steinbrück betonte, er habe nicht den Eindruck, sich vergaloppiert zu haben. Allerdings zeigt Steinbrück auch Verständnis für Napolitanos Absage. "Ich habe das zur Kenntnis genommen und kann das aus der Sicht des italienischen Staatspräsidenten verstehen, der aus seiner neutralen und für Italien verantwortungsvollen Position sagt, das ist eine Voraussetzung, wo ich nicht den Eindruck vermitteln will, dass ich mir das zu eigen mache."

Einschätzung nach der Wahl

Er teile nicht die Einschätzung, dass der Wählerzulauf für Grillo und Berlusconi auf Protest gegen den Sparkurs der Regierung in der Euro-Krise zurückgehen könnte, hatte Steinbrück bei der Diskussionsveranstaltung über den Ausgang der Parlamentswahlen in Italien auch gesagt. "Mein Eindruck ist, dass in Italien zwei Populisten gewonnen haben", sagte Steinbrück. In dieser Lage werde das wieder zu größeren Problemen in der Euro-Zone beitragen.

Auch wenn die Linke um Pier Luigi Bersani die Abgeordnetenhauswahl gewonnen hatte, schnitten Berlusconi und Grillo überraschend stark ab. Im Senat konnte keiner der politischen Blöcke eine klare Mehrheit gewinnen.

Für Steinbrück ist die Erfahrung negativer Reaktionen im Ausland nicht neu. Im Steuerstreit mit der Schweiz drohte er den Nachbarn 2009 - damals noch im Amt des Bundesfinanzministers - mit der Kavallerie.

Quelle: n-tv.de

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