Politik
Peer Steinbrück hofft auf ein eindeutiges Ergebnis.
Peer Steinbrück hofft auf ein eindeutiges Ergebnis.(Foto: dpa)
Sonntag, 09. Dezember 2012

Krönungsmesse oder Desaster bei der SPD: Steinbrücks wichtigster Tag

Von Christian Rothenberg, Hannover

Schlechte Umfragewerte, ein holpriger Wahlkampfstart: Auf dem Parteitag in Hannover machen sich die Sozialdemokraten Mut für die Bundestagswahl. Wichtig ist an diesem Tag aber nur eins: ein gutes Ergebnis für Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Eine weitere Wunde wäre Gift für die Genossen.

Normalerweise jongliert er spielend mit ihnen. Zahlen liegen dem Ökonom Peer Steinbrück, darin ist er den meisten überlegen. Doch an diesem 9. Dezember in Hannover ist alles ein bisschen anders als sonst. Diesmal liegt die Kontrolle über die Mathematik ausnahmsweise nicht bei ihm, sondern bei den anderen. An diesem Sonntag wählen die 600 Delegierten den Kanzlerkandidaten der SPD. "Ich wünsche mir kubanische Verhältnisse", sagte Steinbrück vor Beginn des Parteitags. Das gelte aber nicht für das Ergebnis. Er halte es wie Fidel Castro. "Machen Sie sich auf eine 160-minütige Rede gefasst." Angespannt sei er übrigens nicht, er fühle sich "getragen von der Partei", bekennt der designierte Kanzlerkandidat.

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Doch auch wenn er es selbst nicht zugeben mag: Die Anspannung ist groß. Denn mit der Abstimmung über ihren Kanzlerkandidaten (live im n-tv Spezialstream) wollen die Genossen einen Strich ziehen unter die vergangenen Wochen. Unter die hartnäckige Debatte um Steinbrücks Nebeneinkünfte. Unter seine mit bis zu 25.000 Euro bezahlten Vorträge. Der 65-Jährige kann noch so oft beteuern, dass er nichts Verbotenes getan hat: Geholfen hat ihm das nicht.

Knackpunkt 90 Prozent

Auf dem Bundesparteitag in Hannover zählt nur das Ergebnis. Dass die Sozialdemokraten Steinbrück mit Mehrheit wählen, wird nicht bezweifelt. Einen Konkurrenten gibt es schließlich nicht. Die Frage ist lediglich: Wie viel Prozent kann der frühere Finanzminister am Ende für sich verbuchen? Gerhard Schröder holte 1998 mit 93 Prozent das bisher schlechteste Ergebnis eines SPD-Kanzlerkandidaten. Frank-Walter Steinmeier kam 2009 auf 95 Prozent. Viel schlechter darf Steinbrück nicht abschneiden. Erhält er weniger als 90 Prozent, sind die nächsten Debatten ausgemacht. Eine Partei, die nicht komplett hinter ihrem Kanzlerkandidaten steht? Einen solchen Rückschlag können sich weder Steinbrück noch die SPD leisten.

Steinbrück hat also einen wichtigen Tag vor sich. Er selbst nennt den Tag sogar den wichtigsten, nicht nur seines politischen Lebens. In den eineinhalb Stunden setzt er vor allem auf das Thema Soziale Gerechtigkeit. Die Gesellschaft zusammenhalten, mehr Wir, weniger Ich – damit will er sich von Angela Merkel abgrenzen. Politik ohne Kompass, schnöder Individualismus, wie er ihn der Kanzlerin vorwirft: nicht mit Steinbrück.

Die Kritiker in der Partei hören genau hin, wie er seinen holprigen Start erklärt. Wichtig ist am Ende aber vor allem eins: Kann Steinbrück die Partei versöhnen, ihr Mut machen für die Bundestagswahl 2013?

Altkanzler im Saal

Je nach Tagesform könnte auch noch Helmut Schmidt vor die Genossen treten. Eines hat sich auch 30 Jahre nach dem Ende seiner Kanzlerschaft nicht verändert: Die Worte Schmidts, der als großer Unterstützer Steinbrücks gilt, haben bei den Sozialdemokraten noch immer ein ganz besonderes Gewicht.

Quelle: n-tv.de

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