Politik
Peter Steudtner ist bereits einen Tag nach seiner Freilassung zurück in seiner Heimat Berlin.
Peter Steudtner ist bereits einen Tag nach seiner Freilassung zurück in seiner Heimat Berlin.(Foto: dpa)
Donnerstag, 26. Oktober 2017

Freilassung in der Türkei: Steudtner ist zurück in Deutschland

Die Erleichterung ist riesig: Der Menschenrechtler Peter Steudtner ist nach dreimonatiger Untersuchungshaft in der Türkei zurück in Berlin. Am Abend landet er mit einem schwedischen Kollegen am Flughafen Berlin-Tegel.

Der deutsche Menschenrechtler Peter Steudtner ist nach Berlin zurückgekehrt. Steudtner und sein mit ihm inhaftierter schwedischer Kollege Ali Gharavi trafen am Abend aus Istanbul kommend in Berlin ein, wie die Deutsche Presse-Agentur aus zuverlässiger Quelle erfuhr.

Berlins Regierungschef Michael Müller teilte mit, Steudtner wolle in der Stadt ohne "Teilnahme von Politik und Öffentlichkeit" ankommen. Auf Wunsch der Familie solle der 45-Jährige im privaten Rahmen wieder deutschen Boden betreten. "Der Albtraum hat ein Ende", sagte der SPD-Politiker. In der Berliner Kirchengemeinde von Steudtner hieß es: "Wir haben ein unglaubliches Gefühl der Erleichterung."

Schröder verhandelte Freilassung

Viele Fotografen warteten am Flughafen Tegel auf die Ankunft Steudtners.
Viele Fotografen warteten am Flughafen Tegel auf die Ankunft Steudtners.(Foto: dpa)

Steudtner saß mehr als drei Monate wegen Terrorvorwürfen in der Türkei in Untersuchungshaft. Zum Auftakt seines Prozess hatte ein Istanbuler Gericht in der Nacht zu Donnerstag überraschend die Freilassung von ihm, Gharavi und sechs mitangeklagten türkischen Menschenrechtlern angeordnet. Anschließend wurde bekannt, dass Altkanzler Gerhard Schröder bei der Freilassung Steudtners aus der türkischen Untersuchungshaft eine zentrale Rolle gespielt hat. Ein Geheimtreffen des SPD-Politikers mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan im September soll einen Durchbruch gebracht haben.

Die Idee für die Vermittlungsmission hatte Außenminister Sigmar Gabriel, von Kanzlerin Angela Merkel wurde sie mitgetragen. "Ich bin Gerhard Schröder sehr dankbar für seine Vermittlung", sagte Gabriel "Spiegel Online". "Es ist ein erstes Zeichen der Entspannung, denn die türkische Regierung hat alle Zusagen eingehalten. Nun müssen wir weiter an der Freilassung der anderen Inhaftierten arbeiten."

Urteil wird in Deutschland keine Auswirkungen haben

Steudtner war nach der Aufhebung der Untersuchungshaft aus dem Hochsicherheitsgefängnis in Silivri westlich von Istanbul entlassen worden. Unmittelbar danach sagte der 45-Jährige vor Journalisten: "Wir sind allen sehr dankbar, die uns rechtlich, diplomatisch und mit Solidarität unterstützt haben."

Steudtner, Gharavi und neun türkischen Menschenrechtlern wird von der Staatsanwaltschaft "Mitgliedschaft in einer bewaffneten Terrororganisation" beziehungsweise "Unterstützung von bewaffneten Terrororganisationen" vorgeworfen, worauf bis zu 15 Jahre Haft stehen. Das Verfahren wird am 22. November fortgesetzt. Nach der Ausreise wird ein Urteil für Steudtner keine Auswirkungen haben - solange er in Deutschland bleibt.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen