Politik

"Möchtegern-James-Bond": Strasser muss ins Gefängnis

An Fantasie mangelt es dem ehemaligen EU-Abgeordneten Strasser nicht, aber dafür an Glaubwürdigkeit. Der Österreicher tischt dem Landgericht in Wien eine abenteuerlich klingende Geschichte auf. Geholfen hat es nicht.

Ein Video brachte Strasser einst in Bedrängnis.
Ein Video brachte Strasser einst in Bedrängnis.(Foto: AP)

Die Bestechungsaffäre um den ehemaligen EU-Abgeordneten Ernst Strasser wühlte selbst die an Korruptionsskandale gewöhnten Österreicher auf. Der ehemalige Innenminister versprach zwei Scheinlobbyisten, er könne die EU-Gesetzgebung beeinflussen - für ein Honorar von 100.000 Euro pro Jahr. Pech für Strasser: Er wurde dabei heimlich gefilmt. Als das Video vor zwei Jahren die Runde machte, war es mit der Karriere des ehemaligen Spitzenpolitikers vorbei. Am Montag wurde der 56-Jährige in Wien wegen Bestechlichkeit zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Sein Anwalt legte umgehend Berufung ein.

Der konservative Ex-Politiker der ÖVP wirkte gefasst bei der Urteilsverkündung. Mit verschränkten Armen und versteinerter Miene hörte er den Ausführungen des Richters zu. Auf ein Schlusswort verzichtete er. Für das Gericht stehe "ohne Zweifel fest", dass Strasser bestechlich gewesen sei - auch wenn der studierte Jurist vor Gericht stets seine Unschuld beteuerte und letztendlich kein Geld zwischen den vermeintlichen Lobbyisten und Strasser floss.

Strasser tischte dem Gericht eine Art schlechten Agenten-Thriller auf. Demnach habe er geglaubt, dass es sich bei den getarnten Lobbyisten um amerikanische Geheimdienst-Agenten gehandelt habe. Er habe nur mitgespielt, um die beiden auffliegen zu lassen, ihre Hintermänner auszuforschen und sie anzuzeigen. Dazu sei es aber aus "terminlichen Gründen" nicht gekommen. Für Richter Georg Olschak gehört Strassers Version "wohl zum Abenteuerlichsten, was mir in meiner 20-jährigen Erfahrung untergekommen ist".

"Noch nie erlebt"

"Als Aufdecker von vermeintlichen Geheimagenten agierte Ernst Strasser ziemlich patschert (Anm.: ungeschickt)", urteilte auch die Wiener Tageszeitung "Kurier" und bezeichnete Strasser als "Möchtegern-James-Bond". "Ich bin der Leidtragende. Man wollte mich bestechen und ist auf Granit gebissen", sagte Strasser in einem ORF-Interview zu seiner Verteidigung. Doch auch seine eigenen Parteikollegen wandten sich nach der Veröffentlichung der Videos schnell vom ehemals großen Mann der ÖVP ab.

Im März 2011 musste Strasser auf Druck seines Parteichefs den Hut nehmen und zurücktreten. "Ich habe noch nie von einem Abgeordneten direkt eine solche Einflussnahme und Kontaktaufnahme erlebt", sagte sein ehemaliger Fraktionskollegen in Brüssel, Othmar Karas, vor Gericht. Strasser sah sich hingegen als Opfer einer "Kampagne" seines Ex-Kollegen.

Die harte Strafe von vier Jahren Haft begründete Richter Olschak auch mit einer Signalwirkung: "Es muss einen Unterschied machen, ob ein kleiner Gemeinderat eines Kuhdorfs sich für eine Baubewilligung, die vielleicht fünf Personen betrifft, bestechen lässt oder ein Mitglied des Europäischen Parlaments "Cash for Law" nimmt." Mögliche Nachahmungstäter in der Alpenrepublik sollten vom Urteil abgeschreckt werden: "Und davon gibt es wohl einige", spielte Olschak auf zahlreiche anhängige Strafverfahren gegen ehemalige und noch aktive Politiker des Landes an.

Quelle: n-tv.de

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