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In Städten wie in Köln gilt rund ein Viertel der Bevölkerung als "kaufkraftarm".
In Städten wie in Köln gilt rund ein Viertel der Bevölkerung als "kaufkraftarm".(Foto: picture-alliance/ dpa)

Schöner leben im Osten: Studie bewertet Armut neu

Wie arm sind die Deutschen? Dieser Frage geht das Institut der deutschen Wirtschaft Köln nach - und kommt zum Teil zu erstaunlichen Ergebnissen.

In der Armutsdebatte sollten nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) die unterschiedlichen Preise in den Regionen berücksichtigt werden. Die Einkommen seien in Ostdeutschland zwar niedriger, gleichzeitig könnten sich die Bewohner dort für ihr Geld aber mehr leisten als in Westdeutschland, hieß es in der Studie "Regionaler Armutsvergleich" des arbeitgebernahen Instituts.

Bei der alleinigen Betrachtung des Einkommens zeige sich ein starkes Gefälle zwischen West und Ost. Würden jedoch die Preisunterschiede zwischen Großstädten und ländlichen Gebieten sowie zwischen Ost- und Westdeutschland hinzugezogen, lägen die Armutsquoten "gar nicht so weit auseinander", erklärten die Wirtschaftswissenschaftler Christoph Schröder und Klaus-Heiner Röhl bei der Vorstellung der Studie in Berlin.

In Deutschland gelten Einzelpersonen oder Haushalte als arm, wenn ihr Einkommen höchstens 60 Prozent des mittleren Einkommens erreicht. Dabei würden jedoch nicht die unterschiedlichen Preise in den einzelnen Regionen berücksichtigt, kritisierten die Ökonomen. So benötige ein Single in München 1030 Euro, um sich genauso viel leisten zu können wie ein durchschnittlicher Bürger Deutschlands mit 870 Euro im Monat. Bei 870 Euro liegt die Schwelle für relative Einkommensarmut. Bei einer vierköpfigen Familie sind es 2058 Euro.

Werde das regionale Preisniveau bei der Analyse der Einkommensarmut mit berücksichtigt, lägen Ost und West real weniger weit auseinander als nominal. So weise Thüringen die drittniedrigste Quote aller Bundesländer auf. Brandenburg, das kaufkraftstärkste der neuen Bundesländer, könne sogar fast mit Hamburg gleichziehen, erklärte IW-Direktor Michael Hüther.

Der Westen verarmt

Gleichzeitig sei das Stadt-Land-Gefälle stärker als vermutet. In ländlichen Regionen seien im Schnitt nur knapp 14 Prozent der Bevölkerung "kaufkraftarm", in den Städten hingegen 22 Prozent.

Besonders schlecht schneidet der Studie zufolge Köln ab, wo 26 Prozent als "kaufkraftarm" gelten - dicht gefolgt von Dortmund und dem Westteil Berlins. Auch in Städten wie Bremerhaven und Duisburg gebe es fast ein Viertel "Kaufkraftarme".

Der Kreis der Betroffenen ist der Studie zufolge in allen Regionen gleich. So gelten knapp die Hälfte der Menschen, in deren Haushalt mindestens ein Arbeitsloser lebt, knapp ein Drittel der Alleinerziehenden und rund ein Viertel der Alleinstehenden sowie der Menschen mit Migrationshintergrund als "kaufkraftarm".

Quelle: n-tv.de

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