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Straßenszene in Aleppo: Ein Leben in den Trümmern ist für viele Menschen nahezu unmöglich.
Straßenszene in Aleppo: Ein Leben in den Trümmern ist für viele Menschen nahezu unmöglich.(Foto: REUTERS)

Jeder Neunte tot oder verletzt: Studie offenbart Ausmaß des Syrienkriegs

Die Auswirkungen der Syrienkriegs erreichen seit einigen Monaten auch Deutschland: Hunderttausende Flüchtlinge suchen hier Schutz. Ein syrisches Think Tank liefert nun Daten über das Grauen, vor dem die Menschen fliehen.

Der Krieg in Syrien hat einer Studie des Syrian Centre for Policy Research (SCPR) zufolge bislang nahezu eine halbe Million Todesopfer gefordert. Nach der Erhebung mit dem Titel "Confronting Fragmentation" haben in dem Konflikt insgesamt 470.000 Menschen ihr Leben verloren. Die Uno hat in ihrer eigenen und bisher am häufigsten zitierten Auswertung von Statistiken vor 18 Monaten bei 250.000 Toten aufgehört zu zählen.

Jugendlicher Straßenhändler in Damaskus
Jugendlicher Straßenhändler in Damaskus(Foto: REUTERS)

Von den 470.000 Toten sind laut SCPR 400.000 direkt durch Kampfhandlungen gestorben. 70.000 fielen zudem den schlechten medizinischen, sanitären und humanitären Bedingungen zum Opfer: In vielen Städten fehlt es an Nahrung, sauberem Trinkwasser, Medikamenten sowie adäquatem Wohnraum.

SCPR hat zudem errechnet, dass insgesamt 11,5 Prozent der Bevölkerung des Landes in dem Krieg seit März 2011 entweder getötet oder verletzt worden sind. Neben den 470.000 Todesopfern erlitten 1,88 Millionen Menschen Verletzungen. Die Lebenserwartung für Syrer ist von 70 Jahren auf 55,4 Jahre im vergangenen Jahr gefallen. Die Sterberate ist von 4,4 pro Tausend Einwohner im Jahr 2010 auf 10,9 gestiegen.

85 Prozent der Syrer leben in Armut

Die Uno hat Mitte 2014 mit der Zählung aufgehört. Als Grund nannte die Organisation die mangelnde Verfügbarkeit vertrauenswürdiger Daten. Der Autor der SCPR-Studie, Rabie Nasser, sagte dem "Guardian": "Wir bedienen uns präziser Methoden und sind uns über die Zahlen sehr sicher." Er bezeichnete die von den UN seit 2014 genutzten getroffenen Angaben als "unterschätzt".

Der entstandene wirtschaftliche Schaden ist laut SCPR immens: Er liegt demnach bei 255 Milliarden Dollar. Die Preise sind alleine im vergangenen Jahr um 53 Prozent gestiegen. 13,8 Millionen Syrer haben ihre Einnahmequelle - ihren Job oder ihr Geschäft - verloren. Die Armutsrate ist 2015 auf über 85 Prozent gestiegen.

Folge der katastrophalen Zustände sei eine Massenflucht. 45 Prozent der Bevölkerung sind aus ihren Heimatorten vertrieben worden; 6,36 Millionen sind Binnenflüchtlinge, 4 Millionen sind ins Ausland geflohen, viele davon sind nach Europa gereist oder leben in Lagern in der Türkei, dem Libanon oder Jordanien.

Über Das SCPR ist ein syrisches Think Tank, dass auch in der vorliegenden Studie um Neutralität bemüht ist. Klare Schuldzuweisungen werden unterlassen. Die Studie ist mit Unterstützung des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen entstanden.

Quelle: n-tv.de

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