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Ein Junge spielt in einer Gasse der von Rebellen besetzten Stadt Latakia.
Ein Junge spielt in einer Gasse der von Rebellen besetzten Stadt Latakia.(Foto: dpa)

Kaum Verstöße gegen Feuerpause: Syrer atmen durch

Trotz weniger Ausnahmen bleibt es in weiten Teilen Syrien ruhig. Normalität will dennoch nur langsam einkehren. Viele Syrer misstrauen dem Frieden. Papst Franziskus hofft indes auf einen nachhaltigen Schritt zu einer endgültigen Lösung.

Trotz vereinzelter Angriffe und Gefechte hat die Waffenruhe in Syrien am Wochenende weitgehend gehalten. Russland meldete neun Verstöße in den vergangenen 24 Stunden, die Opposition sprach von 15 Verletzungen der Feuerpause, die in der Nacht zu Samstag in Kraft getreten war. Einwohner umkämpfter Städte wie Aleppo zeigten sich erleichtert angesichts der ungewohnten Ruhe.

"Es ist etwas Seltsames an dieser Ruhe. Wir waren gewohnt, zum Lärm der Luftangriffe und der Artillerie einzuschlafen und damit aufzuwachen", sagte der 45-jährige Bäcker Abu Omar in einem von den Rebellen gehaltenen Viertel des einstigen Wirtschaftszentrums Aleppo. "Ich bin glücklich, aber traurig für die Regionen, die nicht von der Waffenruhe betroffen sind und deren Einwohner weiter leiden."

Die Feuerpause, die von den USA und Russland vermittelt worden war, gilt nur für die Regierungstruppen und knapp hundert gemäßigte und islamistische Rebellengruppen, nicht aber für die Dschihadistengruppen Islamischer Staat (IS) und Al-Nusra-Front. Diese Milizen kontrollieren zusammen allerdings mehr als die Hälfte des Staatsgebiets, wobei nicht immer eindeutig ist, welcher Ort in der Hand welcher Gruppe ist.

Neun Verletzungen der Waffenruhe in 24 Stunden

Die Menschen trauen sich wieder vermehrt auf die Straße - wie hier in Damaskus.
Die Menschen trauen sich wieder vermehrt auf die Straße - wie hier in Damaskus.(Foto: dpa)

Das russische Zentrum für die Versöhnung der Konfliktparteien, das die Einhaltung der Feuerpause überwacht, erklärte, die Waffenruhe sei in den vergangenen 24 Stunden neun Mal verletzt worden. Russland, das seit Ende September Angriffe zur Unterstützung der syrischen Regierung fliegt, hatte am Samstag verkündet, alle Luftangriffe für einen Tag auszusetzen, um die Waffenruhe zu unterstützen.

Das russische Zentrum kritisierte, dass eine Gruppe von hundert Kämpfern aus der Türkei nach Syrien eingedrungen sei und die Stadt Tal Abjad angegriffen habe. Auch sei aus der Türkei auf die grenznahe Stadt gefeuert worden. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte zuvor erklärt, Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte hätten einen IS-Angriff auf Tal Abjad zurückgeschlagen.

Laut nur schwer überprüfbarer Informationen der oppositionsnahen Organisation vertrieben die Syrischen Demokratischen Kräfte, die aus arabischen und kurdischen Milizen bestehen, die Dschihadisten mit Hilfe von Kampfflugzeugen der US-geführten Militärkoalition. Dabei seien mindestens 70 Dschihadisten und mehr als 20 kurdische Kämpfer getötet worden.

"Der erste Schritt in die richtige Richtung"

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Das Hohe Verhandlungskomitee, in dem syrische Oppositions- und Rebellengruppen zusammengeschlossen sind, erklärte seinerseits, die Regierungstruppen und ihre Verbündeten hätten die Waffenruhe am Samstag 15 Mal verletzt. Der Sprecher Salem al-Meslet sagte, das Bündnis werde einen Beschwerdebrief an die Vereinten Nationen und die internationale Syrien-Unterstützergruppe schreiben.

Er versicherte, keine der beteiligten Rebellengruppen habe auf die Angriffe reagiert. Die Haltung sei, sich an die Waffenruhe zu halten, sagte al-Meslet. Diese sei "der erste Schritt in die richtige Richtung". Insgesamt 97 Rebellengruppen beteiligen sich an der auf zunächst zwei Wochen angelegten Waffenruhe. Sie soll der Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen am 7. März den Boden bereiten.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, syrische oder russische Kampfflugzeuge hätten mehrere Ortschaften in den Provinzen Hama und Aleppo bombardiert. Ihren Angaben zufolge ist nur eines der bombardierten Dörfer in der Hand der Al-Nusra-Front, doch befänden sich deren Kämpfer im Umfeld der anderen Ortschaften.

Papst hofft auf endgültige Beendigung der Kämpfe

Saudi-Arabiens Außenminister Adel al-Dschubeir warf der russischen Luftwaffe und den syrischen Regierungstruppen eine Verletzung der Waffenruhe vor. Laut al-Dschubeir greift Russland die "moderate Opposition" unter dem Vorwand an, dass es sich um die Al-Nusra-Front oder den IS handele.

Papst Franziskus äußerte "seine Hoffnung", dass die Waffenruhe zur Beendigung der Kämpfe führen möge. In Rom rief der Papst zum Gebet für die "leidende Bevölkerung" sowie für "Dialog und den so sehr ersehnten Frieden" auf.

Quelle: n-tv.de

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