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Berlin sieht "Grexit" gelassen: Syriza-Chef Tsipras rudert zurück

Der Kursschwenk der Bundesregierung ist der vorläufige Höhepunkt in Sachen Euro-Austritt Griechenlands. Doch Finanzminister Schäuble erwägt offenbar nicht das erste Mal einen "Grexit". Und Linkspopulist Tsipras schlägt mittlerweile ohnehin leisere Töne an.

Die Stimmen zu einem möglichen Euro-Austritt Griechenlands werden vor den anstehenden Neuwahlen in Athen deutlich lauter. Die überraschende Abkehr Berlins vom bisherigen Kurs im Euro-Krisen-Management reiht sich da nahtlos ein. Vielleicht ist sie als Warnung an die griechischen Wähler gedacht. Wie dem auch sei, offenbar werden die Stimmen in Athen gehört. Denn Syriza-Parteichef Alexis Tsipras schlägt nach einer harten Linie in den vergangenen Monaten mittlerweile einen gemäßigteren Ton an. Unter anderem heißt es jetzt, Griechenland werde die Eurozone nicht verlassen.

Syriza-Parteichef Alexis Tsipras schlägt leisere Töne an.
Syriza-Parteichef Alexis Tsipras schlägt leisere Töne an.(Foto: picture alliance / dpa)

Die radikallinke Syriza hat in den vergangenen Wochen bei den Griechen nachdrücklich damit um Stimmen geworben, im Falle eines Wahlsiegs die Vereinbarungen mit den internationalen Geldgebern ändern und den Sparkurs des Euro-Krisenlandes lockern zu wollen. Zudem hat die Partei einen weiteren Schuldenschnitt ins Gespräch gebracht.

Die Bundesregierung, die selbst in den schwersten Zeiten der Eurokrise für einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone gekämpft hatte, vollzog daraufhin offenbar einen Kurswechsel. Laut "Spiegel" ist Berlin nun bereit, Griechenland entgegen der bisherigen Linie aus der Eurozone ausscheiden zu lassen. Der sogenannte "Grexit" des schuldengeplagten Staates sei mittlerweile verkraftbar, schreibt das Magazin unter Berufung auf Regierungskreise.

Ansteckungsgefahr begrenzt

Sollte die reformkritische Syriza-Partei nach den Parlamentswahlen am 25. Januar die Regierung übernehmen, den Sparkurs aufgeben und die Schulden des Landes nicht mehr bedienen, wäre ein solcher Schritt nach Auffassung der Bundesregierung sogar nahezu unausweichlich, hieß es demnach weiter.

Die linke Syriza dürfte Umfragen zufolge als stärkste Kraft aus der Abstimmung hervorgehen. Sie liegt rund drei Prozentpunkte vor den regierenden Konservativen von Ministerpräsident Antonis Samaras bei insgesamt 30,4 Prozent.

Grund für den Kursschwenk der Bundesregierung seien die Fortschritte in der Eurozone seit dem Höhepunkt der Schuldenkrise 2012, berichtete der "Spiegel" weiter. Die Ansteckungsgefahr für andere Länder sei mittlerweile begrenzt, Portugal und Irland saniert. Zudem stehe ein schlagkräftiger Rettungsmechanismus zur Verfügung. Die Bundesregierung hat den Bericht bisher nicht kommentiert.

Venizelos: Schäuble schlug "Grexit" vor

Dafür, dass es der Bundesregierung mit dieser neuen Haltung ernst sein könnte, spricht auch, dass Schäuble den Gedanken des Griechen-Austritts schon früher erwogen haben soll. Nach den Worten des griechischen Vize-Regierungschefs Evangelos Venizelos soll Schäuble selbst 2011 den Austritt Griechenlands aus der Eurozone vorgeschlagen haben.

Er habe sich danach aber überzeugen lassen, dass ein Austritt Gefahren für die Eurozone berge, und änderte seine Meinung. Dies sagte Venizelos der Athener Zeitung "Kathimerini". Im Gespräch sei damals ein "freundschaftlicher" Austritt in gegenseitigem Einvernehmen, sagte Venizelos. Die Euro-Partner hätten Athen helfen wollen, sanft den Übergang in die alte Währung, die Drachme, zu schaffen.

Venizelos habe damals zu bedenken gegeben, dass dieser Vorstoß Konsequenzen haben könnte, die nicht "mit bloßem Auge" sichtbar seien. Das lange und dramatische Gespräch habe in der Bar eines Hotels im polnischen Breslau im November 2011 stattgefunden, sagte er weiter. Damals war Venizelos griechischer Finanzminister.

Rehn: EU muss Athen entgegenkommen

Der ehemalige EU-Währungskommissar Olli Rehn sieht derweil einem Wahlsieg der Syriza-Partei Ende des Monats gelassen entgegen. "Es erscheint mir übertrieben, dass einige den Teufel an die Wand malen", sagte er dem "Spiegel". "Jede mögliche Turbulenz, die Griechenland verursachen mag, könnte die Eurozone nicht so erschüttern wie 2010 oder 2012."

Syriza sei eine Kirche mit vielen Strömungen, sagte der Finne, der jetzt Abgeordneter im Europaparlament ist. Deshalb werde es schwierig sein, diese Allianz zusammenzuhalten. Zugeständnisse aus Brüssel seien nötig. Die EU-Partner müssten Griechenland helfen, die griechische Schuldenlast zu reduzieren. Einen Schuldeschnitt hält Rehn für vermeidbar.

Quelle: n-tv.de

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