Politik

Kabul dringt auf Eile: Taliban-Gruppe verweigert Gespräche

Mit dem Frühjahr dürften auch die Kämpfe in Afghanistan wieder zunehmen. Vorher versucht die Regierung noch, mit den Taliban ins Gespräch zu kommen. Die Antwort der größten Gruppe der Aufständischen kommt prompt.

Regierungstruppen in der Provinz Helmand: Die Regierung will noch vor der befürchteten Frühjahrsoffensive mit den Gesprächen beginnen.
Regierungstruppen in der Provinz Helmand: Die Regierung will noch vor der befürchteten Frühjahrsoffensive mit den Gesprächen beginnen.(Foto: AP)

Einen Tag, nachdem Mitglieder der afghanischen und pakistanischen Regierung Friedensgespräche mit den Taliban "innerhalb von vier Tagen" in Aussicht gestellt hatten, lehnt die Hauptgruppe der Aufständischen eine Teilnahme öffentlich ab. In einer E-Mail an Medien erklärte ein Taliban-Sprecher: "Es gibt Gerüchte, dass hochrangige Mitglieder des Islamischen Emirats mit Erlaubnis des ehrenwürdigen Mullah Akhtar Mohammad Mansoor an dem aufkommenden Treffen teilnehmen. Wir weisen diese Gerüchte zurück und sagen explizit, dass der ehrenwürdige Anführer niemanden autorisiert hat, an diesen Gesprächen teilzunehmen, noch hat der Führungsrat eine Entscheidung über die Teilnahme getroffen."

Der Sprecher machte auch klar: Solange die Besatzung nicht ende und die UN-Sanktionen gegen die Taliban nicht aufgehoben seien, werde die "bedeutungslose" Friedensinitiative zu nichts führen. Man habe die Bedingungen für Friedensgespräche klar gemacht. Dazu zählen die Taliban auch die Freilassung von Gefangenen.

Trotz dieser Absage bleibt die afghanische Seite bei ihrem Zeitplan für Gespräche innerhalb von vier Tagen. Sie befürchtet mit dem Frühlingsbeginn ein erneutes Aufflammen der Kämpfe. Der Sprecher von Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah sagte, dass die Taliban "ja nicht eine Einheit seien". Sie seien zersplittert. "Wir werden mit denen sprechen, die bereit zum Frieden sind." Wenn Talibangruppen nicht teilnehmen wollten, werde "anderweitig mit ihnen umgegangen". Die afghanische Regierung sowie die internationalen Alliierten hätten Pläne dafür.

Drohende Frühjahrsoffensive

Das lässt erahnen, dass das im pakistanischen Islamabad oder Murree geplante Treffen sich zunächst auf Gespräche mit abgesplitterten Gruppen der Taliban sowie anderen Aufständischen wie möglicherweise den Extremisten von Hisb-e Islami beschränken könnte. Die neue Friedensallianz für Afghanistan arbeitet angesichts der wachsenden Gewalt im Land seit Dezember an dem Friedensfahrplan. Beim jüngsten Treffen im Februar hatten sie Gespräche für Anfang März angesetzt.

Beobachter hatten bezweifelt, dass es trotz starken pakistanischen Drucks soweit kommen würde. Die afghanische Regierung beharrte aber angesichts der drohenden Frühjahrsoffensive der Taliban auf einem engen Zeitplan. Sie hofft auf eine Verminderung der Gewalt. Die Taliban bringen die Streitkräfte an vielen Fronten in schwere Bedrängnis. 2015 wurden bei Gefechten mit Taliban oder durch deren Anschläge mehr als 11.000 Zivilisten und mehr als 12.000 Soldaten und Polizisten getötet oder verletzt.

Quelle: n-tv.de

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