Politik
Herbert Grönemeyer trat als letzter auf. Vor ihm sangen unter anderem Silly, Bap, Adel Tawil und Sarah Connor beim Konzert in Dresden.
Herbert Grönemeyer trat als letzter auf. Vor ihm sangen unter anderem Silly, Bap, Adel Tawil und Sarah Connor beim Konzert in Dresden.(Foto: dpa)

Bei strömendem Regen in Dresden: Tausende besuchen Toleranz-Konzert

Tausende Menschen trotzen in Sachsens Landeshauptstadt Kälte und Regen beim Konzert für Toleranz an der Frauenkirche. Herbert Grönemeyer äußert leises Verständnis für die Politikverdrossenheit von Pegida-Anhängern.

Gut 20.000 Menschen haben das Dresdner Konzert vor der Frauenkirche besucht. Unter dem Motto "offen und bunt" sollte ein anderes Bild von der Pegida-Hochburg nach außen getragen werden. "Wir wollen zeigen, dass Dresden weltoffen, tolerant und bunt ist, und haben uns bemüht, dass es warm wird, vor allem ums Herz", sagte Gerhard Ehninger vom Verein "Dresden - Place to be", der das Konzert organisiert hatte. Die Polizei sprach von 22.000 Besuchern, der Veranstalter von 25.000.

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Einen Tag nach der letzten Pegida-Kundgebung traten auf dem Neumarkt unter anderem Herbert Grönemeyer, Silly, Keimzeit und Christian Friedel mit Woods of Birnam auf. Vereinzelt wurden in der Menge Deutschlandfahnen gesichtet - auch die Pegida hat ihre Anhänger zum Konzertbesuch ermuntert. "Diese Chance sollte man sich nicht entgehen lassen", hieß es in einer Mitteilung. Ihre üblicherweise montags stattfindende Demonstration hatte die Bewegung "Patriotische Europäer gegen eine Islamisierung des Abendlands" wegen des Konzerts einen Tag vorverlegt.

Herbert Grönemeyer, der als Hauptact bei strömendem Regen erst gegen 21.30 Uhr die Bühne betrat, äußerte vor dem Konzert mit Blick auf die Pegida-Bewegung Verständnis für Politikverdrossenheit. Der Sänger warnte aber zugleich davor, den Islam zum Feindbild zu erklären. "Ich kann verstehen, dass Menschen sich in der heutigen Zeit zum Teil von der Politik nur noch verwaltet fühlen, und auch die Art der Ansprache, den ganzen Politikstil sehr merkwürdig finden", sagte er kurz vor dem sogenannten Konzert für Toleranz und Weltoffenheit. "Wofür ich überhaupt nicht zu haben bin, ist, dass man sich als Zielscheibe und Projektion für diese Ängste, die man auch hat, plötzlich wieder eine Religion aussucht. Das hatten wir schon mal", warnte der 58-Jährige. "Das geht gar nicht. Das ist auch völlig undemokratisch."

Vielen Pegida-Anhängern sei offenbar nicht bewusst, was sie mit dem Wort Islamisierung sagten. "Die Gefahr einer Islamisierung ist in Deutschland genauso groß, als wenn uns ein Meteorit auf den Kopf fällt. Menschen islamischen Glaubens leben hier seit über 50 Jahren. Sie haben das Land mitgeprägt", sagte Grönemeyer.

In anderen Städten sahen sich Pegida-Anhänger mit größeren Gegenkundgebungen konfrontiert. In Frankfurt (Main) haben etwa 3000 Demonstranten einen Pegida-Schweigemarsch mit rund 70 Teilnehmern verhindert. In Berlin, Hannover und Braunschweig verhinderte die Polizei ein Aufeinandertreffen der Lager. Auch hier waren die Pegida-Gegner deutlich in der Überzahl. In Bremen versammelten sich 7000 Menschen, um Zeichen für eine bunte und tolerante Stadt zu setzen, in Karlsruhe demonstrierten rund 1000 Menschen für Weltoffenheit und Toleranz.

Quelle: n-tv.de

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