Politik
Bislang wurden 200 Menschen bei den Auseinandersetzungen verletzt.
Bislang wurden 200 Menschen bei den Auseinandersetzungen verletzt.(Foto: AP)

Tahrir-Platz füllt sich: Tausende gegen Mursi

Es wird wieder brisant auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Tausende versammeln sich, um gegen Präsident Mursi zu demonstrieren. Bisher hält dieser jedoch allen Protesten stand - teilweise mit Gewalt. Doch die Bewegung gegen ihn und seine Beschlüsse wächst.

Wieder steht der Tahrir-Platz im Zentrum des Geschehens.
Wieder steht der Tahrir-Platz im Zentrum des Geschehens.(Foto: REUTERS)

In Ägypten haben die Gegner des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi auch nach Zugeständnissen im Streit um dessen Machtfülle ihre Proteste fortgesetzt. Am Vormittag versammelten sich hunderte Demonstranten auf dem zentralen Tahrir-Platz, wo Gegner Mursis bereits die ganze Nacht über ausgeharrt hatten. Am Nachmittag gab es einen großen Zustrom weiterer Demonstranten zu der Kundgebung, zu der liberale, linke und sozialistische Gruppen aufgerufen hatten. Sie werfen Mursi diktatorisches Verhalten vor. Auslöser der Proteste war ein Dekret Mursis, in dem dieser unter anderem sich selbst Immunität verliehen hat. Nach ersten Protesten hatte ein Sprecher Mursis erklärt, die Immunität bezöge sich nur auf Fragen der Souveränität des Präsidentenamtes.

Die Proteste gingen damit in den fünften Tag in Folge. An der Resonanz wird sich ablesen lassen, wie groß die Unterstützung der Mursi-Gegner ist. Eine erste direkte Machtprobe zwischen beiden Lagern konnte vermieden werden. Die Moslembruderschaft und andere streng religiös ausgerichteten Gruppen sagten Demonstrationen zur Unterstützung Mursis ab.

Der Tahrir-Platz in der Kairoer Innenstadt ist von hoher symbolischer Bedeutung. Hier nahmen die Proteste ihren Anfang, die zum Sturz des autokratisch regierenden früheren Präsidenten Husni Mubarak und zur Wahl des Moslembruders Mursi zu seinem Nachfolger geführt hatten.

Eine von den Moslembrüdern und anderen orthodox islamisch ausgerichteten Gruppen dominierte verfassungsgebende Versammlung soll nun die Grundlagen des neuen ägyptischen Staatswesens ausarbeiten. Weltlich ausgerichtete Ägypter fürchten, dass die Weichen für einen islamistischen Staat gestellt werden könnten und sehen in dem Vorgehen Mursis erste Belege dafür.

"Wir wollen nicht wieder eine Diktatur haben. Das Mubarak-Regime war eine Diktatur. Wir habe die Revolution für Gerechtigkeit und Freiheit gemacht", sagte der 32 Jahre alte Ahmed Husseini auf dem Platz. Seit Freitag übernachten Gegner auf dem Rondell und blockieren den Verkehr. Seitdem ist es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen. Die Opponenten wollen erst abziehen, wenn Mursi die Dekrete zu seiner Machtausdehnung zurückgenommen hat.

Die Proteste halten schon den fünften Tag in Folge an.
Die Proteste halten schon den fünften Tag in Folge an.(Foto: AP)

Mursi hatte in der vergangenen Woche unter anderem per Dekret den Weg dafür geebnet, dass Prozesse gegen den bereits verurteilten Mubarak und dessen Getreue wieder aufgerollt werden können. Er hatte zudem seine Anordnungen bis zur nächsten Parlamentswahl vor Gericht unanfechtbar gemacht und der von Islamisten dominierten verfassungsgebenden Versammlung juristische Immunität verliehen.

Quelle: n-tv.de

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