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Die Polizei ist in Dänemark im Großeinsatz.
Die Polizei ist in Dänemark im Großeinsatz.(Foto: dpa)

Polizei erschießt Verdächtigen: Terror erreicht Kopenhagen

Ausnahmezustand in Dänemark: Bei zwei Anschlägen in Kopenhagen werden zwei Menschen getötet und fünf weitere verletzt. Beim ersten Attentat ist eine Konferenz zu Meinungsfreiheit das Ziel, einige Stunden später eine Synagoge. Bei der sich anschließenden Großfahndung erschießt die Polizei einen Mann.

Mehrere Anschläge haben Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen erschüttert und zwei Menschen das Leben gekostet. Bei einer Großfahndung erschoss daraufhin die Polizei einen Verdächtigen.Dieser habe zuerst auf Beamte geschossen und sei dann von Polizisten getötet worden, teilte die dänische Polizei mit. Die Polizei prüft nun, ob der Getötete für die Angriffe auf das Kulturzentrum Krudttönden und die Synagoge in der Krystalgade verantwortlich ist.

Nach Polizeiangaben überwachten Beamte eine Adresse im Stadtteil Nörrebro in der Innenstadt von Kopenhagen. "Eine Person, die im Zusammenhang mit den Ermittlungen von Interesse sein könnte", sei dort eingetroffen. Als die Polizeibeamten den Mann angesprochen hätten, habe er sofort das Feuer auf die Polizisten eröffnet. Daraufhin sei er erschossen worden.

Die dänische Polizei ist im Großeinsatz, nachdem zuvor zwei Anschläge Kopenhagen erschütterten. Nach dem Anschlag auf eine Diskussionsveranstaltung über Meinungsfreiheit und Islam in Kopenhagen am Samstagnachmittag waren in der Nacht auch vor einer Synagoge in der dänischen Hauptstadt Schüsse gefallen. Wie die Polizei mitteilte, wurde dabei ein Mensch getötet. Zwei weitere wurden verletzt.

Bei dem Getöteten handelt es sich um einen jungen jüdischen Wachmann. "Er war Mitglied der jüdischen Gemeinschaft und kontrollierte die Menschen, die in die Synagoge zur Feier einer Bar Mitzwa kamen", sagte der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Dan Rosenberg Asmussen, dem Sender TV2 News. Dem Angreifer sei es nicht gelungen, in das Gebäude zu gelangen, wo etwa 80 Menschen versammelt waren. Nach Angaben von Asmussen hatte die jüdische Gemeinde die Sicherheitsvorkehrungen nach den islamistischen Terroranschlägen in Paris Anfang Januar verstärkt.

Anschlag auf Karikaturisten

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Wenige Stunden zuvor war am Samstagnachmittag in Kopenhagen bereits ein Anschlag auf eine Diskussionsveranstaltung über Meinungsfreiheit und Islam im Kulturzentrum Krudttonden verübt worden. Dabei hatte ein Bewaffneter einen 40-jährigen Mann getötet und drei Polizisten verletzt. Nach Angaben der Polizei handelt es sich um den selben Täter, der später vor der Synagoge um sich schoss.

Die dänische Regierung ging schon nach den Schüssen vom Nachmittag von einem Terrorakt aus. "Alles deutet darauf hin, dass die Schüsse eine politisch motivierte Attacke darstellen und deswegen ein Akt des Terrorismus sind", sagte Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt. Das Attentat galt offenbar dem schwedischen Mohammed-Karikaturisten Lars Vilks, der bei der Diskussionsrunde anwesend war. Vilks brachte sich in einer Kühlkammer in Sicherheit - er blieb unverletzt.

(Foto: Twitter.com/@CNNJason)

Der mutmaßliche Täter flüchtete in einem dunklen VW Polo. Das Fahrzeug wurde inzwischen gefunden. Von dem Schützen fehlt jedoch jede Spur. Der Täter soll zwischen 25 und 30 Jahre alt sein, etwa 1,85 Meter groß und von sportlicher Statur. Der Polizei zufolge handelt es sich um einen Mann arabischen Aussehens.

Nach den Anschlägen begann die Bundespolizei, Fahrzeuge aus Dänemark gezielt zu kontrollieren. Auf der Autobahn 7 wurden am Samstagabend in Höhe Rastplatz Handewitter Forst Sperren errichtet und der Verkehr über den Parkplatz geleitet. Dort kontrollierten die Beamten Fahrzeuge aus Dänemark. "Die Bundespolizei unterstützt die Fahndungsmaßnahmen", sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Einzelheiten nannte er jedoch nicht. Die dänischen Sicherheitsbehörden hatten um Unterstützung gebeten.

Täter wollte "dasselbe wie bei Charlie Hebdo"

(Foto: REUTERS)

Der Karikaturist Vilks war schon mehrfach Ziel von Anschlägen, nachdem er eine Zeichnung mit dem Propheten Mohammed als Hund ausgestellt hatte. 2007 war im Internet von einem Al-Kaida-Ableger im Irak ein Kopfgeld von 150.000 Dollar ausgesetzt worden. "Was könnte man sich beim heutigen Dollarkurs schon für meinen Kopf kaufen?" scherzte Vilks damals.

Bei der Veranstaltung zu Meinungsfreiheit war auch der französische Botschafter François Zimeray. Zimeray gab kurz nach den Schüssen via Twitter bekannt, dass er lebe und sich noch im Konferenzraum befinde. "Sie haben von außen auf uns geschossen. Sie hatten dasselbe vor wie die Täter von 'Charlie Hebdo' - außer dass sie es nicht geschafft haben, in das Gebäude zu kommen", sagte Zimeray. Kugeln seien durch Türen gedrungen, alle Anwesenden hätten sich auf den Boden geworfen und seien dann aus dem Saal geflüchtet. Der französische Außenminister Laurent Fabius sprach in einem Statement von einem "terroristischen Anschlag".

Außenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte den Anschlag als terroristischen Akt. "Die internationale Gemeinschaft wie die Staaten jeder für sich werden sich dieser Art von Terrorismus nicht beugen", sagte Steinmeier bei einem Besuch in Peru. "Wir stehen ein für die Freiheit und wir wollen sie für die Menschen in unseren Staaten erhalten." Zusammen mit dem peruanischen Außenminister Gonzalo Gutierrez sprach er Dänemark sein Mitgefühl aus.

Der Terrorismus-Experte Michael Ortmann sagte bei n-tv, es spreche viel dafür, dass es sich um einen Terrorakt handle. Dänemark sei seit einigen Jahren im Visier von Terroristen. "Es gibt dort eine gewisse islamistische Szene", so Ortmann. "Das passt schon alles ins Bild." Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard sagte, man habe so etwas "vielleicht erwarten" können. Er sei wütend und fühle sich seit dem Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" im Januar in Paris besonders bedroht.

Quelle: n-tv.de

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