Politik
Tillich traf in Freital auch eine Flüchtlingsfamilie.
Tillich traf in Freital auch eine Flüchtlingsfamilie.(Foto: dpa)
Donnerstag, 25. Juni 2015

Proteste gegen Asylbewerberheim: Tillich besucht Flüchtlinge in Freital

Proteste und auch Gewalt beherrschen seit Tagen das sächsische Städtchen Freital. Es geht um eine Asylbewerberunterkunft. Sachsens Ministerpräsident Tillich reist nun an den Ort des Geschehens. Doch auch Berlin reagiert besorgt.

Nach tagelangen Protesten und teils gewaltsamen Auseinandersetzungen hat Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich eine Asylbewerberunterkunft in Freital bei Dresden besucht. Er sei gekommen, um sich ein Bild zu machen, sagte der CDU-Politiker bei seiner Ankunft.

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Er verwies auf den "enormen Zustrom" an Flüchtlingen, der auch anderenorts in Deutschland und Europa eine große Herausforderung sei. "Völlig inakzeptabel sind aber Drohungen, Hetze und Gewalt gegen Bürgermeister und Landräte, die sich engagieren, für eine menschenwürdige Unterkunft zu sorgen", sagte Tillich. Hier würden "Recht und Gesetz ihre volle Anwendung finden". "Ich sage ganz klar Nein zu Gewalt und zu Aufrufen dazu." Bei seinem Besuch in dem früheren Hotel kam Tillich auch mit einer Flüchtlingsfamilie zusammen.

Bundesjustizminister Heiko Maas warnte derweil vor einer weiteren Stimmungsmache gegen Flüchtlinge. "Gewaltaufrufe gegen Flüchtlinge sind völlig inakzeptabel", erklärte der SPD-Politiker in Berlin. In Deutschland dürfe kein Platz für Fremdenfeindlichkeit sein.

"Äußerst besorgniserregend"

Die Migrations-Beauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz von der SPD, nannte die Lage in Freital "äußerst besorgniserregend". Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) zeigte sich entsetzt über "die feindseligen Aufrufe gegen Flüchtlinge". "Wer mit Böllern, Steinen und Eiern auf Asylunterkünfte zielt, bewegt sich außerhalb unseres demokratischen Wertesystems", erklärte sie.

Zum dritten Mal in Folge hatten am Mittwochabend nach Polizeiangaben rund 160 Menschen gegen die Flüchtlingsunterkunft in Freital demonstriert. Ihnen standen rund 80 Befürworter des Asylheims gegenüber. Ein Mann aus den Reihen der Pro-Asyl-Demonstranten wurde am Rande der Proteste durch eine Glasflasche leicht verletzt. Die Polizei kündigte an, sie werde ab sofort "rund um die Uhr" vor dem Heim präsent sein. Bereits am Montag und Dienstag hatte es Proteste vor der Unterkunft gegeben.

Im südlich von Dresden gelegenen Freital gibt es schon seit geraumer Zeit Gegenwehr gegen die Asylunterkunft, unter anderem von der Initiative "Freital wehrt sich - Nein zum Hotelheim" und dem Pegida-Ableger Frigida. Das ehemalige Hotel "Leonardo" war bislang für die Unterbringung von rund 100 Flüchtlingen durch den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge vorgesehen. Nachdem am Montag die Landesdirektion Sachsen die Aufnahme von bis zu 280 weiteren Asylbewerbern in Freital bekanntgab, hatten sich die Proteste zugespitzt.

Quelle: n-tv.de

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